Zwischen Freud und Leid: Durchwachsene Leistung der deutschen Biathleten in Oberhof

Oberhof  Die Leistungen der deutschen Biathleten beim Weltcup in Oberhof glich dem Wetter am Rennsteig: sie waren sehr wechselhaft.

Arnd Peiffer setzt sich am Samstag in der Verfolgung gegen Lukas Hofer durch und wird Zweiter. In der gestrigen Staffel patzt aber auch er.

Arnd Peiffer setzt sich am Samstag in der Verfolgung gegen Lukas Hofer durch und wird Zweiter. In der gestrigen Staffel patzt aber auch er.

Foto: Sascha Fromm

Nach dem Wintermärchen der vergangenen Tage präsentierte sich Oberhof zum Abschluss des Biathlon-Weltcups von seiner ungemütlichen Seite. Dichte Nebelschwaden hatten sich am Sonntag über dem Thüringer Wald gebildet, wechselnde Böen bliesen den 21.600 Zuschauern erbarmungslos ins Gesicht und von oben prasselte unaufhörlich Regen nieder.

Wetter, das der in Oberhof lebende Erik Lesser kennt – aber auch nicht sonderlich liebt. So stand er nach seinem Einsatz zitternd im Ziel und war sichtlich froh, als er ins Warme durfte. Doch zuvor galt es Fragen zu beantworten: zum finalen Rennen, das die Männerstaffel auf einem enttäuschenden achten Rang beendet hatte, aber auch zu seinem Fehlen in der Verfolgung.

„Es war eine lange Nacht mit einem erfreulichen Ergebnis“, erklärte er schmunzelnd. Am frühen Samstagmorgen hatte seine langjährige Lebensgefährtin Nadine eine kleine Tochter namens Anouk zur Welt gebracht. „Sie ist klein und kräftig, hat Durst, alle sind gesund und glücklich“, so Lesser. Mehr wollte der 30-Jährige nicht verraten. Ende November war auch sein Team- und Zimmerkollege Arnd Peiffer erstmals Vater einer Tochter geworden. Doch Tipps gab dieser nicht: „Da muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln“, findet Lesser. „Wir versuchen jetzt, uns zu Hause etwas einzugrooven.“

Seiner gestrigen Leistung tat das aufregende Erlebnis keinen Abbruch. Beim souveränen Sieg von Russland vor Frankreich und Österreich überzeugte Lesser als einziger Deutscher im Regen am Rennsteig. Als Startläufer benötigte er nur eine Nachladepatrone und übergab knapp hinter Frankreich als Zweiter auf Simon Schempp. Doch schon bei der ersten Schießprüfung vergab dieser alle Podestchancen, musste in die Strafrunde und haderte hinterher mit seiner läuferischen Verfassung: „Sobald ich momentan eine gewisse Intensität überschreite, ist der Ofen aus. Da verliere ich unheimlich viel Zeit. Und das setzt mich am Schießstand noch einmal mehr unter Druck.“

Da auch Peiffer die drei Extrapatronen im Stehendanschlag nicht ausreichten, lief die deutsche Staffel zum Weltcup-Halali nur hinterher. Daran konnte auch Benedikt Doll nichts mehr ändern. Dennoch nahm es Bundestrainer Mark Kirchner gelassen: „Wir gehen sicher auf Ursachenforschung, warum es bei einigen schlecht lief. Doch insgesamt überwiegt das Positive bei dem Weltcup: der Podiumsplatz von Arnd und die Rehabilitation der Damen nach dem Sprint.“

In der Verfolgung am Samstag hatte sich Peiffer im Schneetreiben Platz zwei gesichert und war von der Stimmung einmal mehr mächtig angetan: „Ich bin jetzt das zehnte Mal in Oberhof dabei. Aber daran gewöhnt man sich nie. Es ist mir immer wieder eine Ehre, hier starten zu dürfen“, sagte der Sprint-Olympiasieger, dessen Stern 2009 am Rennsteig aufgegangen war.

Überraschend in die deutsche Staffel gerückt, hatte er ihr damals zu Rang drei verholfen. Zehn Jahre später gelang ihm wieder der Sprung aufs Podest. In einem packenden Duell auf der Zielgeraden bezwang Peiffer den Italiener Lukas Ho­fer. Den Sieg holte sich erneut der in dieser Saison überragende Norweger Johannes Tignes Bö. Als zweitbester Deutscher landete Benedikt Doll unter dem Jubel der 22.500 Zuschauer auf dem siebenten Platz.

Zuvor hatten die Frauen das historische Debakel im Sprintrennen wettgemacht. Beim Tri­umph der Italienerin Lisa Vittozzi vor Anastasija Kuzmina aus der Slowakei und der Französin Anais Chevalier verbesserte sich Franziska Preuß um gewaltige 39 Plätze auf Rang sechs und war damit beste deutsche Skijägerin. Das Leid war der Freude gewichen. Auch Denise Herrmann hatte eine Menge Boden gut gemacht. Als 36. gestartet, stürmte sie auf Platz neun vor; Karolin Horchler lief von 34 auf elf.

Diesen Schwung nahmen die deutschen Skijägerinnen mit ins Staffelrennen. Horchler wechselte als Dritte auf Franziska Hildebrand, die ihr Team trotz eines Sturzes dank makelloser Schießeinlagen nach vorn brachte. Franziska Preuß konnte die Führung vor den Russinnen knapp verteidigen, ehe diese den Spieß am Ende wieder umdrehten.

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