Ex-Präsident und Ex-Aufsichtsratschef von Rot-Weiß Erfurt wieder versöhnt

Erfurt  Der Ex-Präsident von Rot-Weiß Erfurt Frank Nowag und der einstige Aufsichtsratschef Michael Tallai reden wieder freundschaftlich miteinander. Ein Gespräch über die schwierige Zeit, als der Verein in die Insolvenz ging.

Michael Tallai (links), einstiger Aufsichtsratschef von Rot-Weiß Erfurt und Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen und Frank Nowag, Ex-Präsident und Vorstandsvorsitzenden der Keyweb AG, verstehen sich wieder.

Michael Tallai (links), einstiger Aufsichtsratschef von Rot-Weiß Erfurt und Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen und Frank Nowag, Ex-Präsident und Vorstandsvorsitzenden der Keyweb AG, verstehen sich wieder.

Foto: Marco Schmidt

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Der FC Rot-Weiß empfängt am Sonntag (14.05 Uhr) in seinem zweiten Heimspiel der noch jungen Saison den Chemnitzer FC. Trotz aktueller Insolvenz ist in diesem Sommer so etwas wie Ruhe in den Regionalliga-Verein eingekehrt. Die Monate zuvor waren brisant und aufregend mit sportlichem Abstieg, eingestandener Zahlungsunfähigkeit und personellen Wechseln – auch in der Führungsetage.

Zwei, die in der wohl kompliziertesten Phase des Klubs seit seinem Bestehen in unterschiedlichen Spitzenpositionen ehrenamtlich tätig waren, trafen sich nach langem Schweigen zu einem versöhnlichen Gespräch: Frank Nowag, der vom 2. November 2017 bis 27. April 2018 der Präsident des Vereins war. Und Michael Tallai, der am 6. Dezember in den Aufsichtsrat kooptiert wurde und das Gremium bis zum geschlossenen Rücktritt am 15. März als Vorsitzender leitete. Wir sprachen in Erfurt mit dem Vorstandsvorsitzenden der Keyweb AG und dem Geschäftsführer der Mediengruppe Thürin gen.

Seit wann reden Sie wieder miteinander?

Tallai: Seit ungefähr zwei Monaten. Auf Vermittlung eines gemeinsamen Bekannten hat einer den Telefonhörer in die Hand genommen, dann haben wir uns getroffen und festgestellt, dass wir uns gemocht haben und das immer noch tun.

Nowag: Genau das hatten wir leider vergessen.

Tallai: Es war ein Riesenfehler, die Kommunikation eingestellt zu haben. Sonst hätten wir gewisse Dinge anders lösen können.

Warum war es zum Bruch gekommen?

Nowag: Die Insolvenz war notwendig und im März auch zeitnah fällig. Darüber waren sich Präsidium und Aufsichtsrat einig. Über das genaue Vorgehen nicht. Erst recht nicht, als immer mehr Gerüchte die Runde gemacht haben.

Tallai: Die Insolvenz war alternativlos. Wir waren als Aufsichtsrat jedoch verstimmt darüber, dass wir über den gestellten Antrag nicht informiert wurden. Wir haben zu diesem Zeitpunkt allerdings auch schon nicht mehr miteinander geredet. Im Nachhinein wissen wir beide, dass es da bestimmte Einflüsse gab, die nicht gut waren und zu der Eiszeit geführt haben.

Nowag: Das war wirklich blöd. Wir standen als Präsidium in dieser Phase vor der Wahl, allein den Antrag zu stellen, uns abberufen zu lassen oder hinzunehmen, dass vielleicht der ehemalige Präsident Rolf Rombach dann Insolvenzverwalter wird – direkt oder indirekt. Beide Seiten hatten unterschiedliche Informationen, was das jeweils andere böse Gremium vorhatte.

Tallai: Bestimmte Quellen für vertraulich zu halten, war ein Fehler. Zumal wir bis dahin fast täglich miteinander gesprochen hatten. Das war ja auch nötig angesichts der in jeder Hinsicht prekären Situation des Vereins.

Nowag: Ohne den ständigen Austausch hätte es gar nicht funktioniert.

Tallai: Aber es gab eben die Gerüchte und alles hat dann eine Eigendynamik entwickelt. Als der Antrag gestellt war, konnten wir als Aufsichtsrat nur das Präsidium abberufen oder zurücktreten. Das haben wir getan.

Aber warum hat sich der Aufsichtsrat mit klugen, integren Menschen so beeinflussen lassen? Hatte Ex-Präsident Rolf Rombach noch Macht?

Tallai: Es gab in der Tat die Diskussion im Aufsichtsrat, Rombach wieder einzusetzen. Dieser Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit. Und auf mich hatte er als Person auch keinen großen Einfluss.

Nowag: Als Präsidium wollten wir auf keinen Fall, dass Herr Rombach zurückkehrt. Es war zu spüren, dass er im Hintergrund noch die Fäden zieht und ja auch einen verlängerten Arm im damaligen Aufsichtsrat hatte. Wir wollten unbedingt einen sauberen Schnitt und die Vergangenheit aufarbeiten. So waren wir auch angetreten. Aber irgendwann wusste wohl niemand mehr, wem man noch glauben kann. Das Vertrauen war weg.

Tallai: Wir hätten reden müssen, dann wäre es nicht so eskaliert. Zumal wir ja im Januar gemeinsam mit der Überzeugung gestartet waren, Rot-Weiß einen Neuanfang zu ermöglichen.

Ist Frank Nowag Unrecht geschehen?

Tallai: Ich kann nicht für den Aufsichtsrat sprechen, manche Mitglieder sind ja auch noch im Amt. Ich habe ihn sicherlich unfair behandelt, indem ich damals nicht mit ihm gesprochen habe. Wobei mich das auch emotional sehr mitgenommen hatte.

Herr Nowag, hatten Sie Unrecht gefühlt?

Das damals zerrüttete Verhältnis zu Michael Tallai hat mir sehr zu schaffen gemacht. Ich habe mich jedoch zurückgehalten, wollte mich nicht öffentlich beharken. Und mit dem Antrag auf Insolvenz hatte ich das auch der Amtsrichterin versprochen. Letztlich war das auch richtig.

Tallai: Wobei wir versucht haben, unsere Entscheidung sachlich zu begründen und nicht den Menschen Frank Nowag anzugreifen.

Nowag: Obwohl es manchmal weh tat, Prügel einzustecken, ohne sich wehren zu können.

Herr Nowag, hatten Sie das Fußballgeschäft unterschätzt?

Ich denke nicht, auch wenn die mediale Präsenz, die Emotionalität, so hoch sind. Es ist in dieser Funktion nicht möglich, jedem gerecht zu werden, alle Hoffnungen zu erfüllen. Bei der Nachlizenzierung habe ich dann richtig gespürt, wie die Lage des Vereins ist. Viele reden, wenige machen.

Tallai: Es ist schon erstaunlich, wie zahlreich Menschen Einfluss gewinnen wollen, meinen, wichtig zu sein, Ratschläge geben zu müssen, Kritik zu üben. Oft ohne ein Amt zu haben oder Verantwortung zu tragen. Und, wenn es dann hart auf hart kommt, der Rückzug erfolgt. Ich könnte da eine ganze Liste füllen. An so etwas kann ein Verein auch zugrunde gehen. Ich habe mich in einigen Menschen sehr getäuscht, bin entsetzt, wie sie sich verhalten haben.

Nowag: Es war die Kultur, die rund um den Verein jahrelang bestanden hatte. Und nun war sie in einer hochemotionalen Phase mit vielen geschürten Ängsten, erst recht lebendig.

Und haben Sie die Unsicherheit mit personellen Entscheidungen, den Entlassungen vom Manager und Geschäftsstellenleiter, noch vergrößert?

Ich stehe zu jeder Entscheidung, weil sie für den Neuanfang und die Atmosphäre erfolgen musste. Es war damals viel Emotion, viel Wut und viel Hoffnung im Spiel. Rückblickend hätte ich jedoch manches charmanter lösen können.

Tallai: Das Präsidium, das ja nur aus zwei Leuten bestand, hatte damals die Aufgaben eines Insolvenzverwalters zu lösen, ohne die Kompetenz zu haben. Und das in einer totalen Krisenphase. Das war schon enorm, was da geleistet wurde.

Nowag: Letztlich war es ja auch richtig, dass wir den Schnitt so konsequent gemacht haben. Finanziell blieb uns gar keine andere Möglichkeit als die Insolvenz, sportlich war die Lage dann ebenfalls aussichtslos. Doch auch die Regionalliga kann schön und spannend sein, wenn gute Arbeit geleistet wird, das Umfeld stimmt, die Fans mit einbezogen werden. Mit gefällt der jetzige Zusammenhalt, ich blicke optimistisch nach vorn.

Sie gehen also weiter ins Stadion?

Nowag: Natürlich. Ich war beim Auftakt dabei und werde wohl auch gegen Chemnitz hingehen. Obwohl mehrere Spiele mit denen meiner Mannschaft, in der ich noch aktiv bin, kollidieren. Da hat auch die Punktspielsaison begonnen.

Und Sie, Herr Tallai?

Wir haben als Mediengruppe Thüringen ja weiterhin die Namensrechte am Stadion, auch das Sponsoring erhöht und eine Loge in der Arena. Insofern ist die Verbindung automatisch da. Ich gehe natürlich zu Spielen, wenn es zeitlich möglich ist.

Im September ist die Mitgliederversammlung anberaumt. könnte es da eine Rückkehr von Ihnen geben?

Nein, auch wenn ich die Zeit nicht bereue. Doch manche Menschen im Verein, die mich sehr enttäuscht haben, spielen noch eine wichtige Rolle.

Wer? Warum nennen Sie keinen Namen, Herr Tallai?

Die Vorgänge waren sehr persönlich, auch für meine Familie bedeutete das eine schwere Zeit. Ich habe damit abgeschlossen, möchte das nicht noch mal erleben. Zugleich will ich keine dreckige Wäsche waschen, das gönne ich einigen Leuten auch nicht. Das wäre zudem für den Verein nicht gut. Der stellt sich jetzt neu auf – warum soll ich da aus eventuell gekränkter Eitelkeit Unfrieden säen? Aber ich möchte mit manchen auch nicht noch mal freiwillig zusammenarbeiten.

Und Sie, Herr Nowag?

Der Verein wird nun von Herrn Reinhardt geführt. Ich finde, das macht er sehr gut. Eine Mitgliederversammlung müsste aus meiner Sicht im September noch gar nicht sein, weil die Insolvenz dann sicher noch läuft. Ich werde dem Klub jedenfalls gern weiter helfen, aber nicht in Amt und Würden.

Und wie gehen Sie jetzt miteinander um?

Tallai: Wir waren damals befreundet und ich würde mich freuen, wenn wir die Freundschaft mit der Unterbrechung fortsetzen können.

Nowag: Ja, das machen wir.

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