Berlin. Eine neue Heizung kann auch im Altbau effizient arbeiten. Dafür wichtig: eine gute Verteilung der Wärme. Dieses System kann helfen.

  • In Zeiten von hohen Energiekosten und Klimakrise ist die Effizienz des Heizsystems wichtig
  • Allerdings muss die Wärme auch verteilt werden, was besonders im Altbau für Probleme sorgen kann
  • Hier erklären wir, warum die Flächenheizung für Eigentümer womöglich eine gute Lösung sein könnte

Das Heizungsgesetz der Ampelkoalition hat den Bundestag passiert und seit im Januar in Kraft. Im Heizungsgesetz wurde an einzelnen Punkten noch einmal nachjustiert. Neue Heizungen etwa sollen einen Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 65 Prozent aufweisen. Verschiedene Heizsysteme kommen infrage – dazu zählen:

Energetische Sanierung im Altbau: Mehr Effizienz durch Flächenheizung?

Herausforderungen in Altbauten sind oft: Eine unzureichende Dämmung und kleine Heizkörper im Haus können den Einsatz erneuerbarer Techniken wie der Wärmepumpe ineffizient machen. Unter Umständen sind vor einem Heizungstausch kleine Sanierungsmaßnahmen sinnvoll. Gerade im Gebäudebestand – wo unter anderem die Austauschpflicht für alte Heizungen nach 30 Jahren greift – sollten sich Eigentümerinnen und Eigentümer rechtzeitig über solche Maßnahmen Gedanken machen und sich bei Bedarf beraten lassen.

Mögliche Optimierungsmaßnahmen im Altbau sind etwa der Austausch der alten Fenster oder die Investition in neue Heizkörper. Der Vorteil bei größeren Heizkörpern: Die Vorlauftemperatur der Heizung ist geringer – die Heizung arbeitet somit effizienter und Energiekosten werden eingespart. Der Gedanke an eine Flächenheizung ist daher naheliegend. Doch für wen lohnt sich diese Investition? Immerhin ist die Installation gerade in Altbauten oft mit einer größeren Sanierung und somit hohen Kosten verbunden.

Flächenheizung statt Heizkörper im Altbau – diese drei Arten gibt es

Zunächst ist zu beachten: „Flächenheizung“ ist ein Oberbegriff. In der Heizungsbranche unterscheidet man zwischen drei Systemen:

  1. die Fußbodenheizung
  2. die Wandheizung
  3. die Deckenheizung

Die Fußbodenheizung ist vielen Verbrauchern die geläufigste Variante. Diese Heizungsart besteht aus flächig verlegten Rohrschlangen im Boden – diese werden von warmem Wasser durchflossen. Das bedeutet auch: Es wird immer noch ein Heizsystem für die Warmwasser-Aufbereitung benötigt. Oft kommt die Fußbodenheizung in Neubauten deshalb in Kombination mit einer Wärmepumpe zum Einsatz. Ein Nachteil der Fußbodenheizung ist neben dem Aufwand der Installation die Dauer, bis die Wärme im Raum spürbar wird.

Auch sollte das Zimmer ausreichend gedämmt sein, damit die gleichmäßig verteilte Wärme für eine konstant angenehme Temperatur sorgt. Allen voran in Altbauten kann daher die Wand- oder Deckenheizung die bessere Flächenheizung sein. Hier ist der Installationsaufwand geringer und Eigentümer profitieren oft noch von einem positiven Nebeneffekt. Im Unterschied zur Fußbodenheizung werden die Rohrschlagen nicht im Boden, sondern auf der Wand installiert. Das Onlineportal heizung.de nennt Trägermatten (Kapillarrohrmatten) als eine Möglichkeit.

Die Fußbodenheizung (Foto) ist die bekannteste Flächenheizung und kommt primär in Neubauten zum Einsatz. Dabei werden die Rohre im Fußboden verlegt und von warmem Wasser eines Wärmeerzeugers durchströmt.
Die Fußbodenheizung (Foto) ist die bekannteste Flächenheizung und kommt primär in Neubauten zum Einsatz. Dabei werden die Rohre im Fußboden verlegt und von warmem Wasser eines Wärmeerzeugers durchströmt. © iStock/filmfoto | Unbekannt

Investition in eine neue Heizung: Wandsystem hat im Altbau einen Vorteil

Neben der schnellen Reaktion auf sich ändernde Temperaturanforderungen im Raum hat eine Wandheizung im Altbau noch einen positiven Nebeneffekt: Sie schützt die Wände gut vor Feuchtigkeit und damit vor Schimmel. Die Wand sollte jedoch nicht zu stark mit Möbeln oder anderen Gegenständen zugestellt werden. Dieses Problem gibt es bei einer Deckenheizung nicht. Die Funktion und Montage ähnelt der Wandheizung. Auch hier kommen Trägermatten oder Trockenbauelemente an der Oberfläche zum Einsatz.

Gerade bei unbeheizten Dachräumen sollte bei der Deckenheizung jedoch auf eine ausreichende Dämmung der Decke geachtet werden – denn Wärme zieht bekanntermaßen nach oben. Die Dämmung spielt bei dieser Art der Flächenheizung daher noch einmal eine entscheidende Rolle. Von allen drei Flächenheizungsarten erreicht die Deckenheizung mit bis zu 92 Prozent den höchsten Strahlungsanteil. Der Grund: An der Decke steht die Luft meist still und erwärmt sich dadurch schneller.

Kosten für eine neue Heizung: Wie viel in Flächensysteme investiert werden muss

Nach Informationen des Bundesverbandes Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) lässt sich eine Deckenheizung im Sommer zudem zur Kühlung einsetzen. Wie bei der Wandheizung ist der Installationsaufwand im Unterschied zu einer Fußbodenheizung im Gebäudebestand geringer. Doch zur Wahrheit gehört auch: Die Investitionskosten pro Quadratmeter (m2) sind bei einer Decken- oder Wandheizung höher als bei einer Fußbodenheizung. Das Vergleichsportal Verivox nennt folgende Durchschnittsbeträge:

HeizungKosten pro Quadratmeter
FußbodenheizungNasssystem: 55 Euro
 Trockensystem: 45 Euro
 Elektrisch: 35 Euro
WandheizungNasssystem: 140 Euro
 Trockensystem: 100 Euro
 Elektrisch: 300 Euro
DeckenheizungNasssystem: 75 Euro
 Elektrisch: 125 Euro
 Infrarot: 200 Euro

Das Vergleichsportal unterscheidet dabei zwischen Nass-, Trocken- und Elektroniksystemen. Nach Informationen des Herstellers Vaillant sind Nass- und Trockensysteme die geläufigsten. Bei Nasssystemen liegen die Heizrohre direkt im Estrich und werden von diesem umschlossen. Bei Trockensystemen sind die Rohre in der Dämmschicht – unterhalb des Bodenbelags – untergebracht. Nasssysteme kommen oft in Neubauten zum Einsatz, während der weniger aufwendigere Einbau von Trockensystemen oft in Altbauten favorisiert wird.

Förderungen für Heizung im Altbau: Für wen sich eine Flächenheizung am Ende lohnt

Eine Sonderform bildet die elektrische Variante. Hier kommen statt Heizungsrohren oft dünne Folien zum Einsatz, die über den Estrich – direkt unter den Bodenbelag – gelegt werden. Bei dieser Variante sind neben den Investitions- auch die Stromkosten zu bedenken. Elektrische Heizungen eignen sich daher oft bloß für kleine Räume wie Badezimmer. Nass- und Trockensysteme werden an einen Wärmeerzeuger angeschlossen. Neben einer Wärmepumpe kann das auch ein Brennwert- oder Holzkessel sein.

Somit ist eine Flächenheizung im Altbau primär bei einer Modernisierung der Heizungsanlage interessant, wenn die bestehenden Heizkörper ohnehin zu klein sind. Je nach Art der Flächenheizung und der Größe der Räume ist mit Preisen von 55 Euro bis 300 Euro je Quadratmeter zu rechnen. Förderungen gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und die Förderbank KfW. Beim Tausch der alten Gas- oder Ölheizung gegen eine Wärmepumpe kann mit dem Heizungs-Tausch-Bonus der höchste Zuschuss erzielt werden.

Sanierung im Altbau: Nicht immer muss es gleich ein komplett neues Heizsystem sein

Genau wie bei der Planung gilt auch beim Thema Förderung: Die Höhe der Zuschüsse ist vom individuellen Fall abhängig. Daher sollten Hausbesitzer bei größeren Investitionen immer eine fachkundige Beratung in Erwägung ziehen. Gute Ansprechpartner sind Energieberater oder die Verbraucherzentralen. Einige Kosten für die Modernisierung können auch steuerlich geltend gemacht werden – hier kann ein Steuerberater helfen. Am Ende gilt es, unter Inanspruchnahme der Förderungen zu ermitteln, was die individuell beste Lösung ist.

Statt einer Flächenheizung können im Altbau auch kleine Sanierungsmaßnahmen oft schon ausreichen, damit ein neues Heizsystem wie die Wärmepumpe effizienter arbeitet. Das können etwa neue Heizkörper oder der Tausch alter Fenster sein. Solche Modernisierungsmaßnahmen müssen auch nicht alle auf einmal gemacht werden. Auch Sanierungsfahrpläne in mehreren Etappen sind eine Möglichkeit für Eigentümerinnen und Eigentümer, um nicht plötzlich vor horrenden Kosten zu stehen.