Land Thüringen rettet FC Carl Zeiss Jena die Drittliga-Lizenz

Aufatmen in Jena: Dank Darlehen vom Land sowie der örtlichen Sparkasse kann der FC Carl Zeiss die DFB-Forderungen für die Drittliga-Lizenz erfüllen.

Nicht nur im Herzen tragen die Jena-Fans ihren FC. Sponsoren beweisen jetzt auch finanziell ihre Treue und tragen den Verein in die Dritte Liga. Foto: Matthias Koch

Nicht nur im Herzen tragen die Jena-Fans ihren FC. Sponsoren beweisen jetzt auch finanziell ihre Treue und tragen den Verein in die Dritte Liga. Foto: Matthias Koch

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Erfurt. Plötzlich ging alles ganz schnell. Lediglich eineinhalb Stunden dauerte der Krisengipfel bei Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) - dann war der drohende Absturz des Traditionsvereins in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgewendet. In einer Mammutrunde mit Machnig, Zeiss-Präsident Hartmut Beyer, Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter sowie Matthias Wierlacher, dem Vorstandsvorsitzenden der Thüringer Aufbaubank, und Martin Fischer, Chef der Sparkasse Jena, einigte man sich auf schnelle Hilfe: Aus dem Liquiditätsprogramm des Landes erhält der FC Carl Zeiss ein Darlehen von 450.000 Euro, welches in den nächsten sieben Jahren (in den ersten beiden Jahren tilgungsfrei) zurückzuzahlen ist. Die Sparkasse gewährt zudem einen Kredit in Höhe von 100 000 Euro sowie Sponsoring-Leistungen von 50 000 Euro. Damit kann der Klub die vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) geforderten 1,132 Millionen Euro an finanziellen Absicherungen für die Drittliga-Lizenz erfüllen. Bis Freitag müssen die Unterlagen in der DFB-Zentrale vorliegen.

Präsident Beyer zeigte sich erleichtert und freute sich über die "absolute Solidarität von Land und Stadt mit unserem Verein". Er wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des FC Carl Zeiss hin: als Steuerzahler von jährlich 1,9 Millionen Euro (davon allein 1,2 Millionen an Lohnsteuer) und als Arbeitgeber für rund 300 Beschäftigte rund um den Klub. Beyer kündigte einen konsequenten Sparkurs an. Der Spieleretat wird von 3,5 Millionen in der nächsten Saison auf 2,5 Millionen und ab 2011 auf zwei Millionen Euro gesenkt. Das schränkt zwar die sportliche Perspektive stark ein, sichert nach der Misswirtschaft mit maßlosen Gehältern in den Vorjahren jedoch das Überleben.

Minister Machnig sprach von einer "einmaligen Aktion", mit der auch der Fußball-Standort Ostdeutschland gestärkt werden soll. In Erinnerung dürfte ihm dabei sicherlich die 500.000-Mark-Finanzspritze gewesen sein, die der Erzrivale FC Rot-Weiß im August 1997 vom Thüringer Sozialministerium bekommen hatte. Offiziell für den Nachwuchs vorgesehen, rettete das Geld die mit sechs Millionen Mark verschuldeten Erfurter damals vor der Pleite. Die jetzige Soforthilfe für Jena kommt aus dem Anfang 2009 geschaffenen Liquiditätsprogramm, mit dem wirtschaftlich arg ins Schlingern geratene Thüringer Unternehmen unterstützt werden sollen. Wie Aufbaubank-Chef Wierlacher erklärte, wurden von den insgesamt darin zur Verfügung gestellten 100 Millionen Euro mittlerweile 35 Millionen ausgegeben.

Kurios: Auch das Innenministerium hatte plötzlich eine Möglichkeit für finanzielle Hilfe gesehen. Ende letzter Woche hieß es noch aus dem Landesverwaltungsamt, die Förderung des Profifußballs sei keine kommunale Aufgabe. Eine Bürgschaft durch die Stadt Jena könne nicht genehmigt werden. Doch dies war nun nicht mehr nötig.

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