Rot-Weiß-Stürmer antworten mit Toren auf Personaldiskussion

Erfurt. 2:0-Achtungserfolg der Erfurter im Testspiel gegen Dynamo Dresden. Teile der Fans gegen eine Kammlott-Rückkehr.

Jonas Nietfeld (RWE) macht das 1:0. Foto: Alexander Volkmann

Jonas Nietfeld (RWE) macht das 1:0. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Unter den Siegern gab es zwei Gewinner. Beim 2:0-Achtungserfolg des FC Rot-Weiß im Testspiel gegen Zweitligist Dynamo Dresden sammelten beide Angreifer Pluspunkte. Mit ihren Treffern (28./36.) gaben Jonas Nietfeld und Mijo Tunjic eine klare Antwort auf die anhaltende Diskussion um Neuverpflichtungen im Sturm.

"Wir wissen ja, was beide können", sagte Trainer Walter Kogler später. "Doch wir sind durch die dünne Personaldecke nicht mehr so variabel in der Offensive." Simon Brandstetter wird in dieser Woche zwar aus München zurückkehren, wo er bei einem Spezialisten noch einmal eingehend untersucht worden war. Allerdings rechnet Kogler keinesfalls damit, dass der an der Leiste operierte Stürmer bis zum Wiederauftakt am 25. Januar gegen Preußen Münster fit wird.

In den ersten Spielen werden auch Andreas Wiegel und Kevin Möhwald nicht mitwirken können. Wiegel laboriert an einer Schambein-Entzündung und am Samstag ebenso nur auf der Tribüne wie Möhwald. Dessen Hoffnung auf eine rasche Rückkehr nach dem Adduktoren-Abriss im November hat sich mittlerweile zerschlagen.

Möhwald fehlt noch vier bis sechs Wochen

"Ich brauche Geduld", sagte der Mittelfeldspieler am Rande der Testpartie. "Vier bis sechs Wochen dauert es wohl noch." Zwar könne er sich beim täglichen Rehaprogramm auf dem Laufband fit halten, mache Stabilisations- und muskelaufbauende Übungen. Doch bis der gerissene Muskel wieder angewachsen ist, sind beispielsweise Seitwärtsbewegungen tabu.

Da neben den Verletzten auch die gesperrten Aykut Öztürk und Rafael Czichos gegen Münster fehlen werden, schauen sich die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt nun stärker um. Dass eine Rückkehr von Carsten Kammlott unmittelbar bevorstünde, dementierte Sportvorstand Alfred Hörtnagl: "Die Sache ist längst noch nicht so weit, wie es in den Medien dargestellt wird."

Teile der Fans haben ohnehin eine eigene Meinung zur Rückholaktion des ehemaligen Publikumslieblings, der 2010 für viel Geld nach Leipzig gewechselt war. "RB-Söldner boykottieren – keine zweite Chance für Kammlott", prangte in großen Lettern auf einem Transparent.

Kogler nahm dies wohl wahr, wollte aber auf die Personalie nicht näher eingehen, weil "es einer von vielen Namen ist, die hier herumgeistern". Der Erfurter Trainer konzentrierte sich lieber auf jene Akteure, die ihm zur Verfügung stehen. So lieferte der 20-jährige Philipp Serrek als linker Verteidiger eine ordentliche Leistung ab. Auch Marius Strangl konnte im rechten Mittelfeld auf sich aufmerksam machen. Und Torwart "Jeff" Kornetzky bewies nach dem Wechsel, dass er ein zuverlässiger Klewin-Vertreter ist.

Allerdings warnte Kogler davor, den Sieg überzubewerten: "Das war ein guter Test, mehr jedoch nicht", sagte er. Zumal sein Kollege Olaf Janßen die schwache Darbietung seines Teams relativierte: "Wir haben in den letzten fünf Tagen 13 Einheiten absolviert. Die schweren Beine hat man den Jungs in manchen Situationen angemerkt", sagte er.

Vor allem in der ersten Halbzeit gaben die Erfurter klar den Ton an und überzeugten in der Defensive. "Wir dürfen sicher zufrieden sein, weil der Test gezeigt hat, dass wir in der ersten Trainingswoche gut gearbeitet haben", meinte der starke Abwehrchef André Laurito. "Doch einen Grund, jetzt ‚Hurra‘ zu schreien, gibt es nicht. Münster zählt."

Aufstellung: Klewin (46. Kornetzky) - Odak (46. Baumgarten), Laurito (85. Stelzer), Kleineheismann, Serrek (66. Czichos) - Strangl (66. Öztürk), Pfingsten-Reddig (76. Derici), Engelhardt, Göbel (55. Fillinger) - Tunjic (85. Kadric), Nietfeld (55. Stolze).

SR: Giese (Berlin), Z.: 3291, T.: 1:0 Nietfeld (28.), 2:0 Tunjic (36.).

Ex-Profi Bertram mit gutem Einstand am Stadion-Mikrofon

Nein, vorher geübt habe er nicht, sagte Tom Bertram nach seiner Feuertaufe. Umso erstaunlicher war sein guter Einstand als Stadionsprecher des FC Rot-Weiß. Weil sich die Erfurter seit Sommer bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Lars Sänger schwer tun, fiel die Wahl in der Winterpause auf den einstigen Profi. "Das ist schon eine tolle Herausforderung und macht Spaß", sagte der 26-Jährige, der vor zehn Monaten seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste. Im Laufe des Spiels hätte sich auch seine Aufregung gelegt, verriet Bertram hinterher. Er sieht sich selbst als Lernenden in dem neuen Metier und darf auf die Unterstützung von Konstantin Krause und natürlich Tipps von Kumpel Sänger hoffen. Der Beifall des Publikums und der Zuspruch der Fans machten zudem Mut für sein Drittliga-Debüt in fast zwei Wochen.

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