Die Wasserburg in Heldrungen verbindet Janine Ritschel mit einem Ort der Entspannung. Ein Kleinod, wie es sie nach ihrer Ansicht im Kyffhäuserkreis zuhauf gibt. Der Kyffhäuserkreis ist lebenswert, könnte aber noch lebenswerter sein, findet die 38-Jährige, die am 1. September zur Thüringer Landtagswahl für Bündnis 90/Die Grünen antritt. Es gibt aber auch einiges zu tun – in der Umwelt- und Klimapolitik, aber auch im sozialen Bereich und bei der medizinischen Versorgung.

Tochter motiviert für politisches Engagement

Die Punkte, die der gebürtigen Arternerin ad hoc einfallen und die aus ihrer Überzeugung dringend angegangen werden müssen, sind vielfältig. Ihre kleine Tochter bestaunt während des Gesprächs mit unserer Zeitung wenige Meter weiter den Graben der prächtigen Wasserburg. „Ich möchte die Welt für die nächste Generation besser machen“, erzählt die heute 38-Jährige und blickt auf ihre zweijährige Tochter. Die Kinder sollen in einer Welt aufwachsen, die nicht von Wetterextremen und Umweltkatastrophen geprägt ist.

Der Liebe wegen kommt sie zurück in den Kyffhäuserkreis

Bis zu ihrem 16. Lebensjahr lebte die Rechtsanwaltsfachangestellte in Artern. Nach einem Umzug nach Bad Frankenhausen zog es die junge Mutter raus in die Welt. Unter anderem nach Frankfurt am Main in Hessen. Ende 2019 verlagert Ritschel ihren Lebensmittelpunkt zurück in den Kyffhäuserkreis. „Der Liebe wegen“, entgegnet sie. In Heldrungen hat sie sich mit ihrer Familie inzwischen ein Leben aufgebaut. Seit Mai 2023 engagiert sich Janine Ritschel bei den Grünen im Kreisverband des Kyffhäuserkreises. „Ich wollte meinen Beitrag leisten, mich demokratisch engagieren“, begründet die Heldrungerin ihre Motivation.

Grüne Politik „schwer zu vermitteln“

Mut zur Veränderung – den bringt die Rechtsanwaltsfachangestellte mit. Mit einer Portion Optimismus sieht sie ihrer allerersten Direktkandidatur für den östlichen Kyffhäuserkreis entgegen. Den Menschen grüne Politik zu vermitteln, ist schwierig und werde zunehmend schwieriger, räumt sie ein. In der Verantwortung dafür sieht sie die Ampel-Regierung. Zu viel wurde nach ihrer Sicht öffentlich gestritten. „Gewisse Themen sollte man zunächst unter vier oder sechs Augen klären, wie in einer guten Beziehung“, findet Ritschel.

Waldaufforstung stärker fördern

Sich als Aktivistin auf die Straße zu kleben, wie es in der Gegenwart Klimakleber tun? Nein, das würde Ritschel nicht machen, schüttelt die Heldrungerin entschieden den Kopf. Es müsse mehr miteinander gesprochen werden, wirbt sie. Vor allem, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. „Die Klimakrise ist kein Gerücht, sondern sie ist da“, betont sie. Ihre Familie und sie selbst seien erst Ende Juli von einem Unwetter schwer getroffen worden. Durch ein Starkregenereignis lief Wasser ins Haus. An derartig heftige Unwetter könne sie sich mit Blick zurück in ihre Jugend nicht erinnern.

Wenn der Schattenspender immer mehr abstirbt

Anderer Ort, anderes Beispiel: Der Wald. „Früher war das ein richtiger Schattenspender; heute beobachte ich, wie viele Bäume absterben“, resümiert sie. Der Hitze standhaltende Bäume müssten noch mehr gepflanzt und kahle Flächen mithilfe von einer höheren Förderung wieder aufgeforstet werden. Überdies müssten die Radwege ausgebaut werden und die Verbindungen an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verbessert werden. Nahversorgung im ländlichen Raum ist ein schwieriges Thema. Funktioniere das nicht oder breche Versorgung ersatzlos weg, brauche man sich nicht zu wundern, wenn sich die Menschen im ländlichen Raum abgeschnitten fühlen und die Unzufriedenheit steigt.

Angehende Erzieher in der Ausbildung fördern

Viel mehr Hausärzte müssten außerdem in den Kyffhäuserkreis. Dazu müssen nach Ritschels Aussagen Anreize geschaffen werden. Anreize finanzieller Art. Erzieher sollten insbesondere in der Ausbildung gefördert werden, wenn sie sich für den Beruf entscheiden. „Wenn jemand weiß, dass er die Ausbildung auch noch aus eigener Tasche bezahlen muss, ist das kein Anreiz“, findet Janine Ritschel, die bislang zwar kein kommunalpolitisches Ehrenamt besetzt hat, aber durchaus weiß, wie es sich auf kommunaler Ebene arbeiten lässt. „Nach meinem Abitur hab ich ein freiwilliges kommunalpolitisches Jahr gemacht und war damals in der Stadtbibliothek Sondershausen eingesetzt“, erzählt Ritschel. Ob sie am Sonntag den Sprung in die große Politik schafft, wird sich zeigen.

Direktkandidaten für den Kyffhäuserkreis im Kurzportrait

Donata Vogtschmidt (Linke)
Christoph Saal (Linke)
Robert Teske (AfD)
Jens Cotta (AfD)
Stefan Schard (CDU)
Johannes Selle (CDU)
Alexandra Wallrodt (SPD)
Sascha Schwerdt (SPD)
Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)
Janine Ritschel (B90/Grüne)
Leon Rob Diekneite (FDP)
Fred Degenhardt (FDP)
Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Die Wahlkreise im Kyffhäuserkreis und ihre Kandidaten

Wahlkreis 10 (westlicher Kyffhäuserkreis)

Donata Vogtschmidt (Linke)

Robert Teske (AfD)

Stefan Schard (CDU)

Alexandra Wallrodt (SPD)

Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)

Leon-Rob Diekneite (FDP)

Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Wahlkreis 11 (östlicher Kyffhäuserkreis)

Christoph Saal (Linke)

Jens Cotta (AfD)

Johannes Selle (CDU)

Sascha Schwerdt (SPD)

Janine Ritschel (B90/Grüne)

Fred Degenhardt (FDP)

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