RWE-Trainer Brdaric und Sportdirektor Bornemann: „Nordhausen ist der absolute Favorit“

Erfurt  Der Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, Thomas Brdaric, und Sportdirektor Oliver Bornemann erzählen im Gespräch über die neue Herausforderung in Erfurt und die langfristige Suche nach Erfolg.

Duo für den Erfurter Neuanfang: Thomas Brdaric (links) und Oliver Bornemann

Duo für den Erfurter Neuanfang: Thomas Brdaric (links) und Oliver Bornemann

Foto: Sascha Fromm

Seit Mai werden die sportlichen Geschicke beim FC Rot-Weiß Erfurt von Sportdirektor Oliver Bornemann und Trainer Thomas Brdaric geleitet. Das Duo arbeitete in der Fußball-Regionalliga Nordost schon erfolgreich bei der TSG Neustrelitz zusammen und schaffte in der Saison 2013/14 den Staffelsieg. In Erfurt ist das Duo wieder vereint und versucht, den Verein für die Zukunft positiv aufzustellen. Beim Sporttalk „Im Steigerwaldstadion“ stellten sich Brdaric und Bornemann den Fragen der Moderatoren Gerald Müller und Marco Alles und blickten über den Fußball-Horizont hinaus.

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Oliver Kahn

Brdaric: Ich finde ihn sehr angenehm im TV. So lernt man auch mal seine Kehrseite kennen. Ich habe ihn ja nur als Spieler erlebt. Er ist ein absoluter TV-Fachmann, der auch Witz hat. Die Szene mit ihm, als er mich mal am Nacken gepackt hat, ist zwar eine alte Kamelle, wird aber gefühlt in jedem Jahresrückblick gezeigt. Sie hat mich aber auch ein Stück weit populärer gemacht. Heute haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Wenn wir uns sehen, wird immer ein wenig geschmunzelt. Letztens beim Länderspiel gegen Saudi-Arabien kam er auf mich zu und sagte: Da war doch was.

Vorbilder

Brdaric: Ich hatte viele Trainer, von denen ich mir gute Sachen rausziehen konnte. Aber ich möchte schon meinen eigenen Stil entwickeln. Christoph Daum hat mich stark geprägt, weil ich ihn in Stuttgart und in Leverkusen hatte. Wir stehen heute noch in Kontakt. Ralf Rangnick hat mir bei Hannover 96 noch mal aufgezeigt, wo ich mich weiterentwickeln konnte. Aber auch die anderen Trainer wie Dieter Hecking, Klaus Toppmöller, Joachim Löw und Jürgen Klinsmann waren auf ihre Art und Weise sehr speziell. Von ihren Einflüssen zehre ich.

Verhältnis zu Spielern

Brdaric: In der Wortwahl packe ich die Spieler auch mal kräftiger an, denn auf dem Platz muss gearbeitet werden. Beide Seiten sind aber wichtig. Man muss Spieler respektvoll behandeln, das haben sie verdient. Auf der anderen Seite müssen sie Kritik auch aushalten können. Kritikfähigkeit ist wichtig, damit ein Spieler lernt und immer wieder die Vorgaben umsetzt, die wir vom Trainerteam verlangen.

Erfolg in Neustrelitz

Bornemann: Gegenüber heute hatten wir damals 16, 17 Spieler im Kader, die eingespielt waren, als Thomas zu uns kam. Wir haben uns dann partiell verstärkt und Thomas hat sie weiterentwickelt. Eine Parallele zur jetzigen Situation gibt es, da einige Mannschaften dabei sind, die das Drei- oder Vierfache an Budget zur Verfügung haben und gerne auf der Sonnenseite der Tabelle stehen wollen. Wir stehen finanziell im Mittelfeld, haben aber natürlich den Anspruch, bestmöglich dazustehen.

Kaderveränderung

Bornemann: Es ist schwierig, da man in dieser Liga zwischen Berufssport und Amateursport unterscheiden muss. Der Großteil der Spieler, die wir letztes Jahr hatten, hat sich entschlossen, seine Zukunft wieder in der 3. Liga zu finden. Das sieht man an den Transfers, wo die Spieler untergekommen sind. Wir sind auf der Suche nach Spielern, die den neuen Weg mit uns gehen möchten. Das haben vier Spieler aus dem alten Kader sehr deutlich gemacht. Wir wollten Klarheit.

Wacker Nordhausen

Bornemann: Ich blicke nicht neidisch nach Nordhausen. Neid ist eine Sache, die kenne ich persönlich gar nicht. Ich versuche immer, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen und dann einen Ansporn abzuleiten, dass man mit wenig viel erreichen kann. Das wollen wir auch klar in die Mannschaft kommunizieren.

Brdaric: Wacker Nordhausen ist der absolute Aufstiegsfavorit. Die besetzen ja jede Position fast vierfach. Sie haben sechs Stürmer verpflichtet, dann höre ich raus: ja, die Saison ist lang. Da muss ich natürlich auch glaubwürdig sein. Ich kann doch nicht sechs Stürmer holen und allen verklickern, dass sie ähnliche Spielminuten bekommen. Da bin ich sehr gespannt, wie sie das regeln wollen. Sie werden einen Plan haben, davon sind wir überzeugt. Auch Lok Leipzig hat einen Mega-Sponsor, der große Gehälter bezahlt. Der Berliner AK ist immer ein kleiner Giftzwerg, der nach oben möchte. Auch Chemnitz möchte oben mitspielen. Wir wollen diese Teams ärgern.

Ablösesummen

Brdaric: Da muss man differenzieren. Ich denke schon, dass man bei den Ablösesummen aufpassen muss, dass man sich nicht zu weit von der tatsächlichen Realität entfernt. Was die Gehälter angeht: es muss ja immer einen geben, der das verdient und einen, der das bezahlt. Ich glaube nicht, dass es Vereine gibt, die den Spielern Gehälter bezahlen, die sie nicht wieder reinwirtschaften können. Deswegen sind die Investorengruppen auch wichtig, dass alles in der Marktwirtschaft und gerade im Fußball richtig verankert ist. Natürlich könnte man Gehälter wie in Amerika eingrenzen. Aber hier gibt es noch keinen Richtwert für uns. Wir sprechen hier aber auch über Gefilde, in die ein Drittliga- oder Regionalligaspieler nie rankommen wird. Dafür sind die Dimensionen zwischen Bundesliga, Nationalmannschaft und uns riesig.

Eigener Nachwuchs

Bornemann: Wir stecken momentan im Zertifizierungsprozess, müssen noch weitere Unterlagen einreichen bis ins Frühjahr 2019. Das NLZ hat ja eine Zertifizierung, die aber nicht unbedingt mit den Inhalten der tagtäglichen Arbeit zu tun hat. Das müssen wir gliedern und ordnen. Wir wollen die offenen Positionen bis Ende der Woche neu besetzen und eine klare Konzeption haben, die es bisher gar nicht gab. Man hat bisher nur über Personen gesprochen, nicht aber über Inhalte. Wir sind den Eltern und Kindern ja eine Verantwortung schuldig. Auch müssen die Trainer wissen, welche Lehre sie weitergeben.

Brdaric: Mir ist der Nachwuchs sehr wichtig. Ich habe mir auch bei meinen vorherigen Stationen die Jungs angeschaut. Man muss sie ins Training einladen, ein Future-Team aufbauen, was regelmäßig Gast bei uns im Training ist. Dann kristallisiert sich der ein oder andere Spieler heraus, der sich dann für sich und uns weiterentwickelt, damit wir ihn mehr in den Profikader integrieren können. Die Jungs sollen sehen, dass es sich lohnt, immer wieder das Beste im Training abzurufen. Dann kann ich mir vorstellen, dass hier in den nächsten Jahren noch mehr entsteht. Allgemein steht Rot-Weiß ja für eine Talentschmiede.

Koperationen

Brdaric: Wenn wir als Verein erfolgreich arbeiten, glaube ich, dass andere Vereine Lust haben, mit uns zu kooperieren. Das muss das Ziel sein – ob das nun RB Leipzig oder ein anderer Bundesligaverein ist, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten herauskristallisieren. Es liegt an beiden Partnern, wie man miteinander umgeht.

Kleine Privilegien

Brdaric: Ich möchte hier gerne langfristig arbeiten. Es gibt Grundstrukturen, das hatte ich in den letzten Jahren überhaupt nicht – immer einen Rasenplatz zum Trainieren etwa. Selbst das ist ja schon ein Privileg. Ich habe zwar gehört, dass es hier im Winter mit Bodenfrost nicht so einfach ist. Aber auch da gibt es Lösungen, auf den Kunstrasenplatz auszuweichen. Aber das alles ist nicht selbstverständlich. Wir werden demnächst an der Ernährung arbeiten mit einem Koch, der regelmäßig für die Spieler kocht, damit sie sich nach der Trainingseinheit direkt gut ernähren können.

Ablenkung und Freizeit

Brdaric: Pokern ist ein interessantes Strategiespiel, was mich damals über Wasser gehalten hat, als ich in zwei Jahren acht Operationen hatte und mich ablenken musste. Das war eine schwierige Zeit für mich, denn wenn man mehrere Monate überhaupt nicht laufen kann, ist es schwer. Ich bin nicht der Typ, der am Lesen ist. So war es ein netter Ausgleich, auch mal Poker zu spielen. Mittlerweile ist es ja salonfähig geworden.

Bornemann: Am liebsten gehe ich mit meinen Hunden laufen. Ich verbringe gerne Zeit mit ihnen im Wald, gerade im Sommer ist es ein wenig kühler und frisch. Mit denen kann man sogar im See baden gehen, sie schwimmen ganz gerne. Außerdem haben wir seit zwei Jahren einen kleinen Kater.

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