Ungeliebter Sportdirektor Gaudino verlässt Wacker Nordhausen zum Saisonende

Nordhausen  Der Fußball-Regionalligist Wacker Nordhausen und der Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino passen nicht zusammen. Trennung zum 30. Juni.

Wacker-Präsident Nico Kleofas (rechts) und Maurizio Gaudino bleiben trotz der gescheiterten beruflichen Zusammenarbeit freundschaftlich verbunden. Foto: Christoph Keil

Wacker-Präsident Nico Kleofas (rechts) und Maurizio Gaudino bleiben trotz der gescheiterten beruflichen Zusammenarbeit freundschaftlich verbunden. Foto: Christoph Keil

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Nein, es war keine Liebe. Auch nicht auf den zweiten Blick. Wacker Nordhausen und sein Sportdirektor Maurizio Gaudino werden nach dem Saisonende getrennte Wege gehen. Sein Vertrag endet am 30. Juni. Der Verein wird ihn nicht verlängern, erfuhr die Thüringer Allgemeine. Bis dahin arbeitet Maurizio Gaudino weiter für Wacker bei der Sponsorensuche, wird aber nicht bei der Mannschaft sein. Eine offizielle Mitteilung darüber gibt es von Wacker bis zum 1. Juli wohl nicht. "Wir wollen bis zum Pokalfinale in Ruhe arbeiten", erklärte Wacker-Präsident Nico Kleofas gestern auf Nachfrage.

In einem langen Gespräch tauschten sich Kleofas und Gaudino bis in den späten Montagabend darüber aus, was bei dem Engagement des Ex-Nationalspielers in Nordhausen schiefgelaufen war. Kleofas wollte dazu gestern offiziell keine Stellung nehmen. Doch seit Wochen ist klar, das Projekt, die Personen, das Umfeld – es passte einfach nichts zusammen. "Die Schuld dabei liegt nicht allein bei Maurizio. Auch ich habe das mitgetragen. Es war sicher auch ein großes Problem, dass ich so lange erkrankt war", meinte Kleofas dann doch zur Personalie.

Der 50 Jahre alte Gaudino, der auch als Spielervermittler arbeitet, kam im Juli zu Wacker Nordhausen und wurde von seinem Freund Kleofas als Sportdirektor installiert. Kleofas wollte die sportliche Führungsarbeit delegieren. Doch die Flut neuer Spieler mit teilweise klangvollen Namen (Sailer, Yelen, Scholl), die Gaudino verpflichtete, prallten auf die Alteingesessenen wie Pfingsten-Reddig, Peßolat oder Berbig. Zwei oder zum Schluss sogar drei Gruppen bildeten sich, die nicht einmal mehr professionell zusammenarbeiteten. Daran scheiterten die Trainer Albersinger, Piplica und van Eck. Sie bekamen das Hauptproblem bei Wacker nicht in den Griff. Gaudino geriet mehr und mehr in die Defensive. Eine "Reinigungsaktion" im Winter, die auch die beliebten Innenverteidiger Blume und Nennhuber traf, sorgte bei den Fans für Unmut. Das Umfeld startete über soziale Netzwerke eine Kampagne gegen Gaudino, dessen Vermittler-Kollegen und Spieler-Vater Siegfried Herröder und einige unbeliebte Spieler. Als dann mit René van Eck auch der dritte Trainer in einer Saison scheiterte, wusste Gaudino, dass er in Nordhausen keine Zukunft mehr haben würde.

Beim Abgang des niederländischen Trainers stellte sich zudem heraus, dass der Coach zwar einen Trainerschein, aber keine für die 3. Liga erforderliche Fußball-Lehrer-Lizenz besaß. Van Eck hätte nur in der Regionalliga trainieren dürfen.

Inzwischen hat Wacker mit dem Berliner Volkan Uluc einen frisch gebackenen Fußball-Lehrer eingestellt. Der 47 Jahre alte Regionalliga-Kenner (Berliner AK, BFC, FC Carl Zeiss Jena) soll nun endlich eine Wacker-Mannschaft formen, die in der kommenden Saison wieder ganz oben mitspielen kann. Für die solide Basis hat, so paradox es klingt, auch Gaudino gesorgt. Mit den beiden Jung-Bayern Hägler und Günzel, mit den erfahrenen Chaftar, Sailer oder Kauffmann, mit Rauhut und Lela besteht mehr als die halbe aktuelle Stammelf aus von Gaudino verpflichteten Spielern.

Uluc setzt auf kleinen Kader mit 23 Spielern

In der neuen Saison will Trainer Uluc. der laut Vereinsboss Kleofas die komplette sportliche Verantwortung trägt, einen Kader mit nur noch 20 Feldspielern und drei Torhütern bilden. "Uluc ist der starke Mann und wird sich um die Zusammenstellung der neuen Mannschaft kümmern. Er sucht aus und ich entscheide dann", beschreibt Kleofas das Zurück zur traditionellen Aufteilung der Verantwortung bei Wacker.

Bei elf Spielern läuft der Vertrag nach dem Pokalfinale aus. Das betrifft Peßolat, Pfingsten-Reddig, Harrer, Bergmann, Bildirici, Lela, Djengoué, Mogge, Ernst sowie die Torleute Berbig und Bertram. In diesen Tagen wird Uluc mit seinen Profis reden und erklären, mit wem er weiter plant. Klar, dass nicht alle ein neues Angebot erhalten werden, denn der Trainer sucht auch nach Verstärkungen für seinen neuen 23er-Kader.

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