Berlin. 16 Jahre lang war sie Bundeskanzlerin: Angela Merkel. Was macht die CDU-Politikerin heute? Mann, Buch und Politik – ein Überblick.

  • Von 2005 bis 2021 lenkte Angela Merkel als Bundeskanzlerin die Geschicke Deutschlands
  • Schon zuvor hatte die CDU-Politikerin als Ministerin Karriere gemacht
  • Mann, Buch, Politik – alle Infos zur Ex-Kanzlerin

Es war 2005 eine kleine Revolution, als Angela Merkel mit der Union die Bundestagswahl gewann und ihren Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) aus dem Kanzleramt drängte. Erstmals wurde eine Frau Bundeskanzlerin. Erstmals eine Person, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist. In den darauffolgenden 16 Jahren führte Merkel die Bundesregierung – in Koalitionen mit der SPD und der FDP. Sie galt lange als mächtigste Frau der Welt und inoffizielle Anführerin Europas.

Inzwischen hat sich "Kohls Mädchen", wie Merkel wegen ihres politischen Ziehvaters Helmut Kohl lange genannt wurde, aus der Politik zurückgezogen. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie nicht mehr als Spitzenkandidatin an. Was macht die Bundeskanzlerin a. D. heute? Wo lebt sie? Und was hat es mit dem Buch "Miss Merkel" auf sich? Alle Infos im Überblick.

Angela Merkel: Die wichtigsten Infos zur Ex-Bundeskanzlerin im Steckbrief

NameAngela Merkel
Geburtsdatum17. Juli 1954
AmtBundeskanzlerin a. D.
ParteiCDU
Parteimitglied seit1990
Familienstandverheiratet
WohnortBerlin, Milmersdorf

Angela Merkel: Das Wichtigste zu ihrem Privatleben

Angela Merkel ist die Tochter des evangelischen Pfarrer Horst Kasner und seiner Frau Herlind. Sie wurde am 17. Juli 1954 als Angela Dorothea Kasner in Hamburg geboren. Wenig später zog die Familie wegen der Tätigkeit des Vaters in das Dorf Quitzow bei Perleberg und 1957 weiter nach Templin. 1970 wurde Angela Kasner konfirmiert – eher ungewöhnlich in der DDR, wo die Jugendweihe üblich war.

Merkel hat zwei Geschwister, über die allerdings sehr wenig bekannt ist. Ihr Bruder Marcus Kasner wurde am 7. Juli 1957 in Templin geboren und studierte wie Angela Merkel selbst Physik. Er lebt heute als Physiker in Darmstadt. Am 19. August 1964 kam Angela Merkels knapp zehn Jahre jüngere Schwester Irene Kasner ebenfalls in Templin zur Welt. Die kleine Schwester der Ex-Kanzlerin arbeitet heute als Ergo-Therapeutin und gilt als Vertraute ihrer älteren Schwester.

  • Ausbildung und Beruf: Nach ihrem Einser-Abitur studierte Angela Merkel ab 1973 Physik an der Universität Leipzig. Nach dem Diplom zog die Pfarrerstochter nach Berlin und arbeitete dort am Zentralinstitut für physikalische Chemie in Adlershof. Ihre Doktorarbeit wurde mit Auszeichnung bewertet.
  • Familie: Angela Merkel lernte während ihres Studiums ihren ersten Ehemann kennen. 1977 heiratete sie ihren Kommilitonen Ulrich Merkel. Die Ehe wurde 1982 geschieden. 1998 folgte Merkels zweite Hochzeit. Der Mann an ihrer Seite war nun der renommierten Quantenchemiker Joachim Sauer. Beide hatten sich vier Jahre zuvor an der Akademie der Wissenschaften in Berlin kennengelernt. Der Wissenschaftler war lange Zeit als Chemie-Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Angela Merkel hat selbst keine Kinder, Joachim Sauer allerdings zwei Söhne aus erster Ehe.

Angela Merkel in der CDU: Die wichtigsten Stationen ihrer Karriere

Während ihres Studiums war Merkel nicht politisch aktiv. Die Wendezeit in der damaligen DDR änderte das: 1989 wurde die Physikerin Mitglied der Gruppierung "Demokratischer Aufbruch", die sich ein Jahr später mit der CDU zusammenschloss.

Angela Merkel wurde 1990 stellvertretende Regierungssprecherin im Bundespresseamt und bewarb sich wenig später um ein Bundestagsmandat. Sie gewann den Bundestagswahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen und stieg mit der Unterstützung Helmut Kohls überraschend zur Bundesministerin für Frauen und Jugend auf. Darauf folgte das Amt der Bundesumweltministerin (1994 bis 1998) und danach der CDU-Generalsekretärin (1998 bis 2000).

2000, nach dem Rücktritt Wolfgang Schäubles als Parteivorsitzender, befand sich Merkel als Generalsekretärin der Partei in einer mächtigen Anwärterposition und wurde zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Sie hatte die Position bis 2018 inne. 2005 wurde die damals 51-jährige Politikerin schließlich ins höchste Regierungsamt gewählt – und damit erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Sie regierte mit unterschiedlichen Koalitionen bis 2021.

Angela Merkel: Das ist die ehemalige Bundeskanzlerin

16 Jahre lang war die CDU-Politikerin Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.
16 Jahre lang war die CDU-Politikerin Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. © Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
Bei vier Wahlen konnte sich Angela Merkel gegen die Konkurrenz durchsetzen – unter anderem gegen Martin Schulz von der SPD.
Bei vier Wahlen konnte sich Angela Merkel gegen die Konkurrenz durchsetzen – unter anderem gegen Martin Schulz von der SPD. © Volker Speckenwirth/FUNKE Foto Services
Merkel galt während ihrer Amtszeit als die mächtigste Frau der Welt.
Merkel galt während ihrer Amtszeit als die mächtigste Frau der Welt. © Ralf Rottmann/FUNKE Foto Services
In Merkels vierte Amtszeit fiel die Corona-Pandemie.
In Merkels vierte Amtszeit fiel die Corona-Pandemie. © Zoltan Leskovar/FUNKE Foto Services
2021 wurde Merkel offiziell als Bundeskanzlerin verabschiedet.
2021 wurde Merkel offiziell als Bundeskanzlerin verabschiedet. © Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services
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Angela Merkel: Für welche Themen setzte sich die Politikerin ein?

Es ist schwer, Angela Merkel politisch zu verorten. Sie trat zwar klar als konservative Politikerin auf – rückte die CDU in ihrer Zeit als Parteivorsitzende aber deutlich nach links hin zu einem der SPD ähnlichen Ansatz. Zur Zeit ihrer politischen Anfänge sogar gesagt haben: "Mit der CDU will ich nichts zu tun haben."

  • Während ihrer Amtszeit war Merkel eine Verfechterin der europäischen Integration. Sie galt als Führungsfigur innerhalb der EU und spielte eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Eurokrise. Dabei agierte sie stets pragmatisch und vorsichtig, hatte aber stets klare Ziele, die sie verfolgte. Merkel vertrat die Ansicht, dass Solidarität mit wirtschaftlich schwächeren EU-Mitgliedstaaten auch bedeutet, Verantwortung für die eigene nationale Wirtschaftspolitik zu übernehmen.
  • Unentschlossen trat Merkel mit Blick auf die Energiewende und den Klimaschutz auf. Den Atomausstieg verschob ihre Regierung zunächst, um ihn dann nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder vorzuziehen. Zu Beginn ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin trat sie für Klimaschutz und ambitionierte Klimaziele ein, die schließlich jedoch nicht durchgesetzt wurden.
  • Für ihre Führung in der Flüchtlingskrise 2015 wurde Merkel vielfach gelobt – aber auch kritisiert. Mit ihrem berühmten Ausspruch "Wir schaffen das" setzte sie ein starkes Zeichen für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in Deutschland. Sie verteidigte die Offenheit Deutschlands gegenüber Asylsuchenden und versuchte, andere EU-Mitgliedstaaten zu einer gerechteren Verteilung von Flüchtlingen zu bewegen, was zu erheblichen politischen Spannungen führte.

Kritisiert wurde Merkel oft für ihren pragmatischen und teils unentschlossenen Führungsstil. "Merkeln" entwickelte sich gar zur Bezeichnung für "nichts tun, nicht handeln". Als Kanzlerin wartete die CDU-Politikerin oft lange ab, legte sich auf keine Position fest und vermied so Konflikte. Dadurch fehlten ihrer Politik mitunter klare Ziele – Merkel setzte auf Dialog und Kompromisse. Gleichzeitig bezeichnete sie vorhaben, die sie unbedingt durchsetzen wollte, gerne als "alternativlos". International war sie bekannt für ihre Fähigkeit, bei Uneinigkeiten zu vermitteln.

Angela Merkel: Erfolge und Kontroversen als Bundeskanzlerin

Auch wenn Angela Merkel politisch häufig den Kompromiss suchte: Die Ex-Kanzlerin polarisierte und trug mit ihrer Neuausrichtung der CDU, der sie ein deutlich linkeres Profil gab, auch zum Aufstieg der AfD bei.

Kritisiert wird die Politikerin rückblickend für ihren Umgang mit Russland. Dieser sei zu unentschlossen gewesen, man habe zu sehr die Nähe zu Putin gesucht. Merkel betonte jedoch, dass sie sich für ihre Russland-Politik nicht entschuldigen werde.

Unbeliebt machte sich die Kanzlerin in Griechenland. Dort geben ihr viele Menschen die Schuld am rigiden Sparkurs der Regierung, den Merkel zusammen mit Wolfgang Schäuble vorangetrieben und zur Voraussetzung für weiter EU-Hilfen gemacht hatte. Trotz aller Kritik gelange es dem Land schließlich, die Schuldenkrise zu überwinden.

Im Nachgang der Thüringischen Skandal-Wahl des FDP-Politiker Thomas Kemmerich mithilfe von Stimmen der CDU und AfD wurde Merkel teilweise Machtmissbrauch vorgeworfen. Sie bezeichnete Kemmerichs 28-tägige Amtszeit als "unverzeihlichen Vorgang", der rückgängig gemacht werden musste.

Merkel galt während ihrer Amtszeit als die mächtigste Frau der Welt.
Merkel galt während ihrer Amtszeit als die mächtigste Frau der Welt. © Ralf Rottmann/FUNKE Foto Services

Angela Merkel: Was macht die Ex-Bundeskanzlerin im Ruhestand?

Angela Merkel wohnt mit ihrem Mann Joachim Sauer in einer Privatwohnung am Kupfergraben in Berlin-Mitte. In der Wohnung in einem Gebäude gegenüber des Pergamonmuseums lebte die CDU-Politikerin auch während ihrer Kanzlerschaft – einen Einzug in das Bundeskanzleramt, eigentlich der Sitz des Regierungschefs bzw. der Regierungschefin, lehnte sie ab.

Seit 1985 besitzen Merkel und ihr Mann zudem ein Wochenendhaus in Hohenwalde, einem Ortsteil von Milmersdorf in der Uckermark. Beide hören gerne Opernmusik und besuchen regelmäßig Premieren, beispielsweise bei den Bayreuther Wagner-Festspielen.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Um Merkels angebliches Leben in der Uckermark dreht sich auch die Buchreihe "Miss Merkel", in der die Ex-Kanzlerin Mordfälle löst. Tatsache ist aber: Die Handlung ist frei erfunden und hat nichts mit Merkels tatsächlichem Leben im Ruhestand zu tun.