Negativlauf beim FC Rot-Weiß Erfurt: Brdaric stellt die Qualitätsfrage

Rathenow  Nach dem 1:2 beim Letzten Rathenow hängt der Haussegen beim FC Rot-Weiß schief.

Bedröppelt schleichen die Rot-Weiß-Spieler vom Platz. Nach dem Spiel stellen sich die Protagonisten den mitgereisten Fans, die ihnen in einer sehr sachlichen Diskussion Mut für die kommenden Aufgaben machen.

Bedröppelt schleichen die Rot-Weiß-Spieler vom Platz. Nach dem Spiel stellen sich die Protagonisten den mitgereisten Fans, die ihnen in einer sehr sachlichen Diskussion Mut für die kommenden Aufgaben machen.

Foto: Frank Steinhorst

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Auf der Pressekonferenz in einem kleinen Nebengebäude auf dem Sportgelände in Rathenow ließ Rot-Weiß-Trainer Thomas Brdaric seinem Unmut freien Lauf. Die Art und Weise des Zustandekommens der peinlichen 1:2-Niederlage beim Letzten und designierten Absteiger grämte den 44-Jährigen derart, dass er mit Emotionen nicht sparte.

Unsicherheit, fehlende Erfahrung und Cleverness attestierte er einigen seiner Spieler; gab sogar zu verstehen, dass „es ein Stück weit an Qualität für die Regionalliga fehlt“. Gemeint waren zum einen Glodi Zingu und Marius Wegmann, die mit ihren Aktionen eine große Aktie an den beiden Gegentoren durch Emre Turan (74.) und Süleyman Kapan (82./Foulelfmeter) besaßen. Der in der Halbzeit gekommene Zingu vertändelte einen Ball zur Ecke, aus der der Ausgleich resultierte. „Wenn man cleverer ist, geht man gar nicht an den Ball oder nimmt den Ball mit“, erklärte Brdaric die Situation.

Shala: Nach Gegentor verlieren wir uns komplett

Wegmanns unerlaubter Einsatz gegen Kevin Adewumi, der zum Strafstoß führte, brachte den Trainer ebenfalls auf die Palme. Das völlig falsche Timing (Brdaric: „Schon zehn Sekunden vorher konnte jeder im Stadion sehen, Wegmann grätscht gleich.“) besiegelte die vierte Erfurter Niederlage in der Rückserie. Für den jungen Verteidiger, der nach Spielende den Tränen nahe war und von den Mitspielern getröstet werden musste, war es eine bittere Lektion.

Schuldig an der Niederlage war er indes nicht allein. Denn wie sich die Rot-Weißen als Mannschaft über weite Strecken präsentierten, war schwach. Schon im ersten Durchgang hätte Rathenow mit einem deutlichen Vorsprung in die Pause gehen müssen, scheiterte aber immer wieder an Torwart Lukas Cichos, der bei seiner Rückkehr zwischen die Pfosten eine starke Partie ablieferte. Die Führung durch Andis Shala, der nach einem Schuss von Tobias Hasse zum glücklichen 1:0 abstaubte (26.), überspielte die Verhältnisse auf dem Platz.

Zwar trat Rathenow im zweiten Abschnitt nicht mehr so dominant auf und Erfurt hätte mit seinen Gelegenheiten auch das zweite Tor erzielen können. Doch gefühlt fielen die Gegentreffer folgerichtig, da die Gastgeber den Sieg in dieser umkämpften Partie mehr wollten.

Meinungsverschiedenheiten zwischen Brdaric und Mittelfeldspieler Darryl Geurts

„Wir waren uns sicher, dass wir das hier ziehen würden. Dann bekommen wir einen Standard und verlieren uns komplett und kommen nicht mehr in die Zweikämpfe“, haderte Torschütze Shala mit der eigenen Vorstellung und ergänzte: „Wenn du sechs Spiele nicht gewinnst, hast du einen Negativlauf, aus dem du herauskommen musst. Jetzt gilt es, hart zu arbeiten und eine Einheit zu bilden, auf dem Platz und im Training.“

Inwieweit das schaffbar ist, muss sich erst zeigen. Und ob jeder Spieler schon realisiert hat, dass selbst bei den treuesten Fans der Kredit bei solchen Leistungen irgendwann aufgebraucht ist, scheint fraglich. Dass es in der Halbzeitpause Meinungsverschiedenheiten zwischen Brdaric und Mittelfeldspieler Darryl Geurts gab, lässt tief blicken. „Von ihm ist nicht eine Flanke gekommen. Wenn man gewisse Dinge in der Halbzeit anspricht und dann mit dem Kopf geschüttelt wird; wenn man Dinge nicht akzeptieren möchte, wenn sie schwarz auf weiß sind, dann haben sie hier auf dem Feld nichts zu suchen“, kritisierte der Trainer.

Nach dem Benefizspiel am kommenden Mittwoch gegen Zweitligist Union Berlin (18 Uhr) steht am kommenden Sonntag dann das Thüringenderby gegen Wacker Nordhausen an (13.30 Uhr). „Ein Gegner, der zum richtigen Zeitpunkt kommt. Das Derby bringt Emotionen mit, wir sind den Fans und uns was schuldig“, hofft Shala auf Besserung.

Es ist ein frommer Wunsch.

Torwart Lukas Cichos im Interview – „Stellen uns zweimal ganz dumm an“

Herr Cichos, wie lässt sich solch ein Auftritt erklären?

Ganz schwer. Wir führen 1:0 und haben auch die Chance, das 2:0 zu machen, machen es aber nicht und stellen uns dann zweimal ganz dumm an. Das geht einfach nicht. Wir machen Fehler, die wir in der Hinserie nicht gemacht haben. Warum wir die machen, weiß ich nicht.

Wenn der Torwart der beste Spieler der Mannschaft ist, spricht das nicht für die spielerische Leistung des Teams.

Solche Spiele gibt es. Dass es nicht einfach werden würde, wussten wir vorher. Die waren heiß, wir aber auch. Irgendwie ist derzeit der Wurm drin. Auch wenn ich gut gespielt habe: wir verlieren hier 2:1. Da ist das egal. Wir sind eine Mannschaft, und das müssen wir auch auf dem Platz zeigen.

Wie kommt man aus dieser Negativserie wieder heraus, wenn man schon beim Letzten nichts mitnimmt?

Wir müssen weiter an uns arbeiten und dürfen nicht die Köpfe nach unten senken. Jetzt gilt es, Gas zu geben und zu punkten. Am besten schon am Sonntag gegen Nordhausen.

Mehr Fotos vom Spiel: www..de

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