Insolvenz bei Rot-Weiß Erfurt: Präsidium überrascht Aufsichtsrat

Erfurt  Ohne den Aufsichtsrat in Kenntnis zu setzen, hat das Präsidium des FC Rot-Weiß am Dienstagabend den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Erfurt eingereicht. Das will frühestens Freitag entscheiden, ob es diesem stattgibt.

Pressekonferenz des FC Rot-Weiss Erfurt im Steigerwaldstadion zum Insolvenzantrag (im Foto: v.l. Trainer Stefan Emmerling, Vize-Praesident Knut Herber, Praesident Frank Nowag, Rechtsanwalt Marko Harrass.

Pressekonferenz des FC Rot-Weiss Erfurt im Steigerwaldstadion zum Insolvenzantrag (im Foto: v.l. Trainer Stefan Emmerling, Vize-Praesident Knut Herber, Praesident Frank Nowag, Rechtsanwalt Marko Harrass.

Foto: Sascha Fromm

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Das Präsidium hatte den Schritt angesichts der Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von über acht Millionen Euro vollzogen. Neun Punkte Abzug durch den Deutschen Fußball Bund werden laut Spielordnung die Folge sein, doch der Abstieg in die Regionalliga war für den abgeschlagenen Tabellenletzten ohnehin fast besiegelt.

Präsident Frank Nowag sagte: „Wir hatten keine Fortführungsprognose in Richtung Klassenverbleib mehr gesehen. Wir wollen nun einen Neuanfang starten.“ Doch wer diesen im Verein gestalten wird, das ist offen. Denn zwischen Präsidium und Aufsichtsrat existieren erhebliche Differenzen, weshalb einzelne bzw. komplette Gremien-Rücktritte möglich sind, aber auch Absetzungen.

Der Aufsichtsrat war jedenfalls nicht über das Vorgehen am Dienstag informiert. Das bestätigte der Vorsitzende, Michael Tallai, gegenüber der Thüringer Allgemeinen. Am Mittwochabend kam das Kontrollgremium zu einer Sitzung zusammen, auf der auch Präsident Frank Nowag zugegen war. Dieser begründete zuvor den Alleingang damit, dass man als Präsidium vom Aufsichtsrat angehalten worden sei, die Insolvenz zu prüfen. Das habe man getan und durch Rechtsanwalt Marko Harraß schließlich auch gehandelt. Dieser sei seitens des Vereins mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt.

Doch hinter der Informationsart steckt mehr – vor allem eine völlig unterschiedliche Auffassung in Bezug auf Rolf Rombach. Einige Aufsichtsratsmitglieder haben angeblich darauf gedrängt, den bis Oktober 2017 amtierenden langjährigen Präsidenten, der auch Insolvenzverwalter ist, in das jetzige Verfahren verantwortlich mit einzubinden. Das aktuelle Präsidium hat das jedoch strikt abgelehnt.

Ob es nun noch mal ein versöhnliches Miteinander mit dem Aufsichtsrat geben kann, ist jedenfalls sehr fraglich.

Die Bilanz des FC Rot-Weiß zum 30. Juni 2017 hatte eine Überschuldung von 5,5 Millionen Euro aufgewiesen. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten und Verpflichtungen allerdings auf 8,08 Millionen Euro. Sollte das Insolvenzverfahren erfolgreich absolviert werden, hätten sich die Erfurter dieser finanziellen Last entledigt – sie würden schuldenfrei in der Regionalliga beginnen.

Etwa 200 Gläubiger, die dem Insolvenzplan mehrheitlich zustimmen müssen, gibt es laut Nowag, darunter auch Fans, die sich einen Genussschein gesichert haben. Hinzu kommen Banken, Lieferanten, Security-Firmen, Spielerberater und die Stadt Erfurt. Als größte Gläubiger gelten Kinowelt-Inhaber Michael Kölmel, der ehemalige Aufsichtsratschef Peter Kästner und Ex-Präsident Rolf Rombach. Wie hoch die Insolvenzmasse ist, mit welcher Quote die Gläubiger rechnen können, ist noch unklar. Man wolle sie mit dem Insolvenzplan überzeugen und auch neue Investoren finden, so Harraß.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass kein Insolvenzverwalter durch das Gericht eingesetzt wird, sondern nur ein bestellter Sachwalter das Verfahren begleitet. Der Schuldner, in dem Fall der FC Rot-Weiß, würde sich also selbst verwalten. Rechtsanwalt Marko Harraß steht dem Verein dabei beratend zur Seite, er würde auch die Gespräche mit den Gläubigern führen.

Bei Genehmigung des Insolvenzverfahrens wird dieses nach jetzigem Stand am 1. Mai eröffnet werden. Die Arbeitsagentur würde für Angestellte des Clubs die Gehälter für die Monate Februar, März und April zahlen.

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