Die Liebe zu einem Fußballklub: Erfurter will Rot Weiß Erfurt mit großem Wandgraffiti verewigen

Erfurt  Damian Kordon investiert seine Freizeit und viel Geld, um seinem FC Rot-Weiß mit großen Wandgraffitti im Stadtbild ein Gesicht zu geben

Damian Kordon vor einem seiner aufwendigsten Wandgraffiti in der Leipziger Straße/Ecke Greifswalder Straße. Foto: Michael Keller

Damian Kordon vor einem seiner aufwendigsten Wandgraffiti in der Leipziger Straße/Ecke Greifswalder Straße. Foto: Michael Keller

Foto: zgt

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Morgen, am Sonntag, steht das nächste Heimspiel der Erfurter Rot-Weißen gegen die Zebras aus Duisburg an. Einer wird wie immer im Block der Ultras stehen – Damian Kordon. Der 27-Jährige macht derzeit gerade in Berlin seinen Masterabschluss in Wirtschaft und Privatrecht. Aber wenn sein Herzensverein spielt, ist er dabei, egal, ob zu Hause oder in fremden Stadien. An den Wochenenden oder in den Semesterferien hat Damian aber in Erfurt eine ganz besondere Passion – er verschönt Wandflächen und Mauern mit Liebeserklärungen an den FC Rot-Weiß. Seinen Klub.

Gut 60 dieser Wandbilder sind seit 2010 entstanden

Die riesigen Graffiti fallen im Stadtgebiet sofort ins Auge. Ob in der Häßlerstraße in Höhe des Finanzministeriums oder an der Bahnbrücke in der Löberstraße, in der Leipziger Straße, in der Nordhäuser Straße beim Klinikum, in Marbach an einem Garagenkomplex, am Bahnhof Vieselbach – überall hat Kordon farbige Spuren hinterlassen. Bilder mit Pathos und Herz, mit Liebe und Stolz, mit Zugehörigkeitsgefühl zu RWE, zu Erfurt.

2000 hat es zwischen ihm und RWE gefunkt. Und wer sagt’s – beim Thüringenderby. Seit zehn Jahren gehört der gelernte Banker zu den Ultras. Mit seinem Kumpel Alex brachte er die Idee für die Fußball-Wandgraffiti von Besuchen in Kroatien oder Polen mit. „Wollten wir auch, aber nicht irgendwelches wildes Geschmiere mit Tags, sondern richtige Bilder“, sagt er.

Früher hat er in der Schule gern Graffiti ins Hausaufgabenheft gezeichnet. Das macht er jetzt im Prinzip auch. Nur größer. Viel größer. Kumpel Alex sucht geeignete Flächen, große, verputzte Wände, gut zu sehen. Wird er fündig, sucht er das Gespräch mit den Eigentümern, holt die schriftliche Erlaubnis ein, um auf Nummer sicher zu gehen. Manch einer habe ihnen einen Vogel gezeigt, andere seien sehr kooperativ.

2010 entstand das erste große RWE-Bild – am Vieselbacher Bahnhof. Drei Garagenwände, 15 Meter lang , optimal gelegen. Inzwischen sind es schon um die 60 Werke in der Stadt und drumherum. Das größte befindet sich in Mönchenholzhausen.

Wenn es soweit ist, packt Damian Notstromaggregat und Polylux ein. Mit dem Polylux wird die vorbereitete Vorlage auf die Wand projiziert und dann farblich gestaltet. 300 bis 400 Euro lassen sich Damian und Alex das pro Bild kosten.

Vom Fußballklub bekommen sie nichts. Auf den sind die Ultras derzeit nicht gut zu sprechen. Alle ihre Versuche, für Rot-Weiß neue Fans zu gewinnen, etwas für den Klub zu tun, werden ignoriert. Sauer ist man besonders auf den RWE-Pressesprecher, der jede Unterstützung zur Publizierung der Aktionen boykottiere. Also macht man es eben selber. „Die Liebe zu einem Klub . . .“ – der Text der RWE-Hymne weist den Weg.

„Unsere Graffiti sind ganz legal“, unterstreicht Damian Kordes, der in Leipzig geboren wurde, aber dann schnell zusah, dass er nach Erfurt kam. Seiner Stadt, die er genau so liebt, wie den dazugehörigen Fußballklub, der sich seit Jahren müht, aus den Niederungen des Fußballs endlich dorthin zu kommen, wo die Sonne heller scheint – in Liga zwei. Ein steiniger Weg. Ein langer Weg, den Damian und Alex mitgehen. Auch, um am Image der Ultras zu arbeiten, denen manche prinzipiell nur Böses unterstellen.

Am Anfang hielt ab und an die Polizei, kontrollierte. „Seit dem fünften Bild fahren sie vorbei und winken sogar“, sagt der leidenschaftliche Sprayer. Eine Polizistin wollte bei ihm gar ein Sprüh-Graffito fürs Kinderzimmer in Auftrag geben. Es kam auch schon vor, dass man eine Bratwurst und ein Bier brachte. RWE-Fans stecken ihm hin und wieder einen Zehner zu. Damian muss lächeln, als er von dem alten Mann erzählt, der das mit den gesprühten RWE-Bildern so toll fand, dass er ihm zum Dank gerührt ein altes RWE-Jubiläumsglas schenkte.

Fast so wertvoll wie drei Punkte morgen gegen Duisburg.

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