RWE-Trainer Emmerling hinterfragt sich nach Pleitenserie

Der Trainer des Thüringer Fußball-Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt Stefan Emmerling sucht im Gespräch mit Marco Alles nach Wegen aus der Krise. Trotz des Fehlstarts ist er von der Qualität der Mannschaft überzeugt, führt aber "Sonderschichten" ein.

Stefan Emmerling gibt weiterhin die Richtung für den FC Rot-Weiß vor. Foto: Frank Steinhorst

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Ein Punkt aus fünf Spielen und 2:12 Gegentore: Anderswo hätte ein solcher Start dem Trainer bereits den Job gekostet. Wie gut tat die Rückendeckung durch den Präsidenten?

Es ist ja nie unangenehm, wenn die Vereinsverantwortlichen einem das Vertrauen aussprechen und auch in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren. Ehrlich gesagt habe ich mir jedoch keine Gedanken um meinen Job gemacht. Wenn man das tut, hat man schon verloren.

Was gibt Ihnen Hoffnung, dass Sie die Trendwende schaffen?

In den zweieinhalb Jahren, in denen ich hier bin, habe ich ja bereits den Nachweis erbracht, eine Mannschaft auf Vordermann bringen zu können. Außerdem bin ich von der Qualität unserer Spieler nach wie vor überzeugt.

Warum können sie dieses Potenzial dann nicht abrufen?

Der Fehlstart hat mehrere Ursachen. Uns ist es noch nicht gelungen, den Weggang der Führungsspieler wie Zedi und Caillas zu kompensieren. Deren Fußstapfen sind noch zu groß. Auch deshalb tut uns der Ausfall von Fillinger sehr weh. Er sollte eine tragende Rolle übernehmen. Die ständigen Umstellungen durch Sperren und Verletzungen sind auch nicht gerade förderlich.

Die Hälfte der zwölf Gegentore fiel in den letzten 20 Minuten. Ist die Mannschaft nicht fit?

Aus meiner Sicht liegt es nicht an fehlender Fitness. Die Spieler können 90 Minuten Gas geben. Trotzdem wird es für den einen oder anderen zusätzliche Trainingseinheiten geben. Es haben noch einige Luft nach oben.

Wird Ihr Ton in den nächsten zwei Wochen rauer sein?

Mein Ton ist rau genug. Das bekam die Mannschaft nach dem Halle-Spiel deutlich zu spüren. Die Leistung gegen Stuttgart II und auch in Osnabrück war indes nicht so schlecht, dass man alles in Frage stellen muss.

Haben Sie Fehler gemacht?

Es ist nicht so, dass nur die Spieler etwas falsch machen. Wir als Trainerteam hinterfragen uns genauso. Wir sitzen diese Woche sicher länger zusammen und diskutieren mehr als sonst.

Ist den Spielern der Ernst der Lage bewusst?

Ich denke schon. Sie sind selbstkritisch und geben sich kämpferisch. Jeder will zeigen, dass er besser ist, als der Tabellenplatz vermuten lässt. Doch gute Leistungen aus der Vergangenheit bringen uns nichts. Wir brauchen Punkte; und das mit ergebnisorientiertem Fußball.

Zum Siegen braucht man Tore. Nur ein Tor aus dem Spiel heraus ist ein bisschen wenig...

Uns fehlt die nötige Entschlossenheit im Abschluss, die Effektivität vor des Gegners Tor - und manchmal auch die Zielstrebigkeit im Spiel nach vorn.

Kann ein neuer Stürmer helfen?

Ein Mann, der aus dem Nichts Tore schießen kann, würde uns gut zu Gesicht stehen.

Jedem anderen Verein auch.

Aber wir brauchen ihn im Moment vielleicht dringender. Wir müssen aber abwarten, ob ein Transfer finanziell machbar ist.

Klubchef Rombach proklamierte ein engeres Zusammenrücken. Sind Aktivitäten außerhalb der Kabine geplant?

Am Sonntag waren wir ja schon gemeinsam beim Tennis-Bundesligaspiel. Da konnten wir sehen, was es heißt, Mann gegen Mann zu bestehen. Die Spieler tauschen sich sicher auch untereinander aus. Als Trainer kann man so etwas nicht bestimmen. Das würde nichts bringen.

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