Nowag: Schuldenberg von Rot-Weiß Erfurt wächst auf 6,5 Millionen Euro

Erfurt  Rot-Weiß-Vizepräsident Frank Nowag fordert Offenheit den Fans gegenüber und erklärt die Alleinherrschaft im Klub für beendet.

Suche nach neuen Wegen: Frank Nowag am Rande des Erfurter Heimspiels gegen Lotte.

Suche nach neuen Wegen: Frank Nowag am Rande des Erfurter Heimspiels gegen Lotte.

Foto: Sascha Fromm

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Die Karriere von Frank Nowag in einem Gremium des FC Rot-Weiß ist kurz, aber dafür schon enorm ereignisreich. Vor erst vier Wochen wurde er in den Aufsichtsrat des Vereins kooptiert, seit Donnerstag war der Vorstandsvorsitzende der Keyweb AG und Geschäftsführer der Keymedia GmbH für zwei Tage Präsident, am Samstag machte er dann wieder Platz für den zuvor abberufenen Rolf Rombach. Seitdem ist der 46-Jährige nun Vizepräsident des Vereins, der in der 3. Fußball-Liga am Ende der Tabelle steht.

Warum sind Sie wieder in die zweite Reihe zurück? Fehlte Ihnen letztlich Mut, wurden Sie unter Druck gesetzt?

In der Außendarstellung mag der Verlauf der vergangenen Tage nicht unbedingt nachvollziehbar sein. Doch ich wollte unbedingt vermeiden, dass die nächsten Wochen eine Schlammschlacht mit juristischen Auseinandersetzungen zwischen zwei Lagern werden. Ich bin für einen Neuanfang, doch ich will dafür auch möglichst alle Fans mitnehmen. Mein Ziel ist nun erst mal die Mitgliederversammlung am 1. Dezember.

Wollen Sie darüber hinaus mit Rolf Rombach die Vereinsspitze bilden?

Darum geht es derzeit nicht. Diese Möglichkeit besteht eventuell, wenn es ein funktionierendes Modell ist. Das wird auch die Zeit bis zur Mitgliederversammlung zeigen. Die hat dann eine große Bedeutung.

Inwiefern?

Weil auf ihr hoffentlich offen wie noch nie analysiert und diskutiert wird. Neben der Vorstellung von Konzepten muss vor allem eine wirtschaftliche Transparenz erfolgen. Mit anderen Worten: Nichts als die Wahrheit zählt an diesem Tag. Darauf haben die Fans ein Recht. In dieser Hinsicht ist ihnen zu oft etwas vorenthalten worden.

Die wirtschaftliche Transparenz fordern Sie von Rolf Rombach?

Auch von mir, schließlich bin ich ja jetzt Vizepräsident.

Wie hoch ist der Schuldenberg? Liegt er bei 5,5 Millionen Euro?

Er ist höher.

Wie hoch?

Eine genaue Summe lässt sich noch nicht nennen, aber 6,5 Millionen sind es auf jeden Fall.

Wollen Sie wieder Präsident werden?

Ich war es aus der Not heraus geworden, weil sich nach der Abberufung von Herrn Rombach niemand anders zur Verfügung gestellt hatte. Ich strebe so ein Amt nicht vordergründig an.

Dieses Hin und Her verwirrt und verunsichert aber nicht nur die Fans.

Das mag sein, dennoch glaube ich, dass jetzt die Zeit des Stillstandes vorbei ist. Und auch die Zeit der Alleinherrschaft, die es ja zweifellos gegeben hat. Die Warnung war wichtig und richtig. Nun ist Bewegung in den Klub gekommen.

Wie ist Ihre Meinung zu einer Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Stammverein?

Man kann darüber reden. Aber das muss den Fans auch genau erläutert werden. Einfach nur zu sagen, dass der Verein vor der Insolvenz steht und das dies deshalb die einzige Möglichkeit wäre, ist nicht die richtige Art.

Waren Sie mit der Trainerentlassung von Stefan Krämer einverstanden?

Der Aufsichtsrat wurde nicht gefragt. Ich hätte dagegen gestimmt.

Und wie soll es mit Personen weitergehen, die dem Verein nachweislich kein gutes Image bescheren?

Bis zur Mitgliederversammlung wird nichts passieren. Doch ich glaube, dass Veränderungen notwendig sind. Es kann doch auch nicht sein, dass man sich ständig mit der Stadt Erfurt überwirft, dass auf dem Ehrenpräsidenten herum gehackt wird, dass Sponsoren abgeschreckt werden.

Dieser Verein ist seit Jahren nur ein Krisenverein, Freude hat er doch nur noch wenig bereitet.

Inwieweit sind Sie emotional mit dem Verein verbunden?

Ich bin Erfurter, war immer ein Anhänger des Klubs, spiele auch selbst Fußball, wenn auch nur in der Kreisklasse. Als Torwart weiß ich aber, wie es ist, im Dreck zu liegen. Doch wichtig ist, immer wieder aufzustehen. Das muss auch dem FC Rot-Weiß gelingen. Egal, mit welchen Personen.

Freuen Sie sich auf die Mitgliederversammlung?

Ich bin gespannt und glaube, dass sie historisch und offen wie nie sein wird. Das benötigen wir jetzt auch im Verein, damit es wirklich vorwärts geht und schnell besser wird.

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