Nebel in Erfurt: Eröffnungsspiel gegen Borussia Dortmund abgesagt

Erfurt  Wegen starkem Nebel in Erfurt konnte die Mannschaft von Borussia Dortmund nicht auf dem Flughafen landen. Das Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt wurde abgesagt.

Während über dem Steigerwaldstadion die Sonne schien, lag der Tower des Erfurter Flughafens Sonntagnachmittag in dichtem Nebel. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Wie viel Pech kann ein Fußballverein haben? Es war die Frage, die durch die Köpfe der Menschen ging.

Es wirkte alles irgendwie surreal. Ein proppevolles Stadion im Süden Erfurts, malerisches Wetter mit blauem Himmel und so gut wie gar keinen Wolken. Leichte Minusgrade, aber trotzdem gute Bedingungen zum Fußballspielen. Doch kurz vor dem eigentlichen Spielbeginn nahmen erst Winfried Mohren, dann Rot-Weiß-Präsident Rolf Rombach das Mikrofon in die Hand, um den Zuschauern die bittere Nachricht zu überbringen. Das Freundschaftsspiel gegen Borussia Dortmund im Rahmen der Stadioneröffnung könne nicht stattfinden, da die Dortmunder aufgrund des Nebels in Erfurt-Bindersleben nicht landen konnten.

Während sich die Dortmunder Fans selber feierten und die Entscheidung wie die Mehrzahl der Zuschauer gefasst aufnahmen, gab es für den Präsidenten völlig unverständlicherweise auch einzelne Pfiffe und Beleidigungen – das ist leider auch Erfurt. „Natürlich sind wir alle riesig enttäuscht. Aber wir können da wirklich null dafür“, sagte Vizepräsident Thomas Kalt.

Was viele, die im Stadion in den Himmel schauten, nicht sehen konnten, waren die völlig anderen Wetterbedingungen in Bindersleben. Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt, aber auch höher gelegen als die Arena, war der Durchblick so gut wie nicht vorhanden. Eine dicke Nebelwand verhüllte Flughafen und Landschaft seit dem Morgen.

Maschine für „Fliegen ohne Sicht“ nicht geeignet

Diese – verbunden mit der fehlenden Technik im Flugzeug – wurde dem Bundesligisten zum Verhängnis. Das gecharterte Flugzeug war für den sogenannten CAT 3 Betrieb (Fliegen ohne Sicht) nicht ausgerüstet. Auch am Boden in Erfurt fehlte Technik, um eine sichere Landung zu gewährleisten. So konnte es aufgrund der Wetterlage nicht wie gewollt zum Mittag landen.

Gegen 13 Uhr machten erste Aussagen der Verantwortlichen vom BVB und Rot-Weiß die Runde, dass sich die Ankunft verzögern würde. Runde für Runde drehte der Flieger zwischen Erfurt und Weimar; auch eine Landung in Leipzig oder Kassel stand im Raum. Doch weder in Erfurt noch den anderen Städten verbesserte sich die Wetterlage – eine Landung war trotz weiterer Versuche unmöglich. Auch zeitlich, so rechneten die Dortmunder vor, würde der Bundesligist mit jeder Verspätung in die Bredouille kommen. Da die Elf von Trainer Thomas Tuchel auch zurückfliegen wollte, hätte ein später Anstoß unter Flutlicht das Zeitfenster strapaziert. Auf dem Dortmunder Flughafen darf nur bis 22 Uhr gelandet werden, danach herrscht ein Nachtflugverbot.

In den Katakomben versuchte jeder, mit der besonderen Situation auf seine Art und Weise zurecht zu kommen. Während die Zuschauer zunächst durch das bunte Rahmenprogramm unterhalten wurden, blickten die Rot-Weiß-Spieler und Trainer Stefan Krämer immer wieder auf Smartphones, wo sie den Flug der Dortmunder verfolgten. „Das ist so bitter“, sagte etwa Jens Möckel, der wie viele andere auch mit dem Kopf schüttelte. Einige sprachen mit Sarkasmus bereits von einem „Fluch der Arena“ und bezogen sich damit auf den nun schon zweiten ausgefallenen Versuch, das Eröffnungsspiel über die Bühne zu bringen. Bereits im August 2016 wollte der Verein das Stadion feierlich einweihen, damals wäre Mainz der Gegner gewesen.

Kurz nach 14 Uhr sah man im Internet, dass sich die Dortmunder auch aufgrund der immer geringer werdenden Benzinreserven auf den Rückweg machen würden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke informierte wenig später die Verantwortlichen, dass das Spiel ausfallen würde. Wiederum später, kurz vor Spielbeginn, überbrachten Rombach und Co. schließlich die bittere Botschaft.

Dass Watzke schnell in Aussicht stellte, dass das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt noch in dieser Saison nachgeholt werden würde, konnte die Enttäuschung aller nur schwer entkräften. Wochenlang hatten zig Mitarbeiter an der Vorbereitung gearbeitet, nun war alles umsonst. „Die Karten werden ihre Gültigkeit behalten“, kündigte Kalt an.

Während die Zuschauer das Stadion verließen, bat Trainer Krämer seine Jungs kurzerhand zu einer Trainingseinheit. Er hofft, schnellstmöglich einen Gegner für ein Testspiel ranbekommen zu können. Der 49-Jährige sah das Spiel gegen Dortmund als Härtetest vor dem Ligaspiel beim Halleschen FC (Samstag, 14 Uhr) – bis der Nebel dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machte.

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