Berlin. Nach nur einem Tag stoppt Verkehrsminister Wissing die Förderung von privaten Ladestationen für E-Autos. Ist da etwas schiefgelaufen?

Upps, die staatlichen Fördermittel für private Ladestationen für Elektroautos sind bereits ausgeschöpft. Nach nur einem Tag. "Bitte stellen Sie keinen Antrag mehr", fleht die staatliche Förderbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), am Mittwoch auf ihrer Website.

Um acht Uhr am Morgen war die Förderung gestartet, zunächst in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro. Im Laufe des Tages wurde sie um weitere 100 Millionen Euro aufgestockt. Schon in der Nacht zu Mittwoch musste die Aktion dann jäh und unvermittelt gestoppt werden. Ein KfW-Sprecher sagte unserer Redaktion, vom "Riesenrun" sei man "überrascht".

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach anderntags von einem "überwältigendem Zuspruch". Das Förderprogramm treffe offensichtlich den Nerv.

Maximaler Erfolg oder maximaler Frust?

Wissing hat mit seinem Förderprogramm einerseits einen maximalen Erfolg erzielt – und mit dem jähen Stopp andererseits womöglich für maximalen Frust gesorgt. 33.000 Anträge wurden bewilligt. Viele Interessenten können aber mit ihren Anliegen nicht mehr durchdringen. Sie gingen leer aus.

Das Programm ist eigentlich ein Vorzeigeprojekt für Wissings Ministerium. Es steht für den Klimaschutz, für die Reduzierung der CO-2-Emissionen – in diesem Fall durch die direkte Förderung Solaranlagen und mittelbar zusätzlich von Elektrofahrzeugen. Deren Kauf wird reizvoller, wenn die Besitzer gleichzeitig auch das Laden in Eigenregie lösen.

Förderung nach den Windhundprinzip

Der Fluch der guten Tat: Nach der Vollbremsung bei der KfW wurde das Ministerium des FDP-Politikers am Mittwoch von Anfragen überrannt. War es das? War das Programm von vornherein unterdimensioniert und unterfinanziert? Flugs forderte der ADAC den Minister auf, ein derart erfolgreiches – oder gnadenlos unterdimensioniertes? – Programm im nächsten Jahr fortzuführen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Interessenten die "Geschäftsbedingungen" kannten. Das Programm wurde nach dem so genannten Windhundprinzip ausgerollt. Dringlichkeit, Bedürftigkeit oder sonstige Prioritäten spielten somit überhaupt keine Rolle.

Die interessierten Autofahrer wussten, dass sie sich beeilen mussten. Zugeteilt werden die Mittel ausschließlich nach der Reihenfolge des Eingangs der Einträge. Wer zuerst kommt, der kassiert zuerst; und wer zu spät kommt, der geht eben leer aus.

Wissing hatte 500 Millionen Euro bereitgestellt

Dabei hat das Förderprogramm der Ampel-Regierung durchaus ein beachtliches Volumen von insgesamt 500 Millionen Euro. Es war tatsächlich erst am Dienstag vom Wissing-Ministerium in Berlin auf den Weg gebracht worden. Die insgesamt 300 Millionen Euro für dieses Jahr sind verbraucht und vergeben.

Die KfW hat für alle Interessenten, die nicht zum Zuge gekommen sind, einen Rat parat: Sollte die Bundesregierung Förder­mittel für den Zuschuss "Solarstrom für Elektro­autos“ bereitstellen, wie das Programm heißt, solle man sich über den Newsletter der KfW früh informieren – vor dem nächsten Run.

Der Zuschuss in Höhe von bis 10.200 Euro

Gleichwohl verblüfft der jetzige Ansturm ein wenig, weil die Fördermittel an vielen Bedingungen geknüpft waren, die nicht jeder Bürger erfüllen kann. Den Zuschuss von bis zu 10.200 Euro bekommen nur:

  • Eigentümerinnen und Eigentümer von selbst­genutzten Wohn­gebäuden;
  • die ein Elektroauto (ausdrücklich: kein Hybrid) kaufen, bestellt oder für mindestens ein Jahr geleast haben und
  • eine Photo­voltaik­anlage, einen Solarstromspeicher und einen Anschluss für eine Ladestation kaufen und installieren wollen.

Ausgeschlossen waren Unternehmen, aber auch eine Förderung für Ferien- oder Wochenend­häuser sowie für Neubauten. Auch die Kombination mit anderen Förder­mitteln wie Krediten, Zulagen und Zuschüssen war nicht zulässig. ­Damit wollte man gewiss Mitnahmeeffekte vermeiden. Ganz zu schweigen vom Kleingedruckten im Programm. Wissing schrieb nämlich auch eine Mindestleistung pro Wallbox (elf Kilowatt) sowie für den ­­Kauf einer Photo­voltaik­anlage und eines Stromspeichers (mindestens fünf Kilowattstunden) vor. Trotz all dieser Bedingungen ­­­­­blieb das Angebot äußerst attraktiv. Die Förderung deckt immerhin schätzungsweise ein Drittel der Kosten.

Lesen Sie dazu: Förderung für Ladestation – So bekommt man über 10.000 Euro

ADAC: Stellenwert des privaten Ladens steigt

Kein Wunder also, dass das elektronische Antragssystem beim KfW gleich zum Start zeitweise überlastet war. Die Frage ist nun, was Wissing aus seinem Erfolg lernt. Wie es heißt, plant er, 2024 weitere 200 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

Die schnelle Ausschöpfung am Dienstag zeigt für den ADAC "das hohe Interesse". Für ADAC-Unternehmenssprecher Jürgen Grieving wird nicht zuletzt der hohe Stellenwert privaten Ladens erkennbar. Wichtig sei gleichwohl, "dass die Bundesregierung auch beim öffentlichen Laden vorankommt".

Kosten von etwa 32.000 Euro

Viele Autofahrer sind offenbar die teils langen Wartezeiten an öffentlichen Ladesäulen leid. Wer zu Hause seinen eigenen Solar­strom tankt, macht sich unabhängig. Er ist autark, spart Stress, Zeit, und am Ende des Tages auch Geld. Denn: Wenn die (geförderte) Investition einmal getätigt ist, kostet der Solarstrom, von der eigenen Anlage kommt, so gut wie nichts.

'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

TA-Chefredakteur Jan Hollitzer betrachtet Themen, die uns beschäftigt haben, es momentan tun und künftig werden in kommentierter Form.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Um unab­hängiger von steigenden Energie­preisen zu werden, muss man allerdings erst mal in Vorleistung treten. Insgesamt kommen laut KfW Kosten von schätzungsweise 32.000 Euro für alle drei Komponenten zusammen. Grob gesagt, 20.000 Euro für eine Solaranlage, 10.000 Euro für einen Stromspeicher und mindestens 2000 Euro für eine Ladestation. Wenn alles nach Plan läuft, bekommen Interessenten nächstes Jahr noch eine Förderchancen.

Das könnte Sie auch interessieren: Solar-Anlage mieten statt kaufen – lohnt sich das?