Sein Gesicht ziert noch keines der vielen Wahlplakate, mit denen Straßen und Gassen im Kyffhäuserkreis seit Wochen gepflastert sind. Bewusst hat sich Ralf Köhler dagegen entschieden, es den Mitbewerbern gleichzutun. „Das nervt die Leute doch bloß, wenn an jeder Straßenlaterne ein anderer Kopf hängt“, sagt der selbstständige Forstwirt.

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Er will es bei ein paar Flyern und später vielleicht auch noch vereinzelten Plakaten belassen. Lieber geht er von Haustür zu Haustür und stellt sich vor. Übung darin hat er, seitdem er Unterschriften sammeln musste, um überhaupt als parteiloser Einzelkandidat für die Landtagswahl zugelassen zu werden.

„In nur vier Tagen habe ich 260 gültige Stimmen eingeholt, erforderlich waren 250“, sagt Köhler nicht ohne Stolz. Einen Großteil davon habe er in seinem Heimatort Holzthaleben und im Nachbardorf Keula bekommen. Doch selbst in Rathäusern hätten Mitarbeiter für ihn unterschrieben.

Vor fünf Jahren war Köhler noch für die AfD als Landtagskandidat angetreten. Im Kyffhäuserkreis war er stellvertretender Vorsitzender, Mitglied im Kreistag und im Sozialausschuss. Vor den Kommunalwahlen im Mai gab es dann den Bruch.

Köhler trat aus und gründete vor wenigen Wochen eine neue Partei: die Mittelstandspartei (MsP). Seit 2016 war er Mitglied bei der AfD. „Damals war es noch eine Alternative. Heute nicht mehr“, sagt Köhler.

Viel mehr lässt er sich jedoch nicht entlocken über die Gründe seines abrupten Austrittes. Öffentlich wolle er die Missstände in der Partei nicht machen. Die Angst vor Anfeindungen ist groß.

Die Wahlkreise im Kyffhäuserkreis und ihre Kandidaten

Wahlkreis 10 (westlicher Kyffhäuserkreis)

Donata Vogtschmidt (Linke)

Robert Teske (AfD)

Stefan Schard (CDU)

Alexandra Wallrodt (SPD)

Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)

Leon-Rob Diekneite (FDP)

Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Wahlkreis 11 (östlicher Kyffhäuserkreis)

Christoph Saal (Linke)

Jens Cotta (AfD)

Johannes Selle (CDU)

Sascha Schwerdt (SPD)

Janine Ritschel (B90/Grüne)

Fred Degenhardt (FDP)

Mit der Politik jedenfalls ist er noch nicht fertig. Er will mitreden, mit entscheiden. „Der Wahlkreis ist von der Landrätin sehr vernachlässigt worden“, sagt Köhler und meint damit in erster Linie die Dörfer. „In Helbedündorf zum Beispiel, was hat der Kreis da in den letzten Jahren gemacht“, fragt er.

Tante-Emma-Läden und Gemeindeschwestern auf dem Land

Köhler will etwas dagegen tun, dass die kleinen Orte nicht zu „Gespenster-Dörfern“ werden. „Heute wohnen die Enkel doch in München, Hamburg und Hannover“, meint er. Sie stünden als Familienhilfe nicht zur Verfügung. Daher müssten wieder Tante-Emma-Läden her oder rollende Supermärkte, damit sich die älteren Leute eigenständig versorgen könnten. Wie er das mit seiner Politik allerdings beeinflussen kann, bleibt im Gespräch offen.

Auch eine Krankenschwester in der Gemeinde sei Gold wert. „Ob die nun aus der Ukraine oder sonst woher kommt, ist doch egal. Hauptsache sie spricht Deutsch und gehört ihrem Beruf mit Leib und Seele an“, sagt Köhler.

Direktkandidaten für den Kyffhäuserkreis im Kurzportrait

Donata Vogtschmidt (Linke)
Christoph Saal (Linke)
Robert Teske (AfD)
Jens Cotta (AfD)
Stefan Schard (CDU)
Johannes Selle (CDU)
Alexandra Wallrodt (SPD)
Sascha Schwerdt (SPD)
Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)
Janine Ritschel (B90/Grüne)
Leon Rob Diekneite (FDP)
Fred Degenhardt (FDP)
Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Wie eine ausländische Fachkraft allerdings Deutsch lernen soll, darauf hat auch Köhler keine Antwort. „Es gibt viel zu wenig Lehrer für die Sprachkurse.“

Auch um den Zustand der Straßen habe sich keiner gekümmert. Er will das ändern und den Verantwortlichen im Land auf die Füße treten. Die Landesstraßen zwischen Holzthaleben und Menteroda (Unstrut-Hainich-Kreis) oder zwischen Straußberg und Immenrode seien eine Zumutung.

Weiterhin sind seine Forderungen und Ziele weit gestreut: Auszahlung von Sterbegeld, Durchführung von Bürgerbefragungen, Anwesenheitspflicht für Abgeordnete bei Sitzungen, Senkung der Energiekosten, keine weiteren Windräder, lieber Solarenergie, Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland, Einführung einer Greencard für Deutschland, keine Aufnahme von Flüchtlingen aus sicheren Ländern und 2000 Euro Kostenerstattung für Zahnersatz.

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