Rot-Weiß-Erfurt-Präsident: „Wir wollen den Trainer gern halten“

Erfurt  Erfurt. Der Aufschwung der Erfurter Fußballer unter Stefan Krämer beeindruckt. Dessen Zukunft aber ist noch ungeklärt.

Handschlag: Am 30. Dezember besiegelten Rot-Weiß-Präsident Rolf Rombach (links) und der neu verpflichtete Trainer Stefan Krämer die Zusammenarbeit bis zum Saisonende. Nach der positiven Entwicklung der Mannschaft will der Verein den 49-Jährigen weiterbeschäftigen. Foto: Marco Kneise

Handschlag: Am 30. Dezember besiegelten Rot-Weiß-Präsident Rolf Rombach (links) und der neu verpflichtete Trainer Stefan Krämer die Zusammenarbeit bis zum Saisonende. Nach der positiven Entwicklung der Mannschaft will der Verein den 49-Jährigen weiterbeschäftigen. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Als Stefan Krämer zu Beginn des Jahres seinen Dienst in Erfurt antrat, verglich er die Situation seiner Spieler mit jener von Schwimmern, die auf hoher See in Richtung rettendes Ufer kraulen. Diese Metapher begleitete die Mannschaft in den zurückliegenden Wochen, wurde in und außerhalb der Kabine immer wieder thematisiert.

Mal wurde es stürmisch, geriet der Kopf kurz unter Wasser. Zumeist jedoch verkürzten die Rot-Weißen mit kräftigen Armzügen den Weg zurück. „Und jetzt“, erklärt Sebastian Tyrala nach dem sechsten Sieg im zwölften Spiel unter dem neuen Trainer, „ist der Strand in Sichtweite.“

Der Kapitän des FC Rot-Weiß geht davon aus, dass noch ein Sieg in den restlichen fünf Partien ausreichen dürfte, um wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen; sprich: den Verbleib in der 3. Liga zu sichern. Und je eher das gelingt, desto besser – am liebsten schon am kommenden Samstag (14 Uhr) bei den noch stärker gefährdeten Stuttgarter Kickers.

20 Zähler in 12 Partien

Können die Erfurter an die gute Leistung im Heimspiel gegen Osnabrück (4:2) anknüpfen, besteht berechtigte Hoffnung. Ohnehin hat das Team eine erstaunliche Entwicklung genommen, seit Krämer das sportliche Zepter übernommen hat. In der Tabelle des Jahres 2016 rangiert Rot-Weiß auf Platz fünf, nur einen Punkt hinter Liga-Primus Dresden. 20 Zähler in 12 Partien zeigen: Aus dem verunsicherten Häuflein des Dezembers ist ein stabiles Gebilde geworden, das an Selbstbewusstsein und Spielsicherheit gewonnen hat.

Zum ersten Mal seit Monaten verlebte Präsident Rolf Rombach deshalb „ein Wochenende ohne Anspannung“; stattdessen mit ei-nem angenehmen Gefühl der Genugtuung. „Der Trainerwechsel war die richtige Entscheidung im Winter. Mit Stefan Krämer ist uns ein ausgesprochener Glücksgriff gelungen“, sagt er und meint durchaus selbstkritisch: „Das war ja nicht immer so.“

Umso größer ist sein Interesse, den Trainer weiterhin in Erfurt zu beschäftigen. Bei dessen Amtsantritt hatten sie sich lediglich auf eine Zusammenarbeit bis zum Saisonende verständigt. „Wir haben eine Übereinkunft, dass wir erst über die Zukunft reden, wenn der Klassenerhalt tatsächlich feststeht“, erklärt Rombach. „Aber klar ist: Wir wollen den Trainer gern halten.“

Nicht nur mit den Resultaten hätte Krämer Werbung in eigener Sache betrieben. „Er ist ein Magnet für viele – offen, ehrlich, authentisch“, lobt der Klubchef. „Seine Handschrift ist in unserem Spiel deutlich zu erkennen. Und er hat ein Super-Verhältnis zum Manager, zum Trainerteam und vor allem zur Mannschaft.“

Das kann Kapitän Tyrala nur bestätigen: „Der Trainer hat für jeden ein offenes Ohr, und er bezieht uns sogar in taktische Überlegungen ein.“ Einen größeren Vertrauensbeweis könne man als Spieler gar nicht kriegen.

Kapitän Tyrala: Würden uns freuen, wenn er bleibt

So stellte Krämer seine Akteure in der Pause des Osnabrück-Spiels vor die Wahl, entweder auf Konter zu setzen oder selbst die Initiative zu ergreifen. Die Mannschaft entschied sich für die offensive Variante – zur Freude des Mannes, der gern etwas wagt. Es ist kein Zufall, dass Rot-Weiß in diesem Jahr die wenigsten Unentschieden aller Drittligisten (2) zu Buche stehen hat. Unter Krämer gibt es nur Hopp oder Top.

„In einer mutigen Spielweise sehe ich mehr Chancen als Risiken“, sagt er und scheint mit dieser Philosophie den Nerv seiner Spieler getroffen zu haben. „Dieser Stil passt zu uns“, bestätigt Tyrala. „Das ist anstrengender, risikoreicher Fußball – mit hohem Anlaufen und einem konsequentem Gegenpressing. Aber es funktioniert, wie man sieht. Wir haben Erfolg damit.“ Und mit jedem positiven Ergebnis wuchs bei jedem Einzelnen der Glaube an sich – und auch an das neue Spielsystem.

Hinzu kommt die Begeisterungsfähigkeit, die Krämer besitzt. Ihr kann man sich nur sehr schwer entziehen. Der 49-Jährige doziert nicht über Fußball, er lebt ihn vor; bei den Spielen an der Seitenlinie, auf dem Übungsplatz, in Gesprächen. „Wir würden uns alle freuen, wenn er hier bleiben würde“, sagt Tyrala. „Dafür müssen wir aber noch die nötigen Punkte holen. Erreicht haben wir noch nichts.“

Auch Präsident Rombach will erst durchatmen, wenn aus den aktuell 41 Zählern 45 geworden sind. „Dann“, sagt er, „kann uns nichts mehr passieren. Und dann kann es auch mit dem Trainer ganz schnell gehen. Wir sind beide Rheinländer, sprechen daher die gleiche Sprache.“ Und: „Stefan Krämer hat hier viel bewegt. Doch er weiß auch: Das ist ganz sicher noch nicht alles gewesen.“