FC Rot-Weiß Erfurt: Frank Nowag kritisiert zu hohen Etat

Erfurt  Der kommissarisch noch im Amt befindliche Präsident des FC Rot-Weiß Erfurt, Frank Nowag, hat Kritik am Saison-Etat des in der Insolvenz befindlichen Fußball-Regionaligisten geübt. Für die Rettung des Vereins hat er einen sechsstelligen Betrag gezahlt.

Frank Nowag.

Frank Nowag.

Foto: Sascha Fromm

Der Spielbetrieb des FC Rot-Weiß Erfurt ist durch Zahlungen aus einem Sponsorenpool zumindest bis zum Jahresende erst mal gesichert. Zu denen, die den Erfurter Traditionsclub gerettet haben, zählt Frank Nowag. Der Vorstandsvorsitzende der Keyweb AG war von November 2017 bis April 2018 Präsident des Fußballvereins, der im März Insolvenz angemeldet hatte. Das Amt übt Nowag trotz seines Rücktritts kommissarisch immer noch aus, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Stimmt es, dass Sie 100.000 Euro gezahlt haben?

Mich wundert zwar, wie das bekannt geworden ist. Aber ich kann die Summe nun bestätigen.

Wer sind die anderen Gönner?

Klaus Neumann hat seine Unterstützung mit 50.000 Euro bereits öffentlich gemacht. Auch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Peter Kästner hilft ja. Und es ist auch kein Geheimnis, dass das Autohaus König zugesagt hat, seine Verpflichtungen als Hauptsponsor zu erfüllen.

Und was ist mit Unternehmer Michael Kölmel?

Darüber kann nur er selbst Auskunft geben.

Zahlen Sie privat oder Ihr Unternehmen?

Keyweb ist der Sponsor.

Warum machen Sie das?

Weil das sonst in der letzten Woche das Ende des Clubs bedeutet hätte. Es kann nicht sein, dass viele immer nur kritisieren, auch von Hilfe reden, letztlich allerdings nichts tun.

Aber mit Ihnen wurde in den vergangenen Wochen nicht unbedingt gutherzig umgegangen.

Das mag sein, aber mein Herz hängt trotzdem am Verein. Er darf nicht in der Versenkung verschwinden. Das wäre katastrophal für die Region, die Fans, die Mannschaft und den Nachwuchs. So gibt es nun noch eine realistische Chance.

Eine Chance – mehr nicht?

Der Verein hat nur eine langfristige Zukunft, wenn bis Jahresende die Ausgliederung der ersten Mannschaft gelingt. Allein dieses Wirtschaftsmodell bringt Investoren.

Würden Sie auch zu denen gehören?

Ja.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat davon gesprochen, den Club in einem schlimmen Zustand vorgefunden zu haben. Ein Vorwurf in Ihre Richtung?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Als ich angetreten war, waren die Wirtschaftslage, das Image und auch die Strukturen bekanntermaßen katastrophal. Ich musste mit Blick auf die schwierige Situation handeln und angesichts der Stimmung im und rund um den Club auch personell reagieren.

Sie meinen die Entlassungen von Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause und Manager Torsten Traub.

Unter anderem. Diese Entscheidungen waren unumgänglich. Und mit Stefan Emmerling war ja jemand da, der die sportliche Leitung übernommen hatte.

Also werfen Sie sich im Nachhinein nichts vor?

Ich war nur wenige Monate in der Verantwortung, habe in dieser komplizierten Zeit mit Knut Herber alles getan, um dem Verein eine Perspektive zu ermöglichen.

Wann war Ihnen klar, dass der Antrag auf Insolvenz gestellt werden musste?

Als die Situation, auch die sportliche, keine Fortführungsprognose mehr zugelassen hat. Also kurz vor dem Antrag.

Und welche Bedeutung hatte dabei der Schuldenberg?

Aktuell sind meines Wissens 6,8 Millionen angemeldet. Hier sind noch nicht die circa 2,4 Millionen Besserungsscheine enthalten, welche in der Insolvenz keine Rolle spielen. Leider konnte ich die Schulden, die in den letzten Jahren angehäuft wurden, in so kurzer Zeit nicht senken.

Hatten Sie jemals ein Gespräch mit Ihrem Vorgänger Rolf Rombach?

Nein.

An ehemalige Verantwortliche im Präsidium sollen Haftungsbescheide verschickt worden sein. Die Staatsanwaltschaft soll zudem ermitteln – auch mit Kontakt zu Ihnen?

Nein. Ich habe jedoch vom Finanzamt ein Auskunftsersuchen erhalten, was allerdings völlig normal ist, wenn man die Insolvenz beantragt hat.

Mit welchem Inhalt?

Es ging unter anderem um Forderungen betreffs der Umsatzsteuer, beginnend 2008.

Auch Post vom Zoll soll Sie als Präsident erreicht haben.

Wegen konkreter Forderungen für Sozialversicherungsbeiträge, beginnend 2011.

Wie hoch sind die Forderungen insgesamt?

Sie liegen im sechsstelligen Bereich.

Wie sehen Sie die aktuelle Lage des FC Rot-Weiß?

Immer noch dramatisch. Ich kann auch nicht verstehen, warum man mit so einem hohen Gesamtetat in die Saison gegangen ist. Unsere Planung für die Erneuerung des Vereins in der Regionalliga sahen rund 1,6 Millionen Euro vor. Jetzt sind wir bei 3,5. Das ist viel zu hoch.

Kritik in Richtung Insolvenzverwalter Volker Reinhardt?

Ich schätze ihn sehr. Aber für meine Begriffe hat er sich da gehörig vertan oder den falschen Leuten vertraut. Man kann nur mit dem Geld planen, dass auch zur Verfügung steht.

Sie sind als Präsident derzeit nicht operativ tätig. Würden Sie das wieder tun,wenn der künftige Aufsichtsrat nach dem Insolvenzende anfragt?

Nein, das kann ich meiner Familie und den Mitarbeitern im Unternehmen nicht noch mal zumuten. Es ist bitter genug, dass ich wieder mit dem Rauchen angefangen habe. Aber ich werde Rot-Weiß stets unterstützen.

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