Ein Verlierer steht schon fest: Vor dem Pokalfinale von Wismut Gera und FC Carl Zeiss in Erfurt

Gera  Carsten Hänsel bedauert, dass wohl nur wenige Jenaer ins Steigerwaldstadion kommen und es wieder die Falschen trifft

Der Sportliche Leiter Carsten Hänsel (links) und Spieler Philipp Katzenberger gestern auf der Pressekonferenz im Stadion am Steg, dem Stadion des Überraschungsfinalisten BSG Wismut Gera.

Der Sportliche Leiter Carsten Hänsel (links) und Spieler Philipp Katzenberger gestern auf der Pressekonferenz im Stadion am Steg, dem Stadion des Überraschungsfinalisten BSG Wismut Gera.

Foto: Peter Michaelis

Carsten Hänsel hat schon einen Verlierer ausgemacht – den Amateurfußball. „Und in dem Fall ist es die BSG Wismut Gera.“ Warum? Die Endspiele um die Landespokale starten am Pfingstmontag zum dritten Mal als Finaltag der Amateure, so will es der DFB. Zwar wolle er nicht kommentieren, was ein Teil der Jenaer Fans macht – oder besser gesagt nicht macht, nämlich ins Steigerwaldstadion fahren, um den FC Carl Zeiss anfeuern. Dafür treffen sich die Fans der Südkurve im Jenaer Stadion, um das Spiel auf einer Leinwand zu verfolgen – aus Protest, dass der Thüringer Fußball-Verband (TFV) für drei Jahre das Steigerwaldstadion als Finalspielort festgelegt hat. Das alles zu beurteilen sei seine Sache nicht, sagt Hänsel, „aber ich finde es schade, dass uns durch das Fernbleiben der Jenaer einiges an Geld entgeht.“

Auch noch nächstes Jahr ist Erfurt Austragungsort

Die Rechnung ist einfach. Der Thüringer Fußballverband beansprucht 70 Prozent der Einnahmen, abzüglich der Kosten rund um das Finale für sich, der Verlierer erhält 20 und der Sieger zehn Prozent. „Wäre das Stadion mit einem großen Jenaer Fanaufgebot gut gefüllt, dann hätten wir als Oberligist ein paar Euro mehr bekommen“, sagt der 35-Jährige. Wolfhardt Tomaschewski, der TFV-Präsident, verteidigte den Austragungsort Erfurt. „Wir haben die Lehren aus dem Finale von vor zwei Jahren in Jena gezogen, als nur 600 Erfurter ins Stadion durften.“ Das sei eine Katastrophe gewesen. Im Vorjahr hätte Nordhausen das Finale in Erfurt angenommen. „Wir wollten einfach sicher gehen, dass so viele Fans wie möglich das Finale verfolgen können – das ist im Steigerwaldstadion möglich.“

Hier sehen Sie die gesamte Pressekonferenz im Video:

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Die Geraer lassen sich von den Nebengeräuschen rund um das Pokalfinale aber nicht den Spaß am Finale, den Spaß am Fußball nehmen. „Für uns ist das Endspiel ein Highlight. Die Mannschaft hat sich das Finale verdient. Die Vorfreude ist groß.“ Die Fans reisen mit einem Sonderzug nach Erfurt, der Verein hat einen Bus gechartert – 500 Stehplatztickets wurden im Vorverkauf im Stadion am Steg bereits verkauft. „Dass wir als Oberligist gegen den FC Carl Zeiss verlieren, ist das Normale. Jena hat als Aufsteiger eine super Saison gespielt“, sagt Hänsel. Doch der Fußball sei eine der wenigen Sportarten, „wo es möglich ist, dass auch ein unterklassiger Verein einen Profiklub schlagen kann und den Pokal in die Höhe reckt.“ Hänsel erinnerte schon mal an das 7:5 nach Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen den FSV Wacker Nordhausen. „Ein Jahrhundertspiel für die BSG Wismut – darüber werden die Anhänger noch in zwanzig oder dreißig Jahren reden.“ Ob denn schon etwas geplant sei, für den Fall der Fälle, wird gefragt: „Wir sind die Amateure, wir sind die Meister der Improvisation.“

Mark Zimmermann, der Jenaer Trainer, verfolgt die Diskussion um das Steigerwaldstadion, doch wollte er sich auf das Sportliche beschränken. „Wir nehmen das jetzt so hin. Wir konzentrieren uns auf das, was wir als Verein, was ich als Trainer beeinflussen kann. Egal, ob hundert oder tausend Fans da sein werden. Für uns kommt es drauf an, ein Fußballspiel erfolgreich zu absolvieren.“ Dass Wismut Gera in der Oberliga noch um den Klassenerhalt kämpft, spiele am Montag keine Rolle.

„Wir müssen damit rechnen, dass Gera über sich hinaus wächst. Wir haben uns Gera angeschaut. Wir wissen, dass die Hälfte der Spieler schon in höheren Ligen gespielt hat.“ Und auch René Eckardt freut sich aufs Finale. „Wir sind in einem guten Lauf drin, haben die letzten fünf Pflichtspiele gewonnen – und wollen unsere erfolgreiche Saison mit dem Pokalsieg abschließen.“

Für Geras Philipp Katzenberger (19) ist das Pokalfinale der sportliche Höhepunkt schlechthin. „Obwohl ich in der Jugend beim FC Rot-Weiß war, habe ich noch nie im Steigerwaldstadion gespielt.“ Auch bei ihm überwiege die Vorfreude. „Alle müssen leidenschaftlich kämpfen, alle Spieler von eins bis 18 müssen über ihr Limit gehen“, sagt der Verteidiger. Die Taktik wird Trainer Frank Müller erst im Stadion an die Wand malen. Doch es sei kein Geheimnis. „Es wird bei uns viel über Standards gehen.“ Was geht im Pokal, habe Schott Jena 2013 mit dem 1:0-Finalsieg gegen Erfurt gezeigt.

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