Als Weißhaupt für Rot-Weiß einen Freistoß ins Tor schnippelte

Nordhausen  Nordhausen und Erfurt bestritten 14 Punktspiele gegeneinander. Nur zweimal durfte dabei Wacker einen Sieg feiern.

Spannende Duelle – hier zwischen Wackers Tino Sachs und Michael Schmidt (re.) – prägten die Derbys.

Spannende Duelle – hier zwischen Wackers Tino Sachs und Michael Schmidt (re.) – prägten die Derbys.

Foto: P. Riecke

Einmal kurz nachgedacht, dann kommen die Derby-Erinnerungen zurück. „Ich war damals ein bisschen sauer auf unseren Torwart“, erzählt René Kiel über jenen 9. Februar 1997. Damals spielten die Nordhäuser in der Regionalliga Nordost vor 3100 Zuschauern gegen Rot-Weiß Erfurt. Es stand 1:1. Frank Ludwig für Wacker und Jörg Schmidt für Rot-Weiß hatten innerhalb von 20 Sekunden die Tore erzielt. Dann trat der gebürtige Nordhäuser Marco Weißhaupt zum Freistoß für die Erfurter an und zirkelte den Ball in den Winkel. „Ich kannte ja Marco gut und habe unseren Keeper Marco Weigel, der übrigens aus Erfurt kam, noch gewarnt, dass Marco ins Eck schnippeln würde. So kam es dann auch. 2:1, wir hatten verloren“, sagte Kiel.

Dieses heiße Aufeinandertreffen war eines von insgesamt 14 Duellen beider Traditionsvereine in Punktspielen. Achtmal siegte dabei der FC Rot-Weiß, viermal hieß es unentschieden und zweimal ging Nordhausen als Sieger vom Platz.

Zum ersten Mal in einer Liga spielten Erfurt und Nordhausen 1966/67. Motor kickte als Neuling zu Hause 1:1 gegen den hohen Favoriten, musste am Ende nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses wieder absteigen. Der gerade 1966 gegründete Fußballclub Rot-Weiß gewann sein Heimspiel mit 4:0 souverän und kehrte sofort wieder in die DDR-Oberliga zurück. Damals hießen die Stürmer-Helden Erwin Seifert bei Rot-Weiß oder Manfred Weiß bei Motor.

Auch 1971 war der RWE abgestiegen, schoss sich aber sofort wieder zurück in die Oberliga. Lutz Lindemann war damals von Nordhausen nach Erfurt gewechselt und erzielte gleich 14 Tore für den Klub. Noch besser war Nordhausens Legende Manfred Schütze mit 17 Treffern. Doch eine Chance hatten die Nordhäuser – am Ende immerhin auf Rang fünf – beim 0:3 und 1:3 nicht.

Lindemann wurde 1970 aus Halberstadt abgeworben. Der 69-Jährige kann sich gut erinnern. „Vor allem weil ich gerade meine Biografie geschrieben haben, die im Herbst rauskommt“, sagte der einstige Nationalspieler. „Die Nordhäuser hatten mich 20-Jährigen einfach in ein Auto gesetzt und meiner jungen Familie eine Wohnung gegeben. Der Trainer fand mich nach ein paar Einheiten auch nicht so schlecht und so spielte ich bei Motor“, so Lindemann. Allerdings nur zehn Monate. Dann rief der Klub aus Erfurt an. „Ich wollte immer weiter nach oben, deshalb bin ich später auch zum FC Carl Zeiss gegangen“, beschreibt sich Lindemann.

Manfred Schütze, in den Sechzigerjahren mit dem ASK Berlin schon DDR-Meister, war damals „ein bisschen sauer“ auf den jungen Lindemann. „Aber heute ist alles wieder gut“, lacht Schütze, den wir bei der Gartenarbeit erwischen. Der Salzaer, der die Namen seiner Mitspieler noch fast alle im Kopf hat, erlebte damals im Herbst seiner Karriere tolle Kulissen. 10 500 Menschen wollten das Thüringen-Derby damals im Erfurter Georgi-Dimitroff-Stadion sehen.

Bis zur Wende gab es dann nur FDGB-Pokal. 1982 spielte Nordhausen immerhin in der Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga. Doch es reichte nicht. Als Rot-Weiß 1992 aus der 2. Liga abstürzte, kreuzten sich die Wege für zwei Spielzeiten wieder in der nun drittklassigen Oberliga Nordost. Hier gelang Wacker in der Saison 92/93 der erste Sieg mit 2:1 über die Landeshauptstädter. Die anderen Partien gingen mit 1:4, 3:4 und 0:1 verloren.

Als Wacker 1995 in die Regionalliga aufstieg, war es wieder soweit. Der Ex-Erfurter Stefan Otto sorgte am 12. August im Steigerwaldstadion für den zweiten Nordhäuser Punktspielsieg gegen Rot-Weiß der Historie. Auch in den restlichen Spielen ging es mit 1:1, 1:2, 0:0, 0:1 und 2:2 richtig knapp zu.

Das letzte Ligaspiel bestritten die Rivalen am 11. April 1998 in Nordhausen. Der Ungar Nagy machte den späten Ausgleich für Erfurt. Kiel und Hagen Schmidt hatten Wacker vor 2400 Fans in Führung geschossen. Wacker musste am Ende absteigen.

Am Sonntag (13.30 Uhr) sehen sich die beiden Klubs über 20 Jahre später wieder. „Das wird eine Standortbestimmung. Vor allem für Wacker und seine Ziele. Nur wer kühl bleibt, gewinnt das heiße Derby“, sagt MDR-Experte Lindemann. René Kiel kann nicht zuschauen. Der Trainer coacht zur gleichen Zeit in der Kreisoberliga seinen Blau-Weiß Lipprechterode in Werther.

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