Rot-Weiß Erfurt gegen Chemie Leipzig – Viel Rauch um nichts

Erfurt  Trotz klarer Überlegenheit steht der FC Rot-Weiß Erfurt beim 0:0 gegen Chemie Leipzig fast mit leeren Händen da. Fans beider Lager zünden Nebeltöpfe.

In der zweiten Halbzeit brannte im Leipziger Block eine Erfurter Fahne.

In der zweiten Halbzeit brannte im Leipziger Block eine Erfurter Fahne.

Foto: Sascha Fromm

Es brannte lichterloh im Erfurter Steigerwaldstadion. Aber nur eben nicht vor dem Tor des Gegners. Dort fehlte die zündende Idee. „Ich könnte den einen oder anderen Spieler jetzt an die Wand nageln. Das mache ich aber nicht, weil es nichts bringt“, sagte Thomas Brdaric.

Der Erfurter Trainer musste mit ansehen, wie seine Mannschaft – einmal mehr – eine klare Überlegenheit nicht in einen Sieg verwandeln konnte und durch das enttäuschende 0:0 gegen die BSG Chemie Leipzig sogar noch um einen Rang auf Tabellenplatz 14 abrutschte.

Die echten Aufreger dieser Regionalliga-Begegnung lieferten viel mehr die Fans auf beiden Seiten bei einem zumindest auf den Tribünen stimmungsvollen Viertliga-Kick. Im Leipziger Block brannten bereits vor dem Anpfiff die ersten bunten Rauchbomben, untermalt mit dem Banner: „Wir sind lässig“. In Halbzeit zwei fackelten dort ein paar Unverbesserliche sogar eine Rot-Weiß-Fahne ab.

Spiel musste kurz unterbrochen werden

Ihren Bemühungen um eine Materialfreiheit im Stadion für die großen Fahnen, die zwingend aus schwer entflammbaren Stoffen bestehen muss, erwiesen einige RWE-Anhänger ebenso einen Bärendienst. In der 48. Minute hüllten ein paar Nebelkerzen die Südkurve in dichten Qualm. Das Spiel musste kurz unterbrochen werden, der Verein muss wohl mit einer Geldstrafe rechnen. Zuvor waren viele Anhänger gemeinsam vom Stadtzentrum ins Stadion marschiert und hatten auf einem Banner noch einmal ihre Sicht auf die Fankultur („Gegen alle Materialverbote, Freiheit statt Einschränkung. Dank der Kurve lebt der Verein auch in schweren Zeiten.“) zur Schau gestellt.

Selbst als jeglicher Rauch verflogen war, ließen die Erfurter Kicker beim Drang zum Tor trotz aller Überlegenheit den Durchblick im gegnerischen Strafraum vermissen. „Uns fehlt einfach die Leichtigkeit beim Abschluss. Wir brauchen 15 Chancen, um überhaupt erst einmal den Pfosten zu treffen“, sagte Kapitän Lukas Novy, der enttäuscht den Rasen verließ: „Ich kann mich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr daran erinnern, dass wir zur Halbzeit mal mit 2:0 oder 3:0 geführt haben.“

Dabei weckte der muntere Auftakt durchaus Hoffnung auf mehr. Von der ersten Minute an waren die Erfurter die bessere Mannschaft. Marc-Frank Brasnic setzte mit seinem 15-Meter-Schuss ein erstes Achtungszeichen (6.). Ein ums andere Mal setzte Leipzig zwar einen Konter an, aber die RWE-Abwehr mit Torhüter Jannick Theißen war stets auf der Hut.

Erfurt harmlos in der Offensive

Die beste Erfurter Gelegenheit verpasste zunächst Brasnic gleich nach Wiederbeginn, als Erfurt überfallartig nur 20 Sekunden nach dem Anpfiff gefährlich vor dem Leipziger Tor auftauchte. Aber die Eingabe von Morten Rüdiger konnte der Erfurter Angreifer nicht in einen Treffer ummünzen. Um noch einmal die Offensive neu zu beleben, brachte Trainer Brdaric für Brasnic in der 65. Minute den baumlangen Sinisa Veselinovic – vergeblich.

Niemand hätte über die dürftige Leistung im Angriff diskutiert, wäre das 1:0 doch noch gelungen. Der Treffer wäre sogar möglich gewesen. Selim Aydemir stürmte in der Schlussminute allein auf Leipzigs Torhüter Benjamin Bellot zu, schoss ihm aber den Ball in die Arme. Besser hätte Erfurt seine Harmlosigkeit in der Offensive nicht de­monstrieren können.

Trainer Brdaric hat bereits eine Idee, wie er seine Spieler wieder auf Kurs bringen könnte. „Vielleicht sollte ich ihnen mal ein Video zeigen, wie schön es ist, nach einem Torerfolg in der Kurve zu feiern.“ So aber blieb nach der Nullnummer trotz heißblütiger Fans auf den Tribünen ein schlichtes Fazit: Viel Rauch um nichts.

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