Rot-Weiß Erfurt: „„Wenn alle mitwirken, starten wir nächste Saison in der Regionalliga“

Erfurt  Der Insolvenzverwalter Volker Reinhardt spricht mit uns über die Einreichung der Lizenzunterlagen, Geldquoten und das Image vom FC Rot-Weiß Erfurt.

Der FC Rot-Weiß Erfurt kann wohl auch nächste Saison im Steigerwaldstadion auflaufen.

Der FC Rot-Weiß Erfurt kann wohl auch nächste Saison im Steigerwaldstadion auflaufen.

Foto: Sascha Fromm

Vor zwei Wochen hat Fußball-Drittligist FC Rot-Weiß Erfurt beim Amtsgericht wegen Zahlungsunfähigkeit den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dieser ist gleichbedeutend mit dem Abzug von neun Punkten, womit der Abstieg besiegelt ist.

Zunächst war das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung vorgesehen, doch seit der letzten Woche steht fest, dass es als klassisches Verfahren durchgeführt wird. Der eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat nun das komplette Sagen im Club und zugleich die Verantwortung für die Sanierung. Wir sprachen mit dem 59-Jährigen, der auch beim Sieg über Fortuna Köln im Steigerwaldstadion weilte.

Wie sieht der Zeitplan für das Insolvenzverfahren aus? Bis wann muss dieses eröffnet und der Insolvenzplan erstellt sein?

Zunächst bin ich froh, dass wir den Spielbetrieb aufrechterhalten können. Das sind wir insbesondere den tollen Fans, deren Unterstützung wir weiter dringend brauchen, und den Spielern schuldig. Am Insolvenzplan arbeiten mein Team und ich derzeit bereits. Wann er fertig und für das Amtsgericht abgabebereit ist, kann ich noch nicht sagen. Doch die Eröffnung des Verfahrens planen wir zum 1. Juni. Letztlich entscheidet das Amtsgericht über den von uns zu stellenden Antrag.

Wie viele Mitarbeiter Ihrer Kanzlei arbeiten am Verfahren?

Vier, hinzu kommen noch externe Berater. Das ist schon eine sehr zeitaufwendige Arbeit. Zugleich folgt das Sanierungshandwerk ja bestimmten Regeln.

Ist entschieden, dass die Vereins-Angestellten des FC Rot-Weiß ab März drei Monatsgehälter von der Arbeitsagentur erhalten?

Das Insolvenzgeld wurde für die Monate März, April und Mai beantragt. Die Bundesagentur gibt diesem Antrag in der Regel statt. Da sie aber erst ab Eröffnung zahlt, haben wir die Vorfinanzierung des Geldes über ein Kreditinstitut gesichert. Das Juni-Gehalt würde dann aus der Insolvenzmasse gezahlt werden.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Neuanfang in der Fußball-Regionalliga erfolgen kann, wie hoch die Gefahr, dass der Verein aufgelöst wird?

Wenn alle Beteiligten mitwirken, wie uns in den vergangenen Tagen zahlreich versichert wurde, starten wir in der nächsten Saison in der Regionalliga. Wir wollen den Verein so aufstellen, dass er in der kommenden Saison auf gesunden Füßen steht und im Steigerwaldstadion weiter seine Heimspiele austrägt. Das Szenario einer kompletten Abwicklung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen. Wobei wir die Hilfe von Sponsoren für die nächste Saison benötigen. Die jetzige ist abgesichert.

Ist es möglich, dass die Verbindlichkeiten des Clubs noch höher als acht Millionen Euro sind?

Das werden die Prüfungen aller Unterlagen und Bilanzen ergeben, noch haben wir keine verbindliche Übersicht.

Sie müssen auch ein Gutachten über die finanzielle Lage erstellen. Bis wann?

Das wird wohl vor der dritten Mai-Woche nicht fertig sein. Es ist ja dann auch die Grundlage für den Insolvenzplan, dem die Gläubiger zustimmen müssen.

Kann die Insolvenz strafrechtliche Folgen für Führungspersonen haben?

Das zu beurteilen ist nicht Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Wie viele Gläubiger sind es? Über 200?

Auch da können wir noch keine genaue Zahl nennen.

Welche Personen gehören dem Gläubiger-Ausschuss an?

Der Ausschuss ist ein fünfköpfiges Team, das die Interessen aller Gläubiger vertritt. Da das Verfahren grundsätzlich nicht öffentlich stattfindet, ist die Besetzung geheim. Wir haben lediglich den Namen unseres Trainers und Sportdirektors Stefan Emmerling mit seiner Genehmigung öffentlich gemacht, weil seine Berufung uns wegen der Beliebtheit bei Spielern und Fans wichtig erscheint.

Gehört Rolf Rombach, der ehemalige Präsident und einer der Hauptgläubiger, auch dazu?

Nein.

Welche Quote streben Sie beim Insolvenzplan an – reicht eine einfache Mehrheit der Gläubiger als Zustimmung?

Zunächst: Der Insolvenzplan ist in Arbeit, ihm müssen die Gläubiger später zustimmen. Jeder Insolvenzverwalter strebt natürlich die möglichst höchste Quote an. Das ist er seiner Aufgabe und damit den Gläubigern schuldig. Um die Quote allerdings festzulegen, müssen wir erst einmal wissen, wie viel an Masse und wie viel an Schulden vorhanden sind. Und so weit sind wir noch lange nicht.

Wie verläuft das Abstimmungsverfahren?

Die Gläubiger werden vorab in Gruppen aufgeteilt. Es folgen Abstimmungen innerhalb der jeweiligen Gruppen über die Annahme oder Nichtannahme des Plans. Stimmt die Mehrzahl der Gläubigergruppen für den Plan, so gilt er als angenommen.

Wer kümmert sich um die Einreichung der Lizenzunterlagen für die Regionalliga, was ja bis zum 5. April passieren muss?

Das haben wir auf unseren Tisch gezogen. Das Lizenzierungsverfahren läuft jedenfalls mit Hochdruck. Wir werden keine Termine verpassen.

Präsident Frank Nowag erntet viel Kritik. Hat er Ihre Rückendeckung?

Herr Nowag ist der vom damaligen und jetzt noch kommissarisch tätigen Aufsichtsrat bestellte Präsident. Er unterstützt uns dort, wo wir ihn brauchen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Gremien – dem zurückgetretenen Aufsichtsrat und dem Wirtschaftsbeirat beispielsweise?

Die ersten informellen Gespräche zeigen, dass wir uns aufeinander zu bewegen. Der kommissarische Aufsichtsrat hat mir nachdrücklich seine konstruktive Mitarbeit versichert.

Wann wird eine Mitgliederversammlung stattfinden und wer muss diese einberufen?

Dem Aufsichtsrat obliegt die Aufgabe, eine Mitgliederversammlung einzuberufen. Die Satzung gibt dafür verschiedene Möglichkeiten her. Ein Zeitpunkt ist mir nicht bekannt.

Wer entscheidet über den sportlichen Kader für die kommende Saison, wer führt eventuelle Vertragsgespräche?

Über die Zusammenstellung entscheidet unser Trainer und Sportdirektor Stefan Emmerling. Bei den künftigen Vertragsgesprächen bin ich aber mit anwesend. Denn es geht dabei immerhin um viel Geld. Das Präsidium wird bei Bedarf auch hinzugezogen.

Was wünschen Sie sich für Rot-Weiß, wenn Sie einige Wochen voraus blicken?

Dass die Insolvenz geglückt ist und der gesunde Neustart in der Regionalliga gelingt. Und ich glaube, dass der Club unbedingt ein erfreulicheres Image als in letzter Zeit benötigt.

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