Für grüne Politik im Kyffhäuserkreis stehen vor allem zwei Gesichter seit Jahrzehnten. Jürgen Rauschenbach und Babett Pfefferlein. Die Sondershäuserin tritt in diesem Jahr nicht noch einmal zur Landtagswahl an. Jürgen Rauschenbach aber will es noch einmal wissen.

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Zur Landtagswahl am 1. September ist er Direktkandidat für Bündnis 90/Die Grünen im westlichen Kyffhäuserkreis (Wahlkreis 10/Kyffhäuserkreis I). Zur Landtagswahl 2004 hatte er sich schon einmal um ein Landtagsmandat beworben, ist seit vielen Jahren als Kommunalpolitiker aktiv, saß abwechselnd mit Babett Pfefferlein im Sondershäuser Stadtrat oder im Kreistag. Auch wenn es zuletzt nicht einmal für einen Sitz in den Kommunalgremien gereicht hat und die Umfragewerte für die Grünen zur Landtagswahl nicht erfolgversprechend sind. Jürgen Rauschenbach tritt an, weil es ihm wichtig ist. „Von Kindesbeinen an gehört Politik zu meinem Leben“, erzählt Rauschenbach. Die Eltern interessierten sich für Politik, aber vor allem die, die im „Westen“ gemacht wird. DDR-Fernsehen lief im Haushalt, in dem Jürgen Rauschenbach in Burg in Sachsen-Anhalt aufwuchs, nicht. Für seine Frau zieht er in den 1980er-Jahren nach Sondershausen, arbeitet als Bergbauingenieur im Kaliwerk.

Demokratie war plötzlich kein Planspiel mehr

Die politische Wende bedeutet für den Bergbauingenieur einen großen Einschnitt, er verliert wie so viele andere seine Arbeit und fängt in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) neu an. Dass daraus mal ein neuer Berufsweg wird, war damals nicht klar, sagt Rauschenbach, der inzwischen als Geschäftsführer der Fördergesellschaft Arbeit und Umwelt (FAU) Sondershausen tätig ist.

Dass er damals beim demokratischen Prozess live dabei war, fasziniert ihn bis heute. „Das war kein Planspiel. Wir haben Politik gemacht und die Demokratie hautnah erlebt“, erzählt der 65-Jährige. Und das müsse erhalten bleiben. Die Menschen sollen eine Wahl haben. Und natürlich gehöre zum demokratischen Prozess auch, dass man zur Wahl antreten kann.

Direktkandidaten für den Kyffhäuserkreis im Kurzportrait

Donata Vogtschmidt (Linke)
Christoph Saal (Linke)
Robert Teske (AfD)
Jens Cotta (AfD)
Stefan Schard (CDU)
Johannes Selle (CDU)
Alexandra Wallrodt (SPD)
Sascha Schwerdt (SPD)
Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)
Janine Ritschel (B90/Grüne)
Leon Rob Diekneite (FDP)
Fred Degenhardt (FDP)
Ralf Köhler (Einzelkandidat)

In der Wendezeit war Jürgen Rauschenbach zunächst im Neuen Forum aktiv. Das Grundkonzept von Bündnis 90/Die Grünen, der Umweltgedanke, sind ihm bis heute ein Anliegen. Umwelt- und Klimaprobleme seien ursächlich für zahlreiche Konflikte in der Welt und sie werden zunehmen, befürchtet Rauschenbach.

Rechtfertigung für die Parteipolitik

Dass die Politik gerade seiner Partei schwer zu vermitteln ist in einer ländliche geprägten Region wie dem Kyffhäuserkreis, das kennt Jürgen Rauschenbach. Aktuell sei es aber noch schwieriger. Er werde nicht beschimpft oder bedroht, aber Kopfschütteln ernte er als „Grüner“ immer und die Frage „Was habt ihr denn da wieder gemacht?“ Auch er ist nicht mit allem einverstanden und oftmals fehle auch ihm bei den Grünen die Perspektive auf das, was abseits der großen Städte, die Menschen bewege und was sie brauchen in ihrem Alltag.

Die Wahlkreise im Kyffhäuserkreis und ihre Kandidaten

Wahlkreis 10 (westlicher Kyffhäuserkreis)

Donata Vogtschmidt (Linke)

Robert Teske (AfD)

Stefan Schard (CDU)

Alexandra Wallrodt (SPD)

Jürgen Rauschenbach (B90/Grüne)

Leon-Rob Diekneite (FDP)

Ralf Köhler (Einzelkandidat)

Wahlkreis 11 (östlicher Kyffhäuserkreis)

Christoph Saal (Linke)

Jens Cotta (AfD)

Johannes Selle (CDU)

Sascha Schwerdt (SPD)

Janine Ritschel (B90/Grüne)

Fred Degenhardt (FDP)

Die Debatte ums Heizungsgesetz: schlecht kommuniziert. Ohne Auto komme man im Kyffhäuserkreis nicht weit. Aber wieso nicht ehrenamtliche Angebote wie Bürgerbusse besser fördern?

Und sollte er ein Landtagsmandat erringen, was stünde dann auf seiner Agenda? Ganz vorn, und da unterscheidet er sich kaum von seinen Mitbewerbern, steht der Bürokratieabbau. Verwaltung sei auf so vielen Ebenen viel zu kompliziert. Das Landesverwaltungsamt hält er für „aufgeblasen“. Egal ob als Bürger, Unternehmen oder als Kommunalverwaltung, viel zu lange dauern die Prozesse, Genehmigungen oder Anträge, sagt Rauschenbach. Fachkräfte sind ein weiteres Thema für den Geschäftsführer der FAU, deren Tätigkeitsfeld die Qualifizierung und Integration benachteiligter Menschen ist.

„Selbst machen, wie es andere postulieren, wird nicht funktionieren“, sagt Rauschenbach. So viel Zeit hat das Land nicht. Es gebe natürlich noch Potenzial bei Langzeitarbeitslosen, aber auch das sei endlich und es werde Geduld und Geld kosten, Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen, viele Jahre nicht am Arbeitsmarkt teilgenommen haben, wieder zu integrieren. Integration ist das andere Feld. Hier bedarf es weiterer Anstrengungen. Vor allem bei der Sprache. Hier müsse man mehr erreichen und unkomplizierter helfen.

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