Kammlott: "In Leipzig habe ich mir ein dickes Fell zugelegt"

Erfurt. Der alte und neue Stürmer des FC Rot-Weiß Erfurt, Carsten Kammlott, über Reaktionen der Fans, Musik in der Kabine und persönliche Ziele.

Carsten Kammlott schoss am vergangenen Samstag im ersten Testspiel für den FC Rot-Weiß gegen Zwickau gleich zwei Tore zum 5:1-Endstand. Foto: Sascha Fromm

Carsten Kammlott schoss am vergangenen Samstag im ersten Testspiel für den FC Rot-Weiß gegen Zwickau gleich zwei Tore zum 5:1-Endstand. Foto: Sascha Fromm

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Wie fühlt es sich an, wieder zu Hause zu sein?

Sehr gut. Es ist ein tolles Gefühl, zurückzusein. Ich habe endlich wieder Spaß am Fußball.

In dreieinhalb Jahren blieb Ihnen in Leipzig der Durchbruch versagt. Was lief schief?

Tja, wenn das so einfach zu beantworten wäre... . Es gibt sicher verschiedene Gründe. Dass ich das Vertrauen der Trainer nicht bekommen habe, zählt dazu. Ich möchte aber jetzt nicht nachkarten. Insgesamt habe ich mich immer wohl gefühlt in Leipzig.

Haben Sie sich selbst etwas vorzuwerfen?

Eigentlich nicht. Es hat halt nicht gepasst. Doch jetzt möchte ich nur noch nach vorn gucken. Ich bin einfach glücklich, wieder Fußball spielen zu können.

Warum haben Sie sich trotz lukrativerer Angebote für den FC Rot-Weiß entschieden?

Hier habe ich elf Jahre gespielt, hier kenne ich die Leute und das Umfeld. Deshalb musste ich nur auf mein Herz hören. Als ich vom Erfurter Interesse erfuhr, habe ich mich mit den anderen Sachen gar nicht beschäftigt.

Manche Fans protestierten gegen Ihre Rückkehr. Hatten Sie Bange vor Anfeindungen?

Nein, ich habe sogar damit gerechnet. Aber wenn ich in Leipzig eines gelernt habe, dann ist es der Umgang mit Beleidigungen oder Beschimpfungen. Das war in den ersten Jahren ganz heftig. In Lübeck wurden wir Spieler sogar angespuckt. Damals habe ich mir ein dickes Fell zulegt und nehme mir nicht alles zu Herzen.

Wie fielen die Reaktionen der Rot-Weiß-Fans bisher aus?

Durchweg positiv. Das tut richtig gut und macht es mir auf dem Platz natürlich leichter.

Können Sie die teilweise heftige Kritik an Ihnen nach dem Weggang zu RB verstehen?

Nicht so ganz, weil ich dem Verein damals ja auch eine Menge Geld eingebracht habe. Wie ich gehört habe, hat das Rot-Weiß enorm geholfen. Aber ich will nicht mehr zurückblicken.

Wie sind Ihre Eindrücke nach den ersten Trainingseinheiten mit der Erfurter Mannschaft?

Einfach super. Das ist eine junge Truppe, die es mir sehr leicht gemacht hat. Welches Potenzial in ihr steckt, hat sie in der Hinrunde ja auch mehrfach bewiesen.

Haben Sie schon Ihren Einstand gegeben?

Nein, aber da werde ich mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen.

Sitzen Sie wieder auf Ihrem alten Platz in der Kabine?

Im Stadion ist es zumindest die gleiche Ecke. Im Gebreite (Trainingsgelände des Vereins/d. R.) hat es Herr Schröder irgendwie hingekriegt, dass ich den selben Platz wie damals habe. Er (Zeugwart Sacco Schröder/d. R.) war auch einer der Ersten, die mich begrüßt haben. Auch die Mitar-beiter der Geschäftsstelle kenne ich alle noch. Nur in der Mannschaft ist, abgesehen von Nils Pfingsten-Reddig und Jens Möckel, keiner von damals mehr da.

Bei RB fungierten Sie als Kabinen-DJ. Geben Sie in Zukunft auch in Erfurt den Ton an?

Dazu muss ich erst einmal sehen, was bei uns so abgeht. Ich werde auf jeden Fall immer ein paar coole Titel dabei haben.

Etwas Bestimmtes?

Nein, querbeet. Ich selbst stehe eher auf Schlager und Oldies. Aber das ist nicht eben jedermanns Ding.

Haben Sie schon eine Wohnung gefunden?

Noch nicht, in Erfurt ist es ja auch nicht so einfach. Erst einmal wohne ich im Hotel oder fahre an den trainingsfreien Tagen nach Hause zu meiner Familie nach Gehofen. Wenn ich eine passende Wohnung gefunden habe, wird meine Freundin Katrin aus Leipzig nachkommen.

Stimmt es, dass Sie gegen RB nicht auflaufen dürfen?

Das ist Sache der Vereine. Dazu will ich nichts sagen.

Nach Ihrem glänzenden Debüt mit zwei Toren im Testspiel ge-gen Zwickau: Werden Sie am Samstag, 14 Uhr, gegen Münster zur Startelf gehören?

Das hoffe ich natürlich, ist aber allein die Entscheidung des Trainers. Gegen Zwickau lief es klasse. Tore tun immer gut. Doch Rot-Weiß hat ja bislang gut gespielt; kann sein, dass ich mich erst mal hinten anstellen muss.

Welche Ziele haben Sie mit Ihrer neuen Mannschaft?

Ich möchte an meine Leistung von damals anknüpfen und mit Rot-Weiß bis zum Schluss oben dranbleiben. Dann werden wir sehen, was noch gehen kann.

Ist Heidenheim und Leipzig der Aufstieg noch zu nehmen?

In dieser Liga ist alles möglich, weil praktisch jeder jeden schlagen kann. Aber es wird schwer, die beiden noch abzufangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie es sind, die aufsteigen.

Samstag, 14 Uhr: Rot-Weiß Erfurt - Preußen Münster, Steigerwaldstadion

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