Scholl: „Wacker ist auch nach 2020 eine Option“

Nordhausen  Warum sich Nordhausens bekanntester Spieler mit seiner Familie im Südharz wohlfühlt, warum das Team aufsteigt und er nie wieder beim FC Bayern spielen will

Lucas Scholl wird so oft gefoult wie wohl kein anderer Spieler der Nordhäuser Elf.

Lucas Scholl wird so oft gefoult wie wohl kein anderer Spieler der Nordhäuser Elf.

Foto: Christoph Keil

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Seit fast drei Jahren spielt Lucas Scholl für Wacker Nordhausen in der vierten Fußball-Liga. Nach etlichen Tiefschlägen gehört der 23-Jährige, der schon mit 18 beim FC Bayern München kickte, nun wieder zu den Leistungsträgern im Trikot der Südharzer. Nach der Roten Karte von Babelsberg ist Scholl allerdings gerade Zuschauer.

Wie viele Spiele Sperre haben Sie für das Foul bekommen?

Weiß ich noch nicht. Ich hoffe, nicht mehr als zwei. Es war eine unglückliche Aktion. Ich habe den Gegner zu spät gesehen.

War es die erste Rote in Ihrer Karriere?

Ich habe gegen ZSKA Moskau schon mal Gelb-Rot gesehen. Glatt Rot war es das erste Mal und ein kleiner Rückschlag für mich, weil ich nicht spielen darf.

Wie oft werden Sie in einem Spiel gefoult?

Ich zähle das nicht. Aber ich bin wohl der Spieler bei uns, der am meisten gefoult wird.

Wie gehen Sie damit um?

Ich habe kein Problem mehr damit. Mit 18, 19 war ich sicher beeindruckt, wenn die angeflogen kamen. Hier hat mir dann auch die Regionalliga Nordost, die mit Fußball nicht immer was zu tun hat, geholfen. Ich musste den Kampf einfach annehmen.

Sie waren 2018 sehr lange verletzt. Hatten Sie sich in Nordhausen schon aufgegeben?

Erst hatte ich Lungenentzündung, war drei Monate krank. Dann war ich einen Monat mal fit, mal nicht. Es kam der Fußbruch mit vier Monaten Pause. Ich war quasi ein Jahr nicht dabei. Als ich danach den Sprung nicht gleich schaffte, habe ich mir schon Gedanken gemacht, ob es hier noch Sinn macht. Ich habe mich dann in der Saisonvorbereitung mit unserem Sportlichen Leiter Tino Berbig zusammengesetzt und geredet. Dann habe ich gesagt, dass ich um meinen Platz kämpfen will.

Ihr Vertrag läuft bis 2020. Was passiert danach?

Das kann ich heute natürlich noch nicht sagen. Ich werde im Winter sicher Gespräche mit dem Verein führen. Wacker ist auch nach 2020 eine Option für mich, denn meine Familie fühlt sich in Nordhausen sehr wohl.

Telefonieren Sie öfter mit ihrem Vater, Mehmet Scholl?

Nicht mehr so oft. Bei zwei kleinen Kindern habe ich gar nicht mehr so viel Zeit dafür. Wir besuchen uns aber ab und zu.

Sind Sie noch ein Anhänger des FC Bayern?

Nein, beim FC Bayern würde ich nicht mehr spielen wollen. Da ist damals zuviel passiert. Ich bin kein Fan, nur von gutem Fußball wie ihn Leipzig jetzt unter Nagelsmann, Bremen oder Frankfurt zuletzt spielten.

Bei Wacker wird viel rotiert. Was halten Sie davon?

Ich finde es gut. So stehen immer frische Leute auf dem Platz, besonders in den englischen Wochen und die Stimmung ist auch gut, weil viele Spieler ihre Einsatzzeiten bekommen.

Arbeiten Sie inzwischen auch mehr nach hinten?

Ich werde sicher kein Defensivmonster mehr. Aber wir helfen uns natürlich gegenseitig. Der Trainer weiß, was er von mir bekommt. Für mich war es der Tag X gegen Fürstenwalde, als ich von Anfang an spielen durfte.

Woher kommt ihre Stärke bei Freistößen und Ecken?

Ich trainiere das jeden Tag seit ich klein war.

Wie weit kommt Wacker mit Lucas Scholl in dieser Saison?

Wir steigen auf.

Auch wenn das neue Stadion da ja noch nicht fertig ist?

Egal. Dann spielen wir eben woanders. Wir und der Präsident wollen endlich nach oben und das ist auch möglich mit dieser starken Mannschaft.

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