Rot-Weiß Erfurt gegen RB Leipzig - Das Spiel der Gegensätze

Erfurt. Man kann zu RB Leipzig stehen, wie man will; das Projekt verteufeln oder wohlwollend betrachten: Das Interesse, das die Rasenballer hervorrufen, ist riesig. Es kann sie zwar keiner leiden, aber jeder will sie sehen. Und wenn es verlieren ist.

Im Hinspiel verloren die Rot-Weißen mit 2:0 gegen den finanzstarken Verein aus der sächsischen Metropole. Im Bild: Simon Brandstetter im Zweikampf. Foto: Frank Steinhorst

Im Hinspiel verloren die Rot-Weißen mit 2:0 gegen den finanzstarken Verein aus der sächsischen Metropole. Im Bild: Simon Brandstetter im Zweikampf. Foto: Frank Steinhorst

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Auch das Gastspiel des Tabellenzweiten am Samstag, 14 Uhr, in Erfurt wird voraussichtlich eine fünfstellige Besucherzahl anlocken. Bis Dienstag waren etwa 7000 Karten verkauft, davon 2000 nach Leipzig. Nach zwei Unentschieden hat sich der FC Rot-Weiß den ersten Sieg vorgenommen. Für RB geht es darum, die dritte Niederlage in Folge zu vermeiden.

Abgesehen vom Wettstreit um Punkte ist es aber auch ein Duell der Strategien. Auf der einen Seite die Erfurter, die sich aufgrund fehlender Wirtschaftskraft zu einem Ausbildungsklub entwickelt haben und ihr Profiteam aus eigenen Talenten speisen. Auf der anderen Seite der Leipziger Verein aus der Retorte, der dank der Millionen aus der Rote-Brause-Zentrale in Österreich einkaufen kann, was und wie viel er will.

Warum RB nur neun Vereinsmitglieder hat

Gegensätze, auf die die Erfurter im Vorfeld der Partie bewusst hinweisen. Weil sich das gut verkaufen lässt. Zur Eintrittskarte wird ein Trikot angeboten, auf dem Slogans den Unterschied zwischen beiden Vereinsphilosophien verkünden sollen: "Leidenschaft gegen Berechnung" ist ebenso darauf geschrieben wie "Classic gegen Retro" und "Tradition gegen Kalkulation".

Nun will der FC Rot-Weiß damit sicher nicht verkünden, dass Traditionsvereinen das Rechnen schwerfällt. Vielmehr soll der reiche Nachbar ein bisschen gepiesackt werden. Was den Nerv der Allgemeinheit trifft. Viele Freunde hat RB nicht gefunden, seit der Brause-Hersteller 2009 dem SSV Markranstädt das Startrecht in der Oberliga abkaufte.

Carsten Kammlott, selbst dreieinhalb Jahre lang ein Teil dieses umstrittenen Projekts und gegen seinen Ex-Klub am Samstag zum Zuschauen gezwungen, hat es am eigenen Leib erlebt. Außerhalb von Leipzig wird gedroht, gepöbelt und gespuckt. In der Fankurve sind die Neureichen aus dem Osten längst zum Hassobjekt Nummer eins avanciert.

Aber auch in Vereinen und Verbänden stößt der mit Scheinen gepflasterte Weg nicht unbedingt auf Gegenliebe. Zuletzt entbrannte eine Diskussion um die Satzung des Emporkömmlings. Laut "Kicker" sind der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die im März die Zweitliga-Lizenzen vergibt, die hohen Eintrittsbarrieren ein Dorn im Auge. 800 Euro kostet eine Mitgliedschaft bei RB jährlich; zu den 100 Euro Aufnahmegebühr. Wen dies dennoch nicht schreckt, dessen Antrag kann ohne Begründung abgelehnt werden. KeinWunder, dass es bisher nur neun (!) stimmberechtigte Mitgliedergibt - und dass diese allesamt Konzern-Angestellte sind.

Auf Mitbestimmung der Basis wird in Leipzig kein Wert gelegt; dafür jedoch auf lange Laufzeiten seiner Protagonisten. So beträgt die Amtsperiode des Ehrenrates, der den Vorstand bestellt, rekordverdächtige sieben Jahre. Der Masterplan, bis 2015 in der 1. Bundesliga angekommen zu sein, soll beim Drittliga-Krösus (geschätzter Saisonetat: zehn Millionen Euro) schließlich nicht gefährdet werden.

Ein Ziel, von dem die Erfurter nicht einmal zu träumen wagen. Mit einem wieder abgespeckten und auf 2,2 Millionen Euro reduzierten Lizenzspieler-Etat zählt Rot-Weiß nicht zu den Betuchten der Liga. Sportchef Alfred Hörtnagl: "Deshalb wollen wir mit anderen Werten punkten." Und am Samstag noch ein bisschen lieber als sonst.

Auch Derici wechselt in die Türkei

Nach Aykut Öztürk verlässt auch Okan Derici den FC Rot-Weiß in Richtung Türkei. Der 20-Jährige wechselt zum Erstligisten Konyaspor, der am Wochenende Öztürks neuen Klub Sivassport noch mit 3:0 bezwungen hatte. Derici war erst vor dieser Saison von Galatasaray Istanbul nach Erfurt gekommen, konnte sich aber nicht durchsetzen und kam lediglich auf einen Kurzeinsatz.

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Liveticker: Samstag, 14 Uhr: Erfurt - Leipzig