Ole-Einar Bjørndalen lobt Oberhof-Weltcup

Oberhof  Die Biathlon-Legende Ole-Einar Bjørndalen hat die Rollen getauscht und arbeitet jetzt für das norwegische Fernsehen. Er meint: Der Weltcup in Oberhof gehört nach Thüringen.

Einlauf in die Arena: Nicht nur bei der Herren-Verfolgung über 12,5 Kilometerwar dieser Moment beim Weltcup in Oberhof für die Sportler einer mit Gänsehaut-Effekt. Mehr als 20.000 Zuschauer sorgten dafür.

Einlauf in die Arena: Nicht nur bei der Herren-Verfolgung über 12,5 Kilometerwar dieser Moment beim Weltcup in Oberhof für die Sportler einer mit Gänsehaut-Effekt. Mehr als 20.000 Zuschauer sorgten dafür.

Foto: Sascha Fromm

Einmalig. Dieses Urteil fällten viele Athleten über die Zuschauer in Oberhof, die aus allen Bundesländern nach Thüringen kommen, wobei die Einheimischen natürlich in der Überzahl sind. Nicht selten nehmen sie schon Stunden vor den Wettkämpfen ihre Plätze ein, harren eisern aus, tanzen und schunkeln sich bei Stimmungshits warm – und feuern ihre Lieblinge auf Skiern unentwegt an. Egal wie das Wetter ist. Sie wollen nichts verpassen und stellen sich auch Fragen.

Ist er es, oder ist er es nicht? Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, ohne Ski und Gewehr unterwegs, ist Ole-Einar Bjørndalen nicht für jeden leicht zu erkennen. Den eingefleischten Fans in Oberhof, die meisten stehen am Grenzadler, kommt er aber nicht so leicht davon. Sie bejubeln ihn wie zu aktiven Zeiten, wenn er in der Mixed-Zone Interviews mit den Aktiven führt. „Sie sind sehr nett zu mir. Das kann man nur genießen“, sagt der Norweger und erfüllt Autogrammwünsche.

Bjørndalen hat in seiner Karriere alles gewonnen: Er ist 20-facher Weltmeister, hat bei Olympischen Spielen acht Goldmedaillen gesammelt und konnte den Gesamtweltcup sechsmal für sich entscheiden. Wegen seiner zahlreichen Erfolge trägt er den Spitznamen „Kannibale“, dabei ist er gerade nach seinem Rücktritt zugewandt und alles andere als bissig. Nach einem Vierteljahrhundert im Weltcup beendete er im April 2018 seine sportliche Karriere. Sein großer Traum, die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, ging kurz zuvor nicht in Erfüllung.

Sein letztes offizielles Rennen lief er, zusammen mit seiner Ehefrau Darja Domratscheva, kurz vor dem Jahreswechsel beim Biathlon auf Schalke. „Ich war zu Weihnachten krank, und deswegen war es für mich sehr anstrengend“. In Oberhof ist die ehemalige Spitzenathletin nicht dabei. „Sie sind zu Hause in Minsk“, sagt der 44-Jährige über seine Frau und die gemeinsame zweijährige Tochter.

Viel Zeit hätte die Biathlon-Legende sowieso nicht für sie gehabt. Er ist neuerdings der Experte für einen norwegischen Fernsehsender, so wie der Oberhofer Sven Fischer für das ZDF. Er mag den Rollentausch: „Ich bin viele Jahre als Athlet gelaufen. Jetzt ist es interessant, den Sport von der anderen Seite zu sehen.“ Die Feuertaufe erlebte er beim Saisonauftakt in Pokljuka, auch in Ruhpolding und Antholz wird er dabei sein. „Die drei Weltcups im Januar sind die größten. Die Stimmung in Oberhof ist super“, sagt Ole-Einar Bjørndalen.

Langweilig wird es ihm nach seinem Karriereende nicht. Er trainiert noch fast jeden Tag, auch in Oberhof stand er auf dem Ski. In vier Jahren, wenn die Biathlon-WM am Grenzadler stattfindet, würde er gerne wieder in die Stadt am Rennsteig kommen. Der Weltcup dort ist für ihn „Kultur und Tradition“.

Und für Tausende Fans ist er ein Ereignis, das sie lieben.

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