Dirk Orlishausen: „Der KSC bietet mir eine gute Perspektive“

Erfurt  Torhüter Dirk Orlishausen spricht über seine Reservistenrolle beim Karlsruher SC, die aktuelle Serie, die Zukunft und das anstehende Spiel bei seinem ehemaligen Verein FC Rot-Weiß Erfurt.

Der aus Sömmerda stammende, langjährige Rot-Weiß-Torhüter Dirk Orlishausen kehrt am Sonntag mit Karlsruhe in die Heimat zurück.

Der aus Sömmerda stammende, langjährige Rot-Weiß-Torhüter Dirk Orlishausen kehrt am Sonntag mit Karlsruhe in die Heimat zurück.

Foto: Imago

Als Kind stand er einst in der rot-weißen Fankurve, hütete später sechs Jahre das Tor der Erfurter Profis, ehe es Dirk Orlishausen im Sommer 2011 zum Karlsruher SC zog. Morgen kehrtder 35-Jährige erstmals ins umgebaute Steigerwaldstadion zurück.

Herr Orlishausen, was empfinden Sie mit Blick auf Sonntag?

Ich freue mich und bin sehr gespannt auf das neue Stadion. Ich hatte vor ein paar Jahren ja mal versprochen, dass ich dort noch mal auflaufen werde. Das kann ich jetzt einlösen. Zuletzt war ich beim Abschiedsspiel gegen Groningen da – ein sehr emotionaler Abend. Es wird immer etwas Besonderes für mich sein, in Erfurt zu spielen. Rot-Weiß ist der Verein, der mich in den Profifußball gebracht hat.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die jüngsten Geschehnisse rund um den Club verfolgt?

Mit großem Unverständnis und Herzschmerz. Die öffentliche Schlammschlacht, die über Monate stattgefunden hat, war kein guter Stil. Das kriegt ganz Fußball-Deutschland mit und wirft kein gutes Licht auf den Verein.

Was, denken Sie, ist schief gelaufen?

Um einen genauen Einblick zu haben, bin ich zu weit weg. Fest steht, dass Erfurt das neue Stadion vor allem Herrn Rombach zu verdanken hat. Zu sehen, wie RWE aber sportlich abgestürzt ist und wie viele Schulden es mittlerweile gibt, tut weh. Es scheint, als wäre eine Plan-Insolvenz wirklich das Beste für den Verein. Zumal es nächstes Jahr in der Regionalliga Nordost ja einen festen Aufsteiger gibt.

Der KSC ist das Gegenbeispiel, seit 17 Liga-Spielen unbesiegt. Was macht ihn so stark?

Wir haben nach anfänglichen Problemen als Mannschaft zusammengefunden und verfolgen eine einheitliche Spielidee. Hinzu kommt, ohne überheblich zu sein, die gute Qualität in unserem Team. Es ist einfach schwer, gegen uns zu gewinnen.

Welchen Anteil hat Ex-Rot-Weiß-Trainer Alois Schwartz?

Einen großen, ganz klar. Er hat an den richtigen Schrauben gedreht und uns mit einfachen taktischen Kniffen auf Kurs gebracht. Unter ihm konnten wir die Riesen-Hypothek aus den ersten Partien abbauen. Mal gibt es Zuckerbrot, mal die Peitsche – sein Stil kommt gut an.

Wissen Sie überhaupt noch, wie sich Niederlagen anfühlen?

Oh doch! Ich habe letzte Saison in der zweiten Liga genug auf den Sack bekommen... Da ist es schön, mal so etwas zu erleben.

Allerdings von der Bank aus. Wie kommen Sie mit der Rolle als zweiter Torhüter zurecht?

Ich kenne meine Position. Und obwohl ich natürlich gern spielen würde, habe ich viel Spaß. Benjamin Uphoff macht seine Sache richtig gut. Aber er weiß auch, dass er sich nicht ausruhen darf. Ich werde nicht locker lassen. Auch mit 35 ist bei mir noch Druck auf dem Kessel.

Zählt nur der Aufstieg?

Die Serie kommt ja nicht von ungefähr. Wir sind jetzt Dritter und selbstbewusst genug, um zu sagen: Wir können jedes Spiel gewinnen. Und das würde zwangsläufig zum Aufstieg führen.

Drei Punkte am Sonntag in Erfurt sind daher Pflicht?

Es ist unser Anspruch. Aber was die Tabelle auf dem Papier aussagt, hat häufig nichts mit dem zu tun, was auf dem Platz passiert. Wer hätte gedacht, dass Rot-Weiß gegen Magdeburg und Paderborn gewinnt? Wir sind gewarnt, da die Erfurter ja auch noch eine Minimalchance auf den Klassenerhalt besitzen.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Wie geht es dann weiter?

Wir haben schon Gespräche über eine Verlängerung geführt – unabhängig von der Liga. Ich hätte schon Lust, noch ein Jahr dranzuhängen und gleichzeitig meine Ausbildung als Torwarttrainer voranzutreiben.

Sehen Sie in dieser Rolle Ihre berufliche Zukunft?

Ja, die ersten Lehrgänge sind absolviert und die C-Lizenz ist abgelegt. Im Sommer steht jetzt der DFB-Leistungskurs an. In der kommenden Saison will ich in der U12-, U-13-Jugend die ersten Erfahrungen in der Basisausbildung sammeln. Der KSC bietet mir da eine gute Perspektive.

Also wird es nach der aktiven Karriere keine Rückkehr nach Thüringen geben?

Mittlerweile spiele ich ja länger beim KSC als bei RWE. Wir haben hier ein Haus gebaut, meine Frau Monique hat eine Arbeit, die ihr Spaß macht. Wir fühlen uns rundum wohl. Deshalb gibt es aus heutiger Sicht keinen Grund, Karlsruhe zu verlassen.

Rot-Weiß Erfurt – Karlsruher SC, Sonntag 14 Uhr