Nach Boykott von FC Carl Zeiss-Fans: Fußballverband verteidigt Endspiel-Vergabe an Erfurt

Jena  Warum der Thüringer Fußball-Verband das Endspiel auf drei Jahre fest ans Steigerwaldstadion vergeben hat

Archivfoto: Tino Zippel

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Der Südkurvenrat des FC Carl Zeiss ruft zum Boykott des Finales im Thüringenpokal auf: Am Pfingstmontag, 21. Mai, stehen sich im Erfurter Steigerwaldstadion Jena und die BSG Wismut Gera gegenüber.

In einer Erklärung spricht sich die Fangruppierung gegen die dauerhafte Vergabe des Endspieles ins Steigerwaldstadion aus. Sie sieht darin eine Subvention der Arena in Erfurt. Zudem fürchtet die Gruppe starke Einschränkungen für die Jenaer Zuschauer, die beim Thüringenderby zum Beispiel nicht die normalen Toiletten benutzen durften. Stattdessen will der Südkurvenrat eine Live-Übertragung in Jena organisieren und die Einnahmen an den FC Carl Zeiss geben. Verbunden damit ist die Kritik, dass der Thüringer Fußball-Verband (TFV) den Großteil der Finaleinnahmen für sich verbucht.

„Eine kurzfristige Spielverlegung ist nicht möglich“, sagt TFV-Geschäftsführer Thomas Münzberg. Eine Festlegung für Erfurt sei für 2017 bis 2019 erfolgt, weil die modernste Arena die besten Grundlagen etwa bei der Sicherheit biete. Danach werde neu ausgelotet, ob es gleichsam geeignete Spielstätten gebe, erläutert Münzberg. Denkbar wäre, die Partien im Wechsel in Jena oder Erfurt auszutragen. „Für unterklassige Teams ist es ein besonderes Erlebnis, in diesen Stadien zu spielen.“

Die vor der Festlegung gelebte Praxis, das Endspiel an den unterklassigen Gegner zu vergeben, sei nicht mehr ohne weiteres möglich. „Das Endspiel wird im Rahmen des Finaltags der Amateure live übertragen. Damit ergeben sich längere Vorlaufphasen in der Planung und andere technische Anforderungen“, sagt Münzberg. Die Entscheidung könne also nicht erst drei Wochen vorm Spiel fallen, wenn alle Finalisten feststehen.

Polizei im Großeinsatz

Gleichwohl spricht sich auch der FC Carl Zeiss für diesen Modus aus. „Wir brauchen eine Lösung, die die Belange der unterklassigen Vereine und Drittligisten fairer berücksichtigt“, sagt Geschäftsführer Chris Förster. Heißt: Das Endspiel finde immer beim unterklassigen Gegner statt, außer wenn Jena und Erfurt aufeinandertreffen. „Dann sollten sich der Austragungsort abwechseln.“ Förster bedauert die Entscheidung der Anhänger, nicht mit nach Erfurt zu fahren. „Das ist schade. Wir hätten uns eine stimmungsvolle Kulisse im Finale gewünscht.“

Der Verzicht könnte zumindest die Sicherheitslage entspannen. Die sich nicht überwiegend wohlgesonnenen Fangruppen von Carl Zeiss und der Wismut reisen aus der gleichen Richtung und womöglich in denselben Zügen an. Die Polizei rüstet sich für einen Groß­einsatz, „um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten“, sagt Patrick Martin, Sprecher der Landespolizeidirektion. Am Freitag findet die Sicherheitskonferenz zu der Partie statt.

Dabei werde auch die Alternativveranstaltung der Zeiss-Fans in Jena berücksichtigt. „Bisher liegt zu dieser jedoch noch keine Veranstaltungsanmeldung vor“, sagt Martin. Grundsätzlich mache die Landespolizeidirektion keine Angaben, wieviele Polizisten sie einsetzen werde.

Die Einnahmen

  • Der Thüringer Fußball-Verband erhält 70 Prozent des Erlöses für die Organisation des Pokalwettbewerbes.
  • Der Finalgewinner bekommt 10 Prozent und erhält 119 000 Euro Startgeld im DFB-Pokal.
  • Der Verlierer kassiert 20 Prozent und 6000 Euro vom Startgeld des Gewinners für den DFB-Pokal.

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