Wasserflaschen-Wurf dient als Weckruf für Rot-Weiß Erfurt gegen BFC

Erfurt  Der FC Rot-Weiß erkämpft sich nach verschlafener Startphase ein 2:1 gegen den BFC Dynamo. Trainer Brdaric nutzte eine Wasserflasche, um seine Mannschaft in der Halbzeitpause zu wecken.

Ausgleich: Sinisa Veselinovic lenkt nach einer Ecke den Ball zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Berliner Netz.

Ausgleich: Sinisa Veselinovic lenkt nach einer Ecke den Ball zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Berliner Netz.

Foto: Frank Steinhorst

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„Jaaaa!“ Mit einem lauten Schrei in den Katakomben des Steigerwaldstadions ließ der neue Torhüter des FC Rot-Weiß Erfurt all seine Anspannung heraus. „Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben und sehr zufrieden, wie für mich die ersten Tage hier verlaufen sind“, sagte Jannick Theißen nach dem 2:1 (0:1) gegen den BFC Dynamo.

Vor zehn Tagen war der 21 Jahre alte Blondschopf von der U 23-Mannschaft von Fortuna Düsseldorf nach Thüringen gekommen und hatte sein Debüt im Landespokal gegen Teistungen (7:0) gefeiert. Der nicht zu überhörende Gefühlsausbruch nach seiner Punktspiel-Premiere im RWE-Trikot hatte vor allem auch mit der unterirdisch schlechten Startphase seiner Mannschaft zu tun.

Dass die seit vier Spielen sieglosen Berliner in der Auftaktphase nur einen Treffer erzielten, war auch Erfurts Torhüter Jannick Theißen zu verdanken. „Er hat gezeigt, warum wir ihn geholt haben“, sagte Trainer Thomas Brdaric. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass der BFC nach sechs Minuten schon mit 1:0 vorn lag.

Der Erfurter Trainer war so bedient, dass er völlig frustriert in der Halbzeitpause als Weckruf eine Wasserflasche durch die Kabine schleuderte. Selbst nach dem gewonnenen Spiel und dem zweiten Saisonsieg war der Ärger längst nicht verraucht. „Man muss sich fragen, wo einige Spieler in den ersten 15, 20 Minuten gedanklich waren. Vielleich hätte man ihnen als Wachmacher eine Schelle verteilen sollen“, sagte Brdaric: „Fußball fängt zwischen den Ohren an.“

Tiefschlafphase der Abwehr

Für ihn bildete aber ausgerechnet eine weitere Tiefschlafphase der Abwehr in der 24. Minute die Wende in diesem für Erfurt so wichtigen Spiel. In jener Situation nämlich verhinderte Torhüter Theißen im letzten Moment das 0:2 für Berlin. „Dann wäre es das wohl gewesen in diesem Spiel“, vermutete der Erfurter Trainer.

Mit seinen Einwechslungen stellte er später klar, was Sache ist. Zur Halbzeit rückte erst Selim Aydemir ins Aufgebot, später wurde Velimir Jovanovic auf das Feld geschickt. Fortan agierte der FC Rot-Weiß gegen die plötzlich ziemlich passiv wirkenden Gäste tatsächlich wesentlich schwungvoller und wurde schließlich mit dem Ausgleich bestätigt. „Dieser Treffer ist genau zum richtigen Zeitpunkt gefallen. Da hatten wir noch genügend Zeit, um nachzulegen“, sagte Sinsa Veselinovic, der in der 54. Minute nach der siebten Ecke den Ball zum 1:1 über die Linie grätschte.

Nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung schlug schließlich Velimir Jovanovic zu. Der 32-Jährige war ein ständiger Unruheherd und wurde dafür auch mit dem vierten Saisontreffer belohnt. Zuvor hatte sich Danilo Dittrich durchgesetzt und die Vorarbeit geleistet.

Längst spielte nur noch eine Mannschaft und Torhüter Jannick Theißen konnte den sonnigen Nachmittag fast schon genießen. „Die Stimmung war richtig gut. Immerhin waren ja über 4000 Zuschauer da“, sagte der Schlussmann, der zuletzt mit Fortunas Zweiter meist vor überschaubarer Kulisse kickte. „Genau solche Spiele sind es, die mich weiterbringen sollen.“

Für den Erfurter Trainer stand derweil vor allem die Tatsache im Vordergrund, dass mit dem zweiten Saisonsieg der Anschluss an das Regionalliga-Mittelfeld nun hergestellt ist. „Wir haben jetzt neun Punkte. Darauf können wir aufbauen“, sagte er, wobei er die schwache Startphase freilich längst nicht vergessen hatte. „Vielleicht sollte ich in Zukunft schon vor dem Spiel eine Wasserflasche durch die Kabine werfen.“

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