Ex-Rot-Weißer ersetzt Jürgen Klopp auf Dortmunder Bank

Erfurt. Am Dienstagabend muss Zeljko Buvac etwas tun, was er gar nicht mag: ins Rampenlicht treten. Weil Jürgen Klopp wegen seines Wutausbruchs in Neapel im Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen Olympique Marseille auf der Tribüne sitzen muss, gibt sein Assistent für 90 Minuten den Chef.

Zeljko Buvac ist Co-Trainer beim BVB und trägt den bezeichnenden Beinamen "Das Gehirn". Foto: Getty

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"Kein Problem", sagt Klopp. "Wir brauchen keine Leitung. Zeljko und ich arbeiten meistens telepathisch zusammen." Ohnehin sei schon vor dem Anpfiff des zweiten Gruppenspiels alles geregelt und besprochen.

Wobei Buvac das Reden meist Klopp überlässt. Er ist ein ruhiger Vertreter seiner Zunft; einer, der nur spricht, wenn er etwas zu sagen hat; einer, der nie im Mittelpunkt stehen möchte.

Rainer Stops kann sich noch gut an den schüchternen Mann erinnern, den der frühere Geschäftsführer 1991 zum FC Rot-Weiß Erfurt gelotst hatte. "Das war ein ganz lieber Kerl - und ist es bis heute geblieben." Den entscheidenden Tipp, den bereits 30-jährigen Buvac aus dem früheren Jugoslawien nach Deutschland zu holen, hatte der mittlerweile verstorbene Rot-Weiß-Trainer Josip Kuze gegeben.

Realisiert werden konnte der Transfer vom FK Borac Banja Luka nach Erfurt allerdings nur dank eines zinslosen Darlehens von Eintracht Frankfurt. "Wir hatten einen Kooperationsvertrag mit der Eintracht, die uns die notwendiger Ablösesumme von 300.000 D-Mark geliehen hat", verrät Stops.

Den Abstieg der Erfurter nach nur einem Jahr in der 2. Bundesliga konnte aber auch der technisch beschlagene Mittelfeldakteur nicht verhindern. Auf 21 Einsätze mit immerhin acht Toren brachte es Buvac im Rot-Weiß-Dress. Er zählte auch zum Kader, als Klopp im August 1991 seine Sternstunde erlebte und vier Tore zum Mainzer 5:0-Sieg in Erfurt beisteuerte.

Vielleicht lag es auch ein bisschen daran, dass Buvac Klopp 1992 zu den Rheinhessen folgte und es dort in drei Jahren auf 90 Zweitliga-Spiele und 13 Treffer brachte. Beide verstanden sich auch abseits des Platzes so gut, dass sie sich nach der Spielerkarriere versprachen, das Trainerleben gemeinsam zu meistern.

Für 300.000 Euro Ablöse aus dem Ex-Jugoslawien

Mittlerweile ist der introvertierte Bosnier seit zwölf Jahren die bessere Hälfte des eloquenten Frontmannes Klopp. Einer, der alles über Fußball weiß und deshalb den Beinamen "Das Gehirn" trägt. Der Mainzer Präsident Harald Strutz bemerkte einmal treffend: "Buvac ist Klopps eineiniger Zwilling." Und der Chef sagt zur Zusammenarbeit mit seinem 52-jährigen Assistenten: "Zusammen sind wir ein richtig guter Trainer."

Dienstagabend wird sich zeigen, wie gut Buvac mit der Chefrolle zurecht kommt. Von Seiten der Spieler wird Klopps Fehlen an der Seitenlinie ohnehin gelassen gesehen. Robert Lewandowski sagt: "Wir werden spielen wie immer und wissen, was zu tun ist." Mats Hummels sagte im "Kicker", dass er während solcher Abende in seiner eigenen Welt lebe. Und alle Dortmunder brennen auf Revanche. 2011 zogen sie in beiden Duellen gegen Marseille den Kürzeren, obwohl sie nicht schlechter waren.

Champions League

  • Dienstag, 20.45 Uhr: Dortmund - Marseille, Basel - Schalke (beide Spiele, Sky live)
  • Mittwoch, 20.45 Uhr: Manchester City - Bayern (ZDF und Sky live), Leverkusen - San Sebastian (Sky live)

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