Von Null auf 100 in wenigen Monaten: Sascha Schwerdt (SPD) ist ein Gesicht, das einem häufiger im Kyffhäuserkreis begegnet. Ohne zuvor jemals Kommunalpolitiker gewesen zu sein, möchte der 35-Jährige am 1. September in den Thüringer Landtag gewählt werden. Als Direktkandidat geht er für die Sozialdemokraten ins Rennen um einen Platz im Landesparlament.

Bürokratieabbau notwendig

Vieles müsse einfacher, schneller, unbürokratischer im Land ablaufen. Viele Prozesse dauern ihm viel zu lange. „Wir müssen es zum Beispiel einfacher hinkriegen, Radwege zu bauen“, meint er. Dass sich vieles über Monate und mehrere Jahre hinzieht, „kann man den Bürgern nicht klar machen“, sagt Schwerdt, mit Verständnis für aufkommenden Frust bei den Menschen.

Welchen Belastungen kleine Verwaltungen ausgesetzt sind, erfährt der gebürtige Roßlebener fast täglich. Seit Dezember 2022 arbeitet er als Ordnungsamtsleiter bei der Verwaltung der Stadt Roßleben-Wiehe. Seine größte Kritik am bisherigen Polit-Prozedere: „Wir brauchen zu viel Geld fürs Machen, ohne dass wir etwas umgesetzt haben“, findet er. Bürokratieabbau ist in seinen Augen dringend nötig.

Mehr Polizeipräsenz vor Ort

Beim Land sollte eine zentrale Beschaffungsstelle für Feuerwehrtechnik eingerichtet werden, die sich ausschließlich damit beschäftigt. Bisher übernehmen das die kleinen Rathäuser. 

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„Ein Mitarbeiter einer kleinen Verwaltung beschafft in seinem Arbeitsleben vielleicht einmal eine Drehleiter und muss sich dann in alles komplett neu hineinarbeiten“, spricht er sich für eine zentrale Beschaffungsstelle aus. Die Digitalisierung in Rathäusern liegt ihm ebenfalls am Herzen, aber auch die Polizeipräsenz vor Ort.

Statt drei Streifenwagen pro Region nur noch einer

Der Kyffhäuserkreis ist keine Kriminalitätshochburg, und trotzdem müsse die Polizei – landesweit – Verstärkung bekommen. „Wir hatten früher im Raum Artern drei Funkstreifenwagen; jetzt haben wir nur noch einen. Hätten wir mehr Personal, könnten die Einsätze schneller abgearbeitet und die Polizei insgesamt entlastet werden“, sagte Schwerdt. Nicht nur Polizei und Verwaltungen sollen entlastet werden, auch Familien und Rentner. „Thüringer bekommen die kleinste Rente. Wir müssen auf das Niveau wie anderswo kommen“, erzählt er.

Vor 15 Jahren trat Schwerdt in die SPD ein – damals noch während seiner Studentenzeit in Jena. „Bei der SPD hab ich mich politisch zu Hause gefühlt. Die Vorstellungen und Ziele waren auch meine“, so Schwerdt. Und sie seien es immer noch.

Abitur nachgeholt; danach Studium in Jena

In seinem noch jungen Leben ist der Vater eines zwei- und vierjährigen Kindes bereits weit in der ganzen Bundesrepublik herumgekommen. Nach seinem Abschluss an der Roßlebener Regelschule holte er sein Abitur am Sondershäuser Berufsgymnasium nach und begann später, Germanistik, danach Soziologie zu studieren.

Viele Jahre beim BND gearbeitet

Im Jahr 2015 beendet er seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Land Berlin. Er bekommt Einblicke in die Senatsverwaltung, bei der Feuerwehr Berlin und in die Senatskanzlei. Ab 2015 fängt Schwerdt nach eigenen Angaben als Verwaltungsmitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst (BND) an. Sein neues Arbeitsumfeld, dem er bis 2022 die Treue gehalten hat, führt ihn nach Süddeutschland, unter anderem nach München. Beim BND qualifiziert er sich weiter zum Verwaltungsfachwirt. 2022 ist aber auch das Jahr, in dem er sich entscheidet, zusammen mit seiner Frau in seine alte Heimat nach Roßleben-Wiehe zurückzugehen. In Wiehe wohnt die vierköpfige Familie nun.

Auf die Frage, warum Schwerdt bisher nie ein kommunales Politikeramt in Betracht gezogen hat, verweist er auf seine Arbeit bei der Roßlebener Verwaltung. „Das hätte sich gebissen“, ist er überzeugt.

Direktkandidaten für den Kyffhäuserkreis im Kurzportrait

Donata Vogtschmidt (Linke)
Christoph Saal (Linke)
Robert Teske (AfD)
Jens Cotta (AfD)
Stefan Schard (CDU)
Johannes Selle (CDU)
Alexandra Wallrodt (SPD)
Sascha Schwerdt (SPD)
Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)
Janine Ritschel (B90/Grüne)
Leon Rob Diekneite (FDP)
Fred Degenhardt (FDP)
Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Die Wahlkreise im Kyffhäuserkreis und ihre Kandidaten

Wahlkreis 10 (westlicher Kyffhäuserkreis)

Donata Vogtschmidt (Linke)

Robert Teske (AfD)

Stefan Schard (CDU)

Alexandra Wallrodt (SPD)

Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)

Leon-Rob Diekneite (FDP)

Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Wahlkreis 11 (östlicher Kyffhäuserkreis)

Christoph Saal (Linke)

Jens Cotta (AfD)

Johannes Selle (CDU)

Sascha Schwerdt (SPD)

Janine Ritschel (B90/Grüne)

Fred Degenhardt (FDP)