RWE-Fanartikel: Volles Lager, voller Ärger

Erfurt  Im Streit um Fanartikel des FC Rot-Weiß Erfurt verhängt der Insolvenzverwalter ein Abverkaufsverbot, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft.

Die Ballsport GbR– Tino Linnhose, Lutz Kühn, Stephan Karl und Heiner Kühn (v.l.) – sitzt im Zughafen auf einem vollen Lager mit etwa 30.000 RWE-Fanartikeln.

Die Ballsport GbR– Tino Linnhose, Lutz Kühn, Stephan Karl und Heiner Kühn (v.l.) – sitzt im Zughafen auf einem vollen Lager mit etwa 30.000 RWE-Fanartikeln.

Foto: Michael Keller

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Da sitzt das Quartett. Auf kistenweise Fanartikeln des FC Rot-Weiß Erfurt, darf aber Tassen, Basecaps, Schals, Biergläser oder Dresse nicht verkaufen.

„Insgesamt 300 verschiedene Fanartikel oder 35.000 Einzelteile. Verkaufswert etwa 300.000 Euro“, sagt Stephan Karl. Bei den Fans ist er der „Igel“. Der 49-Jährige sorgt mit seinen Kompagnons Lutz und Heiner Kühn und Tino Linnhose seit vielen Jahren verlässlich dafür, dass der treue RWE-Fan trotz aller Nackenschläge zuverlässig ein breites Reservoir an Merchandising-Produkten seines Herzensvereins bekommt.

Seit 1999 ist Stephan Karl im Geschäft. Mit einem Kumpel wurde zuerst nur verkauft, ab 2009 auch selber produziert. 2013 wurde dann, da RWE recht passabel spielte, der Bedarf immer höher. Logisch, nach einem Sieg wird der Geldbeutel gern geöffnet für ein Badehandtuch oder einen Slip für die Liebste – klar, mit Vereinslogo.

30.000 bis 40.000 Euro betrug die Lizenzgebühr, die pro Jahr an den Verein gezahlt wurde, der aber auch selber sein Fanartikelgeschäft parallel betrieb. Das funktionierte eigentlich recht passabel. Wäre dann Rot-Weiß nicht in die Insolvenz geraten und auch noch aus Liga drei abgestiegen.

Mitte Juli flatterte der Ballsport GbR, die im Zughafen ihr Domizil hat, die Kündigung des Vertrages, der eigentlich bis zum 30. Juni 2019 laufen sollte, ins Haus. Absender: Insolvenzverwalter Volker Reinhardt. Kündigungstermin: 30. Juni 2018.

Firma will RWE Ware für 5000 Euro schenken

Man begann neu zu verhandeln. Doch es gab keine Einigung. „Wir sollten mehr Lizenzgebühren bezahlen, um unsere noch vorhandene Ware abverkaufen zu können. Neues sollten wir aber auch nicht mehr produzieren. Dieses Angebot war für uns inakzeptabel. Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen. Auf unser Gegenangebot wurde gar nicht erst geantwortet. Herr Reinhardt ist für uns nicht erreichbar“, meint Lutz Kühn. Dafür wurde der Abverkauf durch den Insolvenzverwalter untersagt. Es gab sogar Unterlassungserklärungen. Die Ballsport GbR knickte ein in der Gewissheit, sich einen sehr teuren Rechtsstreit mit Reinhardt nicht leisten zu können.

RWE verkauft nun selbst Artikel, die vom Wosz-Fanshop aus Halle/S. geliefert werden. Maximal 30 Artikel, so Kühn, seien noch im Angebot und man habe hier gar keine Struktur für das RWE-Merchandising-Geschäft. Zudem: in Liga vier seien die Wosz-Artikel teurer „als bei uns in Liga drei“, ist das Kleeblatt überzeugt. Wie in Erfurt seien schon alteingesessene Fanartikel-Anbieter in Jena und Chemnitz verdrängt worden.

„Verstehe ich nicht“, sagt „Igel“. Der Verein werbe um mehr Zuspruch und Sponsoring bei einheimischen Unternehmen, bringe aber einen Mittelständler um seine Einnahmen. „Wir haben RWE immer mit Herzblut unterstützt, sind kurzfristig auf Wünsche eingegangen und nun das“, sagt Lutz Kühn. Und bietet, wie zum Beweis, dem chronisch klammen Klub kostenlose Fanartikel im Wert von 5000 Euro an. Um RWE in der – wieder mal – kritischen Finanzsituation zu helfen.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat indes – erwartbar – eine ganze andere Auffassung. Er habe mehrfach Angebote für eine Lösung unterbreitet, einen Inventurnachweis verlangt und auf stichpunktartige Kontrollen bestanden. Darauf sei von Seiten der GbR nicht eingegangen worden. Reinhardt sieht sich für RWE im Recht. Das sei auf seiner Seite, denn wieso hätte die GbR sonst zwei Unterlassungserklärungen für den Abverkauf unterschrieben. Für ihn gehöre in dieser Sache Kompromissfähigkeit dazu und die vermisse er.

Reinhardt geht noch weiter: „Es gibt im Bestand echte Ladenhüter, deren Abverkauf kaum möglich ist. Falsche unternehmerische Entscheidungen kann man dann doch nicht anderen in die Schuhe schieben“, sagt er. Und fügt aber an, dass er trotz der persönlichen Beleidigungen auf der Internetseite der GbR weiterhin zu konstruktiven Gesprächen bereit sei. Klingt zumindest erstmal so, als sei die rot-weiße Tür noch nicht ganz zugeschlagen.

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