Wacker Nordhausen vor Insolvenz: „Kleofas hat alleinige Entscheidungsgewalt“

Nordhausen.  Der Fußball ist bei Regionalligist Wacker Nordhausen längst in den Hintergrund gerückt. Vorstand legt Geschäftsführer nahe, Insolvenz zu beantragen.

Matthias Peßolat (links) und Tino Berbig (rechts) beobachten das erste Training unter ihrer Leitung.

Matthias Peßolat (links) und Tino Berbig (rechts) beobachten das erste Training unter ihrer Leitung.

Foto: Marco Kneise / TA

Eine kleine Runde schob sich auf dem Trainingsplatz schnell den Ball zu. Ein anderer Spieler in der Mitte versuchte, ihnen die Kugel anzujagen. Plötzlich herrschte für einen Moment gelöste Stimmung unter der Kickern von Wacker Nordhausen. Es wurde gelacht – trotz alledem. „Ich habe großen Respekt davor, wie alle mitziehen in dieser sehr, sehr schwierigen Situation“, sagte Tino Berbig, der Sportliche Leiter. Am Abend zuvor war er mit Co-Trainer Matthias Peßolat mit der Betreuung der Mannschaft beauftragt worden, nachdem Heiko Scholz über Nacht zum Zweitliga-Schlusslicht SG Dynamo Dresden gewechselt war.

Das erste Training mit dem Interims-Duo begann verspätet. Um 10.30 Uhr verließ Hans-Joachim Junker die Kabine im Albert-Kuntz-Sportpark. Dort erklärte der Vizepräsident den Viertliga-Spielern die aktuelle Situation in einem persönlichen Gespräch. Man habe Nico Kleofas, dem Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH, nahegelegt, Insolvenz zu beantragen. „Wir sind angesichts der Zahlen zu diesem Ergebnis gekommen. Herr Kleofas hat jetzt die alleinige Entscheidungsgewalt“, sagte Junker dem MDR.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen zwei Spieler, die namentlich nicht genannt werden wollen, am Mittwoch Insolvenzausfallgeld beantragt haben. Der Zuschuss der Arbeitsagentur wird im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers gezahlt. Bislang hatte Wacker erklärt, man wolle diesen Schritt abwenden, die finanziellen Probleme lösen und den Spielbetrieb fortführen. Am Freitag war bekannt geworden, dass die Mannschaft seit zwei Monaten auf ihre Gehälter wartet und die Spielbetriebs GmbH bilanziell hoch verschuldet ist. Von einem „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ von 8,9 Millionen Euro war die Rede.

Berbig fällt erste personelle Entscheidungen

Tino Berbig versucht derweil, all das auszublenden. „Ich bin niemand, der einfach wegrennt, nur weil es nicht gerade einfach ist“, sagt der 39-Jährige. Nachdem die Spieler zwei Tage trainingsfrei hatten, fällte Berbig am Mittwoch gleich die ersten personellen Entscheidungen. Fünf Spieler, die Ex-Trainer Scholz im Herbst in die zweite Mannschaft verbannte, gehören von sofort an wieder zum Kader der Ersten und standen am Mittwoch beim Regionalligisten im Training. Torwart Jan Glinker, Jan Löhmannsröben und Sebastian Heidinger sowie die Reservisten Vladimir Kovac und Mounir Chaftar hatte Scholz im Oktober nach dem 2:5-Debakel in Auerbach in den Oberliga-Kader versetzt.

Der Fußball ist in Nordhausen längst in den Hintergrund gerückt. Beim Tabellenfünften ist vom Staffelsieg oder gar Drittliga-Aufstieg keine Rede mehr. „Wenn zwei Monate kein Gehalt gezahlt wurde, machen sich die Spieler und ihre Familien kurz vor Weihnachten natürlich so ihre Gedanken“, sagte Berbig. Inzwischen geht es in Nordhausen nur noch darum, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Wortmeldung der Knauf Unternehmensgruppe

Im Zuge der Berichterstattung über die finanzielle Krise bei Wacker Nordhausen hat die Knauf Unternehmensgruppe dementiert, ein großer Sponsor gewesen zu sein. Nach Informationen unserer Zeitung deutet vieles darauf hin, dass Carlo Knauf als Privatperson den Viertligisten unterstützt.

Die Firma erklärte: „Unternehmen der Knauf Unternehmensgruppe haben den FSV Wacker Nordhausen zu keiner Zeit in nennenswertem Umfang finanziell unterstützt. Richtig ist, dass die Knauf Deutsche Gipswerke mit Sitz in Rottleberode dem FSV in den vergangenen Jahren kleinere Materialspenden zugewendet hat. Lediglich im Jahre 2015 hat die Knauf Deutsche Gipswerke dem FSV eine Geldspende in Höhe von 10.000 Euro gewährt. In jedem Fall kann keine Rede davon sein, dass der FSV zu irgendeiner Zeit von Geldzahlungen eines Unternehmens der Knauf Gruppe abhängig war oder ein Unternehmen der Knauf Unternehmensgruppe Zahlungen an den FSV zugesagt hat, die nicht geleistet worden sind.“

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