Im Gespräch mit Rot-Weiß-Hoffnungsträger Daniel Brückner

Erfurt. Daniel Brückner über hohe Erwartungen, Paderborn, Effenberg, Ribery und das Älterwerden.

Daniel Brückner (links) im Duell mit dem Stuttgarter Jerome Kiesewetter. Foto: Frank Steinhorst

Daniel Brückner (links) im Duell mit dem Stuttgarter Jerome Kiesewetter. Foto: Frank Steinhorst

Foto: zgt

Seinen 35. Geburtstag verbrachte er am Sonntag mit Familie und Freunden ganz entspannt in Hamburg. Die Stimmung war dank des ersten Sieges nach seiner Rückkehr zum FC Rot-Weiß entsprechend gut. Zuvor sprach Daniel Brückner mit unserer Zeitung über aufregende Jahre in Paderborn und die Ziele mit Erfurt.

Herr Brückner, war das 2:1 beim VfB Stuttgart II der erhoffte Befreiungsschlag?

Es war sehr wichtig, gegen einen direkten Konkurrenten die drei Punkte geholt zu haben. Nicht nur, weil wir den Abstand zu Stuttgart vergrößert haben, sondern auch für den Kopf.

Sie spielen auf die lange sieglose Auswärtsserie an.

Als ich davon gehört habe, war es schwer zu begreifen. Aber das ist ja jetzt vorbei. Die Erleichterung bei den Jungs war deutlich zu spüren. Allerdings war es erst ein Schritt. Wir müssen weiter alles reinhauen und Vollgas geben.

Mit Ihrer Rückkehr verbinden viele Fans große Hoffnungen. Spüren Sie diesen Rucksack?

Die Reaktionen der Leute in der Stadt zeigen mir schon, dass sie sich freuen, dass ich wieder hier bin. Doch ich bin auch nur ein Mensch, kann alleine gar nichts erreichen. Den Klassenerhalt packen wir nur gemeinsam, als Einheit. Dafür werde ich alles geben.

Gab es noch andere Optionen für Sie als Rot-Weiß?

Aue war interessiert und einige Regionalligisten. Doch die Super-Zeit, die ich hier hatte, habe ich nie vergessen. Ich kenne den Verein, die Stadt und habe im Umfeld noch einige Freunde von damals. Das hat mir die Entscheidung ei-gentlich leicht gemacht.

Ist der Gang in die 3. Liga kein sportlicher Rückschritt?

Natürlich hätte ich nichts dage-gen gehabt, weiter 2. Liga zu spielen. Aber das durfte ich ja nicht. Ich wollte jedoch unbedingt weiter kicken, meinen Traum weiterleben. Und wenn ich wie hier das Gefühl habe, auch gebraucht zu werden, bin ich glücklich.

Wissen Sie mittlerweile, warum im Dezember nach sieben Jahren Schluss war in Paderborn?

Nein. Ich frage mich selbst immer noch weshalb.

Fühlen Sie sich als Sündenbock für die sportliche Misere?

Ich will keine schmutzige Wäsche waschen. Dafür hatte ich eine zu geile Zeit in Paderborn. Das Kapitel ist geschlossen. Aber die Entscheidung werde ich nie verstehen. Und eines ist sehr schade. . .

Was denn?

Dass ich mich von den SC-Fans nicht richtig verabschieden konnte. Zu denen hatte ich in der ganzen Zeit ein Klasse-Verhältnis.

Welche Rolle hat Stefan Effenberg in der Sache gespielt?

Er hat mir übermittelt, dass ich freigestellt bin.

Also war es gar nicht seine Entscheidung?

Das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass er ein richtig cooler Trainer ist: direkt, ehrlich, locker und mit einer Riesen-Erfahrung. Eine Persönlichkeit, von der man als Spieler nur profitieren kann.

Empfanden Sie nach dem 0:4 der Paderborner gegen Kaiserslautern eher Mitleid oder doch ein bisschen Genugtuung?

Es macht mich traurig, wie es in Paderborn läuft. Der Kontakt ist ja schon noch ziemlich eng.

Was ist von dem einen Jahr in der 1. Bundesliga am stärksten hängen geblieben?

Der emotionalste Moment war der Aufstieg am letzten Spieltag; als wir nach einem Rückstand gegen Aalen das Spiel noch gedreht und 2:1 gewonnen haben. Alles andere war Zugabe – in der Bundesliga habe ich jedes Spiel, jeden Moment genossen.

Wer war Ihr stärkster Gegenspieler?

Da gab es einige: Robben, Müller, Firminho. Und Raffael mit Gladbach war schon richtig stark.

Wie viele Trikots haben Sie in der Saison getauscht?

Da bin ich eher zurückhaltend, habe nur mit Leuten getauscht, die ich vorher schon kannte: Ilicevic, Traoré, Nicolai Müller. Lediglich bei Ribery hätte ich eine Ausnahme gemacht. . .

Und?

Wir haben gegen die Bayern zu Hause 0:6 verloren, ich saß nur auf der Tribüne. Da hatte ich keinen Bock mehr, nach dem Spiel noch zu ihm zu rennen.

Wie hat sich Daniel Brückner gegenüber 2008, als Sie Erfurt verlassen haben, verändert?

Ich denke, ich bin noch immer der gleiche bodenständige Typ – und mindestens genauso motiviert wie damals. Natürlich habe ich eine Menge Erfahrungen gesammelt, nicht nur auf dem Platz. Ich kenne mittlerweile das Fußballgeschäft ganz gut, sehe vieles gelassener. Nur eines ärgert mich nach wie vor enorm: Verlieren.

Das haben Sie mit Stefan Krämer gemein. Was ist Ihr neuer Trainer für ein Typ?

Einer, der mit Leib und Seele dabei ist; sehr positiv und emotional, mit einer klaren Ansprache. Es macht Spaß mit ihm.

Spüren Sie mit nunmehr 35 das gehobene Fußball-Alter?

Klar tun mir die Knochen öfters weh als früher. Aber so lange ich noch ein bisschen laufen und etwas kicken kann, will ich weitermachen. So lange, wie mich mein Körper noch trägt.

Welche Rolle spielt der wirtschaftliche Aspekt?

Ich kann mich nach dem Fußball nicht zur Ruhe setzen, bin kein Millionär. Ich habe meinen ersten Profivertrag ja erst mit 27 in Fürth unterschrieben. Doch das Geld war für mich nie das Wichtigste. Ich wollte vor allem immer nur eines: Fußball spielen.

Ist das Rot-Weiß-Team gerüstet für den Abstiegskampf?

Auf jeden Fall. Das hat man am Freitag in Stuttgart ja auch gesehen. Ich habe das Gefühl, dass jeder weiß, worum es geht.

Wie viele Punkte sind für den Klassenerhalt notwendig?

Von Hochrechnungen halte ich nichts. Gegen Würzburg müssen wir Sonntag die nächsten drei Punkte holen, dann die nächsten drei, die nächsten drei und so weiter. Dann bleiben wir drin.

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